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Lokales 31 neue Stolpersteine erinnern in Leipzig an Opfer des Nationalsozialismus
Leipzig Lokales 31 neue Stolpersteine erinnern in Leipzig an Opfer des Nationalsozialismus
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16:44 25.11.2018
Die Schüler der Neuen Nikolaischule erinnern an den Leipziger SPD-Politiker Kurt Günther, seine Frau Minna und deren Sohn. Sie sind Paten der neuen Stolpersteine, für die sie Spenden gesammelt haben. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Nach einer Gedenkminute warfen die ersten neugierige Blicke auf die frisch gesetzten Stolpersteine. Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte sie am Freitagnachmittag für die kleine Familie von Kurt Günther. Der Leipziger Sozialdemokrat hat die Zeit des Nationalsozialismus genau wie seine Frau und sein Sohn nicht überlebt.

Gemeinsames Projekt des Erich-Zeigner-Hauses und der Neuen Nikolaischule

„100 Jahre nach der Novemberrevolution und der Weimarer Republik haben wir uns entschlossen, in diesem Jahr einen politisch Verfolgten zu ehren. Das große Interesse zeigt aber auch, dass die Steine nicht nur für eine Erinnerungskultur wichtig sind. In Zeiten einer erstarkenden Rechten gewinnen sie auch politisch Bedeutung“, sagte Henry Lewkowitz, der Leiter des Erich-Zeigner-Hauses.

Rund 70 Zuschauer verfolgten die kleine Zeremonie, die Schüler der Neuen Nikolaischule gestalteten. Die Gymnasiasten, die jetzt in der 11. und 12. Klasse sind, hatten seit dem vergangenen Schuljahr mit Lewkowitz und ihrer Lehrerin Carola Pracht diesem speziellen Leipziger Schicksal nachgespürt. So erkundigten sie sich unter anderem im Sächsischen Staatsarchiv und beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen.

Die Steine für Kurt Günther und seine Familie gehören zu den 31 neuen Stolpersteinen, mit denen in Leipzig an Menschen erinnert wird, die durch die Nazis verfolgt wurden. Weil Günthers Sohn im Krieg starb, erinnert einfacher Basalt an ihn. Quelle: Christian Modla

Häftling Nummer 2732 bekommt ein Gesicht

Kurt Günther wurde 1895 in Leipzig geboren. Kurz nach dem Ersten Weltkrieg trat er in die SPD ein und engagierte sich in der Reichsbanner-Bewegung, die sich für die noch junge deutsche Demokratie einsetzte. Er arbeitete als Redakteur für die LVZ und war SPD-Ortsvorsitzender in Thonberg. Zusammen mit seiner Familie lebte damals in der Lorckstraße 12. Die Straße ist heute nach ihm benannt, die neuen Stolpersteine stehen vor seinem früheren Wohnort.

Nach der Machtergreifung der Nazis verlor Günther seine Arbeit, was ihn nicht hinderte, sich im Untergrund zu engagieren. Bereits im Herbst 1934 wurde die Widerstandsgruppe, der er angehörte, enttarnt und er wegen Vorbereitung des Hochverrats angeklagt. Statt nach drei Jahren und sechs Monaten frei zu kommen, nahmen ihn die Nazis am Tag seiner Entlassung in Schutzhaft.

Er wurde nach Dresden und schließlich nach Buchenwald deportiert. Seine Frau Minna, die mit dem kleinen Sohn zurückgeblieben war, nahm sich daraufhin das Leben. Günther selbst wurde genau zwei Jahre danach, am 7. Juni 1940, als Häftling Nummer 2732 in Block 38 in Buchenwald ermordet. Auch sein Sohn überlebte den Krieg nicht. Er wurde als 17-Jähriger eingezogen und starb 1945 an der Front.

31 neue Orte des Erinnerns in Leipzig

Die drei Steine, die ihnen gewidmet sind, sind nicht die einzigen, die die Leipziger Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine am Freitag neu gesetzt hat. Zu den 480 Steinen, die sich bereits in der Stadt verteilen, kamen 31 hinzu.

Sie erinnern etwa in der Karl-Heine-Straße 43 an ein Familienunternehmen, das in den Bankrott getrieben wurde und dessen Mitglieder ermordet wurden. In der Jahnallee 5 und Nikolaistraße 31 wiederum wird das Schicksal von Eltern gezeigt, die ihre Kinder noch retten konnten, selbst aber umkamen.

Juden, Künstler, Oppositionelle: Steine erinnern an NS-Opfer

An der Verfassungslinde erinnert ein Stein an einen Künstler, den die Nazis als „asozial“ diffamiert und verhaftet hatten. In der Körnerstraße sind drei Steine einer Sängerin und ihren beiden Schwestern gewidmet.

Im Gedenken an Menschen, die wegen ihrer jüdischen Herkunft oder ihrer politischen Einstellung verfolgt wurden, finden sich weitere Steine in der Eisenbahnstraße 47, in der Zweinaundorfer Straße 18, in der Funkenburgstraße 27 und in der Humboldtstraße.

Von Manuel Niemann

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