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Lokales 200 Meter Lärmschutzwand fehlen - Stötteritzer sind sauer
Leipzig Lokales 200 Meter Lärmschutzwand fehlen - Stötteritzer sind sauer
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01:00 03.09.2013
Matthias Gotthardt ist sauer, weil vor seiner Haustür eine Lärmschutzwand fehlt. Quelle: André Kempner

Offenbar weil sich dort laut Flächennutzungsplan ein Mischgebiet befinden. Die Anwohner sind entsetzt.

Dass vor seiner Haustür große Veränderungen anstehen, hat Dachdeckermeister Matthias Gotthardt im Oktober bemerkt. Damals rückte eine Firma an und fällte die 30 bis 40 Jahre alten Bäume, die an der Güntzstraße wie eine Lärmschutzwand standen und die Wohnhäuser gegen den Bahnlärm abschirmten. Danach wurden die Bahnanlagen komplett modernisiert - doch die erhoffte Lärmschutzwand wurde vor der Güntzstraße 1 bis 15 nicht errichtet.

Die Begründung hat der 41-Jährige inzwischen schwarz auf weiß: Die Lärmschutzbeauftragte der Stadt hat ihm mitgeteilt, es gebe für seine Adresse "keinen Anspruch auf Schallschutz", denn seine Wohngegend sei ein "Mischgebiet", für das die zulässigen Immissionsgrenzwerte von 64 Dezibel am Tag und von 54 Dezibel in der Nacht beim Bahnbetrieb eingehalten würden.

Seitdem graust es die fast hundert Anwohner vor der Inbetriebnahme des Leipziger City-Tunnels am 15. Dezember. "Dann fahren bei uns nicht nur alle fünf Minuten die S-Bahnen, sondern auch ICE und Güterwagen", sagt Gotthardt. "Nicht nur die Abstände der Zugfahrten werden deutlich kürzer sein, sondern die Züge werden auch deutlich länger. Am schlimmsten sind aber die Güterzüge: Wenn ihre Waggons beim Bremsen aneinanderstoßen, wirkt der Lärm wie ein Schlag ins Gesicht." Besonders schlimm sei dies in der Nacht.

Inzwischen fordern dutzende Anwohner mit ihren Unterschriften den nachträglichen Bau einer Lärmschutzwand. "Die Stadt hätte eigentlich wissen müssen, dass wir inzwischen längst ein Mischgebiet mit überwiegendem Wohnanteil geworden sind, für das der Bau einer Lärmschutzwand möglich ist", reklamiert Gotthardt. Unterschrieben hat auch Ingeborg Blumenthal aus Frankfurt am Main, der das Mehrfamilienhaus in der Güntzstraße 1 gehört. "Wir wurden nicht angeschrieben", sagt sie. "In meinem Haus wohnen 14 Mietparteien. Ich haben jetzt Angst, dass sie ausziehen." Auch eine Tagesmutter, die mehrere Kinder betreut, ist entsetzt. Ebenso Anwohner der Schönbachstraße, deren Balkone und Terrassen zur Bahnanlage ausgerichtet sind. "Wir habe mit dem Tiefbauamt gesprochen und mit den Ökolöwen, sogar der damalige Bau-Bürgermeister Martin zur Nedden war hier", berichtet Frank Ulbrich aus der Schönbachstra- ße 69. "Überall hieß es: ,Das Planfeststellungsverfahren ist längst abgeschlossen, das Ding ist gelaufen.'" Dies steht auch in einem Brief von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD).

Durch einen Tipp des Bundestagsabgeordneten Wolfgang Tiefensee (SPD) konnten die Anwohner den Konzernbevollmächtigten der Deutschen Bahn Arthur Stempel für ihr Problem gewinnen. Er hat bewirkt, dass an der Grenze der Bahnanlagen nicht wie ursprünglich geplant eine Streuobstwiese entsteht, sondern Bäume und Hecken gepflanzt werden.

Die Anwohner glauben, dass dies nicht ausreicht und fürchten um die Zukunft ihres Gebietes. "Ein Investor, der das Areal des ehemaligen Unternehmens Säureschutz mit Wohnungen bebauen will, schreckt schon zurück", hat Gotthardt erfahren. "Ohne Lärmschutz wird es nicht gehen." Die Bahnanlagen seien Neubauten und für diese sei mehr Lärmschutz möglich. Die Stadtverwaltung müsse sich stärker hinter ihre Bürger stellen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.09.2013

Andreas Tappert

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