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Lokales 6670 neue Jobs im letzten Jahr: Leipzigs Wirtschaft brummt
Leipzig Lokales 6670 neue Jobs im letzten Jahr: Leipzigs Wirtschaft brummt
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08:14 05.10.2018
Im früheren Landratsamt am Tröndlinring 3 hat das bekannte Internetportal Check24 mehrere Tausend Quadratmeter Büroflächen gemietet, Die Check24-Sparte Reise und Flug beschäftigt in Leipzig seit längerer Zeit mehrere hundert Mitarbeiter. Quelle: Jens Rometsch
Leipzig

Die Internetfirmen haben den größten Anteil daran, dass Leipzigs Wirtschaft im vergangenen Jahr höchst erfolgreich florierte. 6670 weitere Arbeitsplätze sind 2017 in der Messestadt entstanden, geht aus dem jetzt veröffentlichten Wirtschaftsbericht der Kommune hervor. Im Jahr zuvor waren es 7700 neue Jobs.

Insgesamt biete die Messestadt nun 267 823 Menschen eine soziaversicherungspflichtige Beschäftigung – das seien 40 Prozent mehr als im Jahr 2005, steht in dem über 100 Seiten starken Bericht.

Arbeitslosigkeit mehr als halbiert

Ebenfalls 2005 habe die Arbeitslosigkeit noch rund 52 500 Leipziger betroffen, im letzten Monat seien es hingegen nur noch rund 20 600 gewesen – ein Rückgang um 61 Prozent. Dabei habe Leipzig in den vergangenen Jahren mehr als 75 000 Einwohner hinzugewonnen.

Siemens und Mikrosa-Standorte gesichert

Viele ökonomische Kennziffern zeigten aufwärts, so Michael Schimansky, kommissarischer Leiter des Dezernates Wirtschaft und Arbeit sowie Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung. „Alle Leipziger Wirtschaftsbereiche haben in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel vollzogen, stellen sich heute den Herausforderungen der Digitalisierung. Kommunale Wirtschaftsförderung, Wirtschaftskammern und ansässige Hochschulen agieren gemeinsam, um spezielle Leipziger Stärken einzubringen und Wettbewerbsvorsprünge auszubauen“, sagte er. Bittere Aspekte wie die angekündigte Schließung des Werks von Halberg Guss dürften nicht den Blick darauf verstellen, dass die Entwicklung „insgesamt klar nach oben weist“. So sei es gelungen, den Bestand des Siemens-Turbinenwerks zu sichern. Der Leipziger Werkzeugmaschinen-Spezialist Mikrosa werde durch neue Eigentümer strategisch weiterentwickelt.

Verschuldung sinkt, Kaufkraft steigt

Im Zuge des Aufblühens der Stadt sei die Pro-Kopf-Verschuldung der Kommune im letzten Jahr von 1096 auf 1004 Euro gesunken. Die Kaufkraftsumme der Bürger stieg von rund 10,6 auf elf Milliarden Euro, für das laufende Jahr 2018 würden bereits fast 11,7 Milliarden Euro erwartet.

Rückgang bei Messen und Kongressen

Außer dem Bereich Messen und Kongresse, der einen leichten Rückgang verzeichnete, trugen 2017 alle Branchen zum weiteren Job-Aufbau in Leipzig bei. Auffallend ist, dass es einen neuen Spitzenreiter bei den Beschäftigungsmotoren gab.

Internetfirmen als neuer Jobmotor

Mit einem Plus von fast 1700 Arbeitsplätzen wuchs das Cluster Medien- & Kreativwirtschaft im vergangenen Jahr besonders kräftig. Knapp 1000 zusätzliche Jobs entfielen dabei auf Internet- und Telefonfirmen. Rundfunk und Film konnte um 500 Beschäftigte zulegen, Architektur und Design um 160. Die Ansiedlung neuer Internetfirmen wie Dipat – Die Patientenverfügung, jambit, Check24 oder Verivox habe zu dem Boom ebenso beigetragen wie die Eröffnung eines Projektbüros von T-Systems an der Querstraße, der Bau eines Rechenzentrums von HL komm in Lindenau oder kontinuierliche Zuwächse bei angestammten IT-Größen wie Comparex, Rohde&Schwarz, ipoque, Schenker Technologies, Mercateo oder Invia (betreibt Touristikportale wie Ab-in-den-Urlaub.de), heißt es in dem Bericht. „Leipzig hat den digitalen Turbo zugeschaltet“, erklärt Schimansky. Aus einer anfangs mehr unterstützenden Funktion für andere Wirtschaftszweige habe sich eine strukturprägende Branche entwickelt, die nun 32 615 Beschäftigte zählt.

Industrie und Kfz-Handel an der Spitze

Rund 105 500 – die mit Abstand meisten Arbeitsplätze in Leipzig stellten auch 2017 die Industrie (verarbeitendes Gewerbe) sowie der Handel mit und die Instandhaltung von Kraftfahrzeugen. Rund 1000 Jobs kamen in diesen Branchen hinzu. Laut der IHK zu Leipzig hat der Konjunkturklima-Index für Mitteldeutschland 2017 ein neues Allzeithoch erreicht. Steigende Exporte und hohe Investitionen bescherten eine sehr gute Geschäftslage.

Atempause bei den Autobauern

Der jüngste und zugleich für Leipzig extrem wichtige Wirtschaftszweig legte 2017 eine Atempause beim Einstellen von Mitarbeitern ein. Die Zahl der Beschäftigten stieg lediglich um 70 auf 18 400. Sicher nur eine Tücke der Jahresstatistik, denn BMW investiert zurzeit weitere 300 Millionen Euro in den Ausbau des Leipziger Werks. Dies dient der Vorbereitung neuer Modellreihen und der Erhöhung der Produktion auf jährlich rund 350 000 Fahrzeuge ab dem Jahr 2020. Auch Porsche steckt einen dreistelligen Millionenbetrag in die mittlerweile fünfte Werk-Erweiterung.

Gesundheit behauptet wichtigen Platz

Unter den fünf Wirtschaftsclustern, die die Stadt Leipzig besonders fördert, belegte die Gesundheitsbranche lange den ersten Platz beim Job-Zuwachs. 2016 entstanden dort 2500 neue Arbeitsplätze, 2017 waren es rund 250. Die Gesamtzahl der Beschäftigten liegt nun bei 42 700.

Wachstum bei Flughafen und Logistik

Die Zahl der Beschäftigten am Flughafen Leipzig/Halle legte im vergangenen Jahr um über neun Prozent auf 8600 Mitarbeiter zu. Davon gehören rund 5700 zu DHL – der Frachtriese kann dort mittlerweile bis zu 150 000 Sendungen pro Stunde abfertigen. Bei 70 000 Flügen wurden im vergangenen Jahr 1,14 Millionen Tonnen Fracht sowie 2,37 Millionen Passagiere transportiert. Die Kapazität liegt freilich bei 200 000 Flügen pro Jahr. Auf Gewerbeflächen direkt am Airport sollen zeitnah weitere Unternehmen aus Bereichen wie Luftfahrt und Logistik angesiedelt werden. Das gesamte Cluster Logistik wuchs letztes Jahr um 1300 auf 37 800 Beschäftigte – zum Beispiel wurde der VGP-Logistikpark unweit der Messe eröffnet.

Von Jens Rometsch

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