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Lokales 5000 Leipziger zahlen keinen Unterhalt für Kinder
Leipzig Lokales 5000 Leipziger zahlen keinen Unterhalt für Kinder
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(Symbolfoto) Quelle: dpa
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Leipzig

Sie verschwinden von der Bildfläche, um kein Geld an ihre Kinder überweisen zu müssen: Etwa 5000 Leipziger haben 2014 keinen Unterhalt für ihre Sprösslinge gezahlt. In 2679 Fällen sind Kinder unter sechs Jahren betroffen. Ein Teil der Alimente-Sünder ist finanziell nicht in der Lage, das Geld zu überweisen. Oft geht es den Vätern auch nur darum, die Herkunft eines Kindes eindeutig zu klären. Andere drücken sich aus Verbitterung, leben in einer neuen Partnerschaft oder sind einfach nicht aufzuspüren.

 Damit die Kinder trotzdem ausreichend versorgt sind, springen Stadt, Bund und Land zu je einem Drittel ein. Das kostete die Kommune im Vorjahr 9,37 Millionen Euro (zum Vergleich: 2013: 9,73 Millionen Euro; 2012: 9,94 Millionen Euro). "In Notfällen gehen wir in Vorleistung und helfen. Wir sind aber verpflichtet, das Geld von den säumigen Vätern oder Müttern zurückzuholen", erklärt Nicolas Tsapos, der Leiter des Amtes für Jugend, Familie und Bildung. Gewährt das Amt aus öffentlichen Mitteln Unterhaltsvorschuss, geht der Anspruch des Kindes gegenüber dem Unterhaltspflichtigen auf den Freistaat über - der sich das Geld über einen sogenannten "Rückgriff" über das Jugendamt wiederholen muss.

 2014 lag die Rückholquote bei 8,68 Prozent - das ist eine Steigerung gegenüber der Vorjahre. Aktuell sind es sogar 12,03 Prozent (Juni 2015). Im Vorjahr konnten 790 000 Euro eingetrieben werden, die einige Väter manchmal regelrecht bei der Behörde abstottern. Deshalb sind das nicht alles Ansprüche, die auch aus dem Jahr 2014 stammen. 2005 war die Quote aber schon einmal höher - damals 14,73 Prozent. Seitdem hat sich die finanzielle Situation vieler Familien kaum verbessert - was beispielsweise an der Zahl der Aufstocker deutlich wird, die neben ihrer Arbeit noch finanzielle Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

 Um Alimente-Sünder aufzuspüren, hat das Jugendamt weitreichende Befugnisse. Es kann beispielsweise über das Finanzamt oder das Kfz-Bundesamt ermitteln sowie sogar ausländische Behörden einschalten. Das ist meist langwierig.

 In sehr vielen Fällen ist bei den nichterwerbstätigen Schuldnern, die laut Gesetz 770 Euro für den eigenen Unterhalt behalten dürfen, aber nicht viel zu holen. Seit 2010 ist die Zahl der Fälle rückläufig, bei denen das Amt Unterhalt vorschießen muss. Damals waren es noch 5353, heute sind es etwa 5000. Das liegt wohl daran, dass mehr Leipziger inzwischen einen einkommenssteuerpflichtigen Job haben.

 Die meisten Alimente-Sünder sind Männer. "Wir haben festgestellt, dass in einer steigenden Anzahl von Fällen falsche Angaben über die Höhe des Einkommens gemacht werden", erklärt Tsapos. Dies fällt dann bei Plausibilitätsprüfungen oder manchmal auch bei genauem Hinhören bei den mündlichen Angaben auf, die der Unterhaltsschuldner selber macht. In diesen Fällen erfolgt dann in der Regel ein Strafantrag.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.08.2015
Mathias Orbeck

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