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Lokales 450 Meter langer Kanal soll Leipzigs Norden vor Hochwasser schützen
Leipzig Lokales 450 Meter langer Kanal soll Leipzigs Norden vor Hochwasser schützen
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00:17 30.12.2016
Nahe der Gleistrasse über die Neue Luppe soll ein 450 Meter langer und 30 Meter breiter Kanal für den Hochwasserschutz errichtet werden. Rechts: der Heuweg. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Aus Sicht des Freistaates Sachsen ist es das wichtigste, neue Hochwasserschutzprojekt in Leipzig. Die schnell anschwellenden Wasser der Parthe sollen in Zukunft nicht mehr über die Weiße Elster in Richtung Schkeuditz und Halle abgeleitet werden. Stattdessen plant das Land den Bau eines 30 Meter breiten und 450 Meter langen Kanals, welcher das Parthe-Wasser zur deutlich leistungsfähigeren Neuen Luppe transportieren könnte.

Auf LVZ-Anfrage bestätigte jetzt das Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, dass sich der Freistaat – nach Prüfung verschiedener Varianten – auf den konkreten Verlauf für den neuen Kanal festgelegt hat. „Nach gegenwärtigem Stand verliefe die Trasse zwischen Kläranlage Rosenthal und ICE-Trasse“, so Ministeriumssprecher Frank Meyer. Und zwar schnurgerade – nach der Einhaltung eines Mindestabstandes – immer an der vorhandenen ICE-Strecke entlang. Etwa 15 Millionen Euro werde das Bauwerk kosten. In ganz Sachsen stünden derzeit aber so viele „hoch prioritäre Hochwasserschutzvorhaben“ an, die schon im Bau oder weit fortgeschritten im Genehmigungsverfahren sind, dass sich für den Start des Kanalprojekts in Leipzig noch keine Jahreszahl nennen lasse, sagte er.

Dennoch: Schon seit dem August-Hochwasser von 2002, als Elbe und Mulde etliche Altstädte überschwemmten, ist auch ein besonderer Handlungsbedarf für die Parthe-Ableitung erkannt. Obwohl Leipzig damals – anders als zum Beispiel Dresden, Grimma oder Eilenburg – kaum betroffen war, wurde das Projekt im Hochwasserschutzkonzept des Landes von 2004 sowie im integrierten Gewässerkonzept für das Leipziger Stadtgebiet verankert. Nach dem Hochwasser vom September 2013, bei dem die Messestadt tagelang im Ausnahmezustand war und auch mit etwas Glück einer Überflutung entging, hatte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke) vor allem auf Gefahren durch die Parthe hingewiesen. Weil dieser Fluss über ein sehr begrenztes Bett verfüge und deshalb rapide ansteigen kann, sollten Stadt und Freistaat „jetzt gemeinsam mit Nachdruck an dem Thema dranbleiben“, forderte Rosenthal.

Die Parthe müsste bei einem sogenannten 100-jährigen Hochwasser in Höhe des Leipziger Zoos etwa 42 Kubikmeter Wasser pro Sekunde ableiten, erklärte Axel Bobbe, Leiter der Landestalsperrenverwaltung, gegenüber der LVZ. Sie mündet in die Weiße Elster, die früher mal zwischen 40 und 60 Kubikmeter Wasser pro Sekunde schaffte. „Heute ist die Weiße Elster jedoch so zugesetzt, dass sie schon bei 20 bis 22 Kubikmetern pro Sekunde ausufern würde. Und sie grundhaft zu entschlammen, ist aus Gründen des Naturschutzes nicht möglich.“ Folglich habe der Freistaat inzwischen eine Entwurfsplanung für das 450 Meter lange Verbindungsstück bis zur Neuen Luppe erstellt, welche in den 1930er Jahren als Kanal für den Hochwasserschutz entstanden war. Es habe dazu enge Abstimmungen mit den Leipziger Wasserwerken gegeben, weil ein Teil der geplanten Anlage über das Grundstück vom Klärwerk im Rosental verläuft. Laut Bobbe soll der neue Kanal nicht direkt an der Parthe, sondern gleich hinter deren Mündung an der Weißen Elster beginnen. Mit Hilfe von Schützwehren an beiden Enden des Kanals könne der Abfluss der Fluten in einem Hochwasserfall dann so geregelt werden, dass Teilmengen von Parthe, Weißer Elster und Elstermühlgraben nicht mehr in den dicht bebauten, nördlichen Teil der Weißen Elster gelangen. Ob Gohlis, Möckern, Wahren oder Lützschena-Stahmeln: „Der ganze Norden von Leipzig bis nach Schkeuditz wäre damit sicherer“, erklärte Bobbe.

Der nun festgelegte Trassenverlauf berücksichtige auch die Ausbaupläne für Leipzigs größtes Klärwerk, hieß es bei Freistaat wie Wasserwerken übereinstimmend. Die Gefahr einer Überschwemmung des Rosentals könne damit ebenfalls deutlich verringert werden. Nach LVZ-Informationen stand der nun gefundenen Lösung lange Zeit im Wege, dass die Wasserwerke im Jahr 2000 alle ihre Klärwerke in ein Cross-Border-Leasing-Geschäft mit US-Konzernen eingebracht hatten. Wie berichtet, wurde dieser Deal aber unlängst soweit umgewandelt, dass die Wasserwerke bei Veränderungen auf ihren Flächen nicht mehr von Genehmigungen aus den USA abhängig sind.

Von Jens Rometsch

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