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Lokales 25 Jahre Mauerfall: Was ist aus Pfarrer Christoph Wonneberger geworden?
Leipzig Lokales 25 Jahre Mauerfall: Was ist aus Pfarrer Christoph Wonneberger geworden?
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18:11 21.10.2014
Christoph Wonneberger (* 5. März 1944 in Wiesa/Erzgebirge) ist evangelischer Pfarrer i.R. und einer der Initiatoren der Montagsdemonstrationen in Leipzig. Quelle: Andreas Döring
Leipzig

Ein Schlaganfall im Oktober 1989 zwang den Erfinder der Friedensgebete mit gerade einmal 45 Jahren zum Aufhören. 25 Jahre später wird der mutige Pfarrer von einst für sein Engagement geehrt.

Allein zwei Auszeichnungen in diesem Jahr, darunter der Deutsche Nationalpreis. Der DDR-Bürgerrechtler Uwe Schwabe gönnt dem Weggefährten diese Anerkennung. Nach dem Schlaganfall hätten sich Oppositionelle und Freunde zu wenig um Wonneberger gekümmert. „Dass Wonneberger jetzt für seine Taten gewürdigt wird, ist eine Art Wiedergutmachung“, sagt Schwabe.

Wonneberger selbst schaue ohne Groll zurück. Damals stand er stark unter Druck, vonseiten der Kirche, seiner Gemeinde, des Staates. Sein Körper habe sich gerächt, glaubt Schwabe. Der Pfarrer verlor seine Sprache, brauchte mehrere Jahre, um sie zurückzugewinnen. „Für jemanden, für den Worte ein wichtiges Instrument sind, war das ein wahnsinniger Verlust“, sagt Schwabe.

Seine Pfarrstelle an der Leipziger Lukaskirche wollte Wonneberger eigentlich nicht aufgeben. 1991 wurde er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Das habe ihn getroffen wie die Krankheit, erzählt Schwabe. Heute ist Wonneberger nicht mehr politisch aktiv, aber nicht unpolitisch. Er kritisiert die Waffenexporte der Bundesregierung und tritt vehement für eine friedliche Lösung von Konflikten ein. „Er wäre aber nie in die Politik gegangen“, erklärt der Journalist Thomas Mayer. Er schrieb über Wonneberger die Biografie „Der nicht aufgibt“.

Wonneberger stelle sich anderen Herausforderungen. Er fährt Rad, weite Strecken. Einmal von Paris nach Moskau. „Er war immer konsequent und vor allem rigoros zu sich selbst“, beschreibt ihn Mayer.

Für seine klare Haltung und seinen kritischen Blick bewundern ihn viele ehemalige Weggefährten. Genau der habe im Herbst 1989 gefehlt, meint Schwabe. „Doch Wonneberger hat seine Mission am 9. Oktober 1989 erfüllt“, sagt Mayer. Der friedliche Verlauf der größten Montagsdemonstration war sein persönlicher Erfolg.

dpa

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