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200.000 Besucher weniger, dafür viele neue Tiere: Zoochef Junhold im Sommer-Interview

200.000 Besucher weniger, dafür viele neue Tiere: Zoochef Junhold im Sommer-Interview

Mit dem Sommerwetter kommen wieder Besuchermassen in den Zoo - sehr zur Freude des Zoochefs. Der lange Winter hat dieses Jahr ein Loch in die Kasse gerissen, es musste gegengesteuert werden.

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Hat aktuell und in den nächsten Jahren viel mit dem Leipziger Zoo vor: Direktor Jörg Junhold.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Im LVZ-Sommer-Interview äußert sich Direktor Jörg Junhold (49) zu Einnahmen und Ausgaben, zum aktuellen Baugeschehen im Zoo, zu notwendigen Hochwasserschutz-Maßnahmen, diebischen Auwald-Tieren, neuen Tierbabys und einer unerwarteten Erbschaft.

LVZ:

In Leipzig lag dieses Jahr Schnee bis nach Ostern. Wie ist 2013 für den Zoo angelaufen?

Jörg Junhold:

Wie alle Zoos und Freizeiteinrichtungen unter freiem Himmel hatten wir weniger Besucher als geplant. Zwei Jahre nach der Eröffnung von Gondwanaland hatten wir schon einen Rückgang von 200 000 Gästen einkalkuliert, aber auch dazu liegen wir 50 000 unter Plan. Das holen wir nicht mehr auf, auch wenn die Hauptsaison mit den Sommerferien erst beginnt.

Vorsichtig geschätzt, fehlt damit eine Dreiviertelmillion Euro in der Kasse. Wie steuert der Zoo gegen?

Nach zwei üppigen Jahren haben wir ein Stück am Marketing gespart, bei den Instandhaltungen etwas ins nächste Jahr verschoben. Geholfen hat uns eine unerwartete Erbschaft von mehr als 100 000 Euro, von der uns ein Anwalt kürzlich in Kenntnis gesetzt hat. Wenn die Sommerferien gut laufen, sind keine drastischeren Einsparungen nötig und der Besucher wird es nicht spüren.

Aus dem Zentralstadion ist die Red-Bull-Arena geworden. Haben Sie mal darüber nachgedacht, das Gondwanaland mit einem Sponsorennamen zu verknüpfen und dafür ordentliche Einnahmen zu kassieren?

Da hat es tatsächlich zwei bis drei Vorschläge gegeben, aber wir haben den Gedanken ad acta gelegt. Wir fühlen uns als gemeinnützige Einrichtung gut aufgehoben. Ich möchte die Grundwerte, dass es hier nicht um Profit geht, nicht gefährdet sehen.

Mitten durch den Zoo fließt die Parthe. Hat das Hochwasser Anfang Juni Schaden angerichtet?

Vom Hochwasser war die Parthe nicht vorrangig betroffen. Wenn die Elsterdämme allerdings gebrochen wären, wäre das Rosental überschwemmt worden und wir hätten das Giraffenhaus schützen müssen. Aber beim Unwetter Ende Juni ist binnen anderthalb Stunden der Wasserstand der Parthe höher gestiegen als er beim Hochwasser war. An der Parthe zwischen Eingangsbrücke und Brücke Gondwanaland werden wir künftig mobile oder feste Hochwasserwände integrieren. Der Zoo ist seit 2002 Teil des Hochwasserschutzkonzeptes der Stadt.

Mitten in der Stadt leben Waschbären, Füchse, Marder, Elstern oder Eichhörnchen. Wie schützen Sie die Zootiere gegen diese hungrigen Wildtiere?

Wir versuchen, damit zu leben, schließlich sind wir selbst zu Gast im Auwald. Unsere Zwergflamingos und Pinguine, die nachts draußen bleiben, schützen wir mit Elektrodraht gegen Füchse. Auch die Graureiher werden immer mehr. Die fressen mal einen Fisch mit, das ist nicht so schlimm. Durch Graureiher haben wir aber schon vier Bäume verloren, die als Nistplätze genutzt wurden. Durch den Kot sterben die Äste ab.

Auch im Gondwanaland sind Tiere verschwunden. Von vier Grünen Leguanen sind nur noch zwei da?

Sie sind wohl gefressen worden. Als Täter kommen die Riesenotter oder die Krokodile in Frage. In der Natur ist es nun mal so, dass es einen Nahrungskreislauf gibt, aber das wissen viele Leute nicht mehr. Wir haben uns entschieden, sie frei laufend zu halten, fühlen uns verantwortlich, auch diese Zusammenhänge zu zeigen.

Dafür können die Besucher neue Tierbabys bewundern. Wo gibt es aktuell Nachwuchs, wo wird welcher erwartet?

Wir freuen uns sehr, dass bei den Kleinen Pandas jetzt die Zucht in Gang gekommen zu sein scheint, nachdem wir 15 Jahre keinen Nachwuchs hatten. Aktuell hat Katze Lilo zwei Jungtiere zur Welt gebracht, mit denen sie sich für die ersten Wochen in die Mutterstube zurückgezogen hat. Bei den Ozelots hat es Nachwuchs gegeben, bei den Nashörnern erwarten wir im September Nachwuchs, auch bei den Zebras könnte es noch ein Jungtier geben. Wünschen würde ich mir eine neue Elefantenträchtigkeit, aber da ist nichts in Sicht. Bei den Okapis haben wir jetzt ein Paar, aus dem mal ein Zuchtpaar werden kann. Ziel ist es, dass wir auch da Nachwuchs bekommen.

Die Umgestaltung zum Zoo der Zukunft geht bis 2020 weiter, welche Neueröffnungen kommen als nächstes?

Zum Saisonstart 2014 eröffnen wir die neue Amurleoparden-Anlage. Im Sommer 2014 folgt der neue Zooausgang auf der anderen Seite der Parthe mit einer begehbaren Flamingo-Voliere. Der neue Zooshop, der dort entsteht, wird eine Attraktion für sich. Jeder Besucher wird über einen südamerikanischen Marktplatz laufen, auf dem ein roter amerikanischer Schulbus steht. Mit unseren neuen Anlagen wollen wir den Besuchern immer etwas bieten, was es so noch nirgends gibt.

Die alte Bärenburg ist geschlossen und wird bis 2014 zum Riesen-Spielplatz umgestaltet. Was ist mit den zwei verbliebenen Brillenbären geworden?

Wir haben sie im rückwärtigen Gehege von Gondwanaland untergebracht. Dort steht ihnen eine etwa 500 Quadratmeter große Freianlage zur Verfügung. Sie sind schwer zu vermitteln, dennoch versuchen wir es.

Auch im Jahr 2015, wenn Leipzig sein 1000-jähriges Stadtjubiläum feiert, steuert der Zoo Spektakuläres bei?

Dann eröffnen wir die Kongreßhalle, den neu gestalteten Konzertgarten und die erweiterte Afrika-Savanne, auf der auch Nashörner und Paviane leben.

Im Oktober werden Sie in Orlando in Florida turnusmäßig als Präsident des Weltzooverbandes verabschiedet. Was hat Ihre zweijährige Amtszeit gebracht?

Es hat sich viel bewegt. Wir haben ein Budget von 1,3 Millionen Schweizer Franken erhalten, mit dem wir ein Kommunikationsprogramm zur Dekade der Biodiversität auflegen konnten. In Orlando stellen wir den ersten Entwurf einer Welttierschutzstrategie vor. Auch mein dritter Schwerpunkt, das Populationsmanagement, läuft gut, ich bin zufrieden. Gute Grundlagen wurden für die Zusammenarbeit mit China gelegt, aber für eine langfristige Kooperation sind zwei Jahre Präsidentschaft zu kurz. Insgesamt bin ich zufrieden. Dem künftigen Präsidenten Lee Ehmke aus Minnesota in den USA stehe ich gern beratend zur Verfügung, wenn er mich braucht. Ansonsten bin ich gerade Mitglied im Vorstand des Europäischen Zooverbandes geworden, da kann ich meine Erfahrungen einbringen.

Interview: Björn Meine/Kerstin Decker

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.07.2013

Björn Meine/Kerstin Decker

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