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2000 Leipziger setzen Protestzeichen gegen Fremdenfeindlichkeit

2000 Leipziger setzen Protestzeichen gegen Fremdenfeindlichkeit

Mahnwache, Friedensgebete, Demonstration - in Leipzig sind gestern wieder starke Protestzeichen gegen die islamkritische Legida-Bewegung und deren geplante Aktionen gesetzt worden.

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Rund 2000 Leipziger beteiligten sich am Protest gegen Legida und am Friedensgebet an der Synagogen-Gedenkstätte in der Gottschedstraße.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Mit Blick darauf, aber auch im Erinnern an die vor 70 Jahren erfolgte Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz gingen gestern Abend rund 2000 Bürger auf die Straße. Sie folgten einem Aufruf des Aktionsbündnisses "Willkommen in Leipzig - eine weltoffene Stadt der Vielfalt". Vor dem Marsch vom Augustusplatz über den Ring bis zur Synagogen-Gedenkstätte, bei dem für das Grundrecht auf Asyl, eine menschenwürdige Aufnahme von Flüchtlingen, religiöse und weltanschauliche Pluralität und eine demokratische Streitkultur demonstriert wurde, gab es eine Mahnwache auf dem Nikolaikirchhof.

Dort sprach unter anderem Pfarrer Michael Günz von der Sophienkirchgemeinde. Kein Mensch sei illegal, sagte er. Im Zusammenhang mit Flüchtlingsunterkünften gehe es aber auch darum, Vorurteile abzubauen, aufzuklären und "die Anwohner mitzunehmen, statt Ängste zu schüren". Beim Friedensgebet in der Nikolaikirche hieß es anschließend, in der jetzigen angespannten Situation müsse Gewaltlosigkeit großgeschrieben und die Dialogfähigkeit bewahrt werden. Allerdings könne der Diskurs nicht mit jenen erfolgen, die von einem angeblichen Kriegsschuldkult und einer Generationenhaftung reden. "Wir wollen und dürfen nicht geschichtslos sein", meinte Timotheus Arndt vom Leipziger Uni-Institut für Alttestamentliche Wissenschaft mit Bezug auf die Nazi-Verbrechen.

Schlag 18 Uhr setzte sich der Demonstrationszug in Bewegung: Viele Teilnehmer trugen Kerzen, ihr Ziel war die 2001 eingeweihte Gedenkstätte in der Gottschedstraße, wo 140 Bronzestühle symbolisch für die jüdischen Opfer des faschistischen Terrors stehen. Ex-Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff wandte sich als Erster an die bei Regen am Mahnmal Versammelten: "Wann und wo sie auch auftreten, unter welchem Deckmantel sie auch agieren, wir werden uns ihnen entschlossen entgegenstellen", sagte Wolff und reagierte damit auf die Ankündigung, dass am Freitag durch Legida und in ihrem Fahrwasser Aktionen, darunter auf dem Thomas- und Nikolaikirchhof, avisiert wurden. "Das sind Produkte eines rechten Netzwerkes, die auf Ausgrenzung setzen und das städtische Leben vergiften."

Der Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinde zu Leipzig, Zsolt Balla, sagte vor dem Gebet am Mahnmal, die Stimme des Streites möge nun verstummen. "Es ist eine Bitte, die ich hier aussprechen möchte, die für Frieden in dieser Stadt."

Zugegen war auch der Präsident der israelischen Bar-Ilan-Universität, Professor Daniel Hershkowitz, der einen Psalm bei dem Gebet übernahm. Er ist derzeit in Leipzig zu Gast, weil an der Universität ein Symposium ausgerichtet wird, das sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit dem Holocaust und seinen Folgen für das Juden- und Christentum befasst.

An der Tagung, die gestern Abend eröffnet wurde und heute ihre Fortsetzung findet, nimmt auch der Gesandte der israelischen Botschaft in Deutschland, Avraham Nir-Feldklein, teil.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.01.2015

Mario Beck

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