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200 Liter Buttermilch pro Woche: Jarosaw Panknin ist polnischer Markthändler in Leipzig

200 Liter Buttermilch pro Woche: Jarosaw Panknin ist polnischer Markthändler in Leipzig

Rund 3000 Polen leben laut aktueller Statistik in Leipzig. Mit seiner Veranstaltungsreihe "Polen von hier. Wir haben was zu bieten" präsentiert das hiesige Polnische Institut Landsleute, die in Deutschland arbeiten und eine zweite Heimat fanden.

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Jarosaw Panknin

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im Vorfeld der Gesprächsrunden stellt die LVZ die Pro-tagonisten vor. Heute: Lebensmittel-Händler Jarosaw Panknin.

Dienstags und freitags steht Jarosaw Panknin mit seinem Verkaufswagen auf dem Leipziger Markt. Immer an der gleichen Stelle, immer neben den gleichen Nachbarn. Auch als er jüngst wegen eines schweren Unfalls für mehrere Wochen pausieren musste, fehlte das Sortiment polnischer Spezialitäten nicht. Seine Frau und eine Verkäuferin hielten die Stellung und ihm den Rücken frei. Denn eigens wegen der Wurst- und Molkereiwaren sowie allerlei Süßigkeiten aus dem Nachbarland kommen viele Kunden vors Alte Rathaus. Krakauer, Beskidenwurst, Bigos, herzhafte und süße Piroggen, masurische Sahne und vieles mehr werden vorrangig aus Mittelpolen und Schlesien herbeigeschafft. Ist der Chef selbst an Bord, bekommt der in der Schlange Wartende gleich noch Sprachunterricht. Auf Russisch, Ukrainisch, Polnisch und Deutsch wird bestellt, nachgefragt, Auskunft gegeben.

Seit zwölf Jahren ist Panknin nun schon Wahl-Leipziger, betreibt seit fast zehn Jahren seinen Spezialitätenhandel, erst vier Jahre als Laden in der Eisenbahnstraße, mittlerweile als mobiles Geschäft. "1988/89 habe ich mit meiner Familie als Aussiedler - mein Vater und meine Oma sprachen immer Deutsch - Polen verlassen", erzählt der in Danzig Geborene. "Zunächst lebten wir zwölf Jahre in Westfalen. Um ehrlich zu sein: Ich wollte Wessi sein", blickt er zurück. Allerdings habe er sich in Dortmund doch nicht so recht wohl gefühlt und deshalb in Leipzig noch einmal einen Neustart gewagt. "Die Mentalität der Leute war schon anders, hier gefällt es uns wirklich besser." Das liegt vielleicht auch an seiner Arbeit. Als Lebensmittel-Verkäufer reicht die Frohnatur nämlich nicht nur Wurst über die Ladentafel, sondern schenkt gern auch ein freundliches Lächeln oder einen Händedruck. "Wer sich bei uns anstellt, der will etwas anderes als im Supermarkt", betont der Vater von Klaudia (21) und Dustin (16). "Ich weiß, was die Leute mögen, habe unter den täglich 300 bis 400 Kunden viele, die immer wiederkommen. Das macht mir schon Freude." So gehe es längst nicht mehr allein darum, zig Kilo Kabanossi, Knoblauchschinken oder Pflaumen in Schokolade zu verkaufen oder pro Woche 100 Kilo Quark oder 200 Liter Buttermilch - allesamt Renner auf dem Leipziger Wochenmarkt - an die Frau oder den Mann zu bringen. "Viele Leute sind einsam, kommen extra für ein kurzes Gespräch zu uns. Da fühle ich mich manchmal wie ein Priester, spreche Mut zu oder tröste über einen Verlust hinweg." Einen flotten Spruch habe er natürlich auch parat, wenn es passt. Oder mal ein Bonbon, das er mit dem Wechselgeld übergibt. "Ich kann manchem sogar den Urlaub verlängern", lacht der Mittvierziger. Wie das geht? "Nun, wenn Leute in Polen waren, haben sie oft noch so einen gewissen Geschmack auf der Zunge." Wenn er dann die gesuchte Spezialität hervorhole, sei die Freude groß und das Feriengefühl zurück.

Für eine eigene Urlaubsreise mit der Familie bleibe indes kaum Zeit, bedauert Panknin. Nur wenn sein Wagen geöffnet ist, egal ob in Leipzig, Halle oder in Zeitz, verdiene er auch Geld. Allerdings gebe es schon noch etwas Freizeit zum Entspannen, vor allem in der Natur. "Wenn ich zwölf Stunden mit Leuten zu tun hatte, mag ich irgendwann einfach niemanden mehr um mich haben." Zumal: "Die Kunden sehen uns von 8 bis 17 Uhr im Wagen. Dabei beginnt jeder Markttag schon morgens kurz nach vier."

Jarosaw Panknin ist am Mittwoch Gast der vierten Folge von "Polen von hier. Wir haben was zu bieten", die um 19 Uhr im Polnischen Institut, Markt 10, beginnt. Der Eintritt ist frei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.09.2013

Cornelia Lachmann

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