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Lokales 3600 Euro Strafe für Laubenpieper: Krankem Mann im Notfall keine Hilfe geleistet
Leipzig Lokales 3600 Euro Strafe für Laubenpieper: Krankem Mann im Notfall keine Hilfe geleistet
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23:30 02.02.2015
Der Rentner soll einem Gartennachbarn in Not nicht geholfen haben. Quelle: Ria Nowosti (Symbolfoto)

Kurz darauf starb Guntram F. (61) in seiner Laube in der Kleingartenanlage Priessnitz-Morgenröte. Der Rechtsmedizin zufolge hatte er an diesem heißen Sommertag mit Temperaturen über 30 Grad Celsius einen Herzinfarkt erlitten.

Laut Richterin Ute Fritsch machte sich der frühere Heizer und Lagerarbeiter der unterlassenen Hilfeleistung schuldig. Sie verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 3600 Euro (90 Tagessätze à 40 Euro). "Man kann sich nicht einfach umdrehen und gehen, weil Hilfe vielleicht Aufwand und Stress bedeuten", sagte die Richterin. "Der Angeklagte hat sich als Herr über Leben und Tod aufgespielt."

Klaus J. war von einem Gartennachbarn angezeigt worden. Dieser hatte ihn aus der Laube kommen sehen und einen Tag nach dem Unglücksfall zur Rede gestellt. Dabei habe ihm der spätere Beschuldigte gesagt: "Guntram röchelte, lief blau an, da ist nichts mehr zu machen", berichtete der Zeuge vor Gericht. Er sei darüber entsetzt gewesen. "Ein solches Verhalten wie vom Angeklagten kann die Gesellschaft nicht tolerieren", so Staatsanwältin Karin Schultrich. Sie verwies in diesem Zusammenhang auf den schweren Unfall vom Wochenende auf der Autobahn 2 bei Magdeburg. Dort hatten Fahrer nicht angehalten, auf der Straße liegende Verletzte regelrecht umkurvt.

Bei unterlassener Hilfeleistung droht eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Haft. Für den nicht vorbestraften Klaus J. forderte die Staatsanwältin 4000 Euro Strafe (100 Tagessätze à 40 Euro), zumal er auch noch über eine Sanitäter-Ausbildung verfügt habe.

Verteidiger Jürgen Kohlen indes plädierte auf Freispruch. Er hielt den Tatvorwurf für nicht erwiesen. "Mein Mandant musste nicht erkennen, dass ein akuter Unglücksfall vorlag", so der Anwalt. Er monierte, dass die Staatsanwaltschaft ihre Anklage nur auf "eine Kleinst-Aussage" eines Zeugen gestützt habe. Ob er Berufung einlegen werde, blieb offen. Kohlen hatte auf die mögliche Schuld der Ex-Ehefrau des Opfers verwiesen, die zur fraglichen Unglückszeit ebenfalls in der Laube gewesen sei. Dazu die Staatsanwältin: "Ihr kann ein entsprechender Tatvorwurf nicht gemacht werden." Karola F. (63) stellte zwar fest, dass Guntram F. wie auch schon gelegentlich früher schwer geatmet habe. "Sie hatte aber keine Anhaltspunkte für akute Gesundheitsprobleme", so Schultrich.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.02.2015

Sabine Kreuz

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