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44-jähriger Erzieher schwängert 13-Jährige in Leipzig: Fast sechs Jahre Haft

44-jähriger Erzieher schwängert 13-Jährige in Leipzig: Fast sechs Jahre Haft

"Sie sind ein intelligenter Mensch, warum wollen Sie nicht verstehen, dass Sie schlimmste Straftaten begangen haben?!". Auch bei diesen Worten des Vorsitzenden Richters Norbert Göbel schaute Ex-Erzieher Marco K.

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Der ehemalige Erzieher muss fast sechs Jahre ins Gefängnis.

Quelle: Uli Deck (Symbolfoto)

(44) am Dienstag eher ungläubig in die Runde. Nur scheibchenweise gab der Angeklagte am Landgericht den schweren sexuellen Missbrauch eines Mädchens aus einem Wohnprojekt in Leipzig zu, sprach von Liebe. Im Alter von 13 Jahren war die betroffene Jugendliche 2012 schwanger geworden, hatte einen Abbruch vornehmen lassen.

Bereits wenige Tage nachdem sie im November 2011 in der Wohngruppe aufgenommen worden war, begann Marco K., der aus Saalfeld in Thüringen stammt, ein Verhältnis mit ihr. Er fungierte in dem Projekt, das eine gemeinnützige GmbH als freier Träger der Jugendhilfe anbietet, als eine Art Familienvater. Zur Tatzeit betreute er fünf Mädchen und Jungen aus schwierigen familiären Verhältnissen. Die Kinder waren anderthalb bis zehn Jahre alt, als die 13-Jährige dazustieß. K. kochte, machte sauber, windelte die Kleinen - und verging sich abends an der Ältesten. Im selben Haus, aber im Dachgeschoss, wohnten seinerzeit seine Partnerin und die gemeinsame Tochter (damals 10).

"Sie sind 30 Jahre älter als das Mädchen - Haben Sie eine Erklärung?", fragte der Richter. "Ich weiß es nicht", so der Angeklagte. "Er war sich der Tragweite gar nicht bewusst", versuchte Verteidigerin Petra Lukas eine Erklärung. Diese Naivität nahm Staatsanwalt Michael Höhle dem Angeklagten allerdings nicht ab. Er verwies auf Handy-Nachrichten zwischen Erzieher und Mädchen. "Du kannst der Untergang für mich sein", hatte er dem Kind geschrieben. "Aber ich liebe dich."

Nach ihrem 14. Geburtstag zog sich die Jugendliche immer mehr zurück, stellte dem Angeklagten ihren "neuen Freund" vor, offenbarte die Beziehung zum Betreuer auch ihrer Mutter. Im Januar 2013 wurde Marco K. angezeigt - daraufhin durchsuchte die Polizei seine Wohnung. Zugleich erhielt er von der Firma die fristlose Kündigung. Und die Lebenspartnerin trennte sich von ihm.

"Mich wundert, dass Sie nicht in Untersuchungshaft genommen wurden", sagte Göbel. Denn K. habe "Taten der schwersten Art, die das Strafgesetzbuch kennt, begangen". Das Gericht sprach ihn wegen schweren sexuellen Missbrauchs sowie Körperverletzung schuldig, hielt elf Fälle für erwiesen. Die Verfahren um zehn weitere zunächst angeklagte Handlungen wurden eingestellt.

Staatsanwalt Höhle beantragte sechseinhalb Jahre Freiheitsentzug und den sofortigen Erlass eines Haftbefehls. Die Verteidigerin wollte eine geringere Sanktion, nannte aber kein Strafmaß. Das Gericht verhängte fünf Jahre und neun Monate, ließ den 44-Jährigen aber nicht sofort wegen Fluchtgefahr festnehmen. Er arbeite in einer Zeitarbeitsfirma, wohne bei seiner Mutter in Saalfeld, habe sich immer dem Verfahren gestellt, hieß es. Ob er in Revision geht, wusste er gestern noch nicht. Die inzwischen 16 Jahre alte Geschädigte lebt in einer anderen Wohngruppe, in der es nur weibliche Erzieher gibt, so Opferanwältin Anja Truthmann. Die Jugendliche könne jetzt scheinbar gut mit der Situation umgehen. "Aber ich denke, sie hat eine Fassade aufgebaut."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.01.2015

Sabine Kreuz

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