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Lokales 7200 Kilometer für einen guten Zweck: Studenten bringen ein Auto nach Gambia
Leipzig Lokales 7200 Kilometer für einen guten Zweck: Studenten bringen ein Auto nach Gambia
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13:56 21.02.2018
Die Aufkleber sind schon dran: Alexandra Wintz und Florian Pusch mit ihrem Mercedes, der sie durch die Wüste fahren soll. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

Seit diesem Wochenende ist die Liegefläche fertig. OSB-Platten, 15 Millimeter dick, mit Scharnieren zum Zusammenklappen und Stauraum unter der Schlaffläche. Die Breite von 1,40 Meter im Auto ist okay für zwei Personen – und definitiv besser, als beim Zelten den Wind der afrikanischen Wüste abzubekommen. Noch zwölf Tage haben Alexandra Wintz und Florian Pusch Zeit, bevor sie aufbrechen zu einem ganz besonderen Abenteuer: Mit einem alten Mercedes fahren sie die karitative Transsahara-Rallye Dresden-Dakar-Banjul.

Der gute Zweck heiligt die Mittel, die das Vorhaben kostet: Wenn nach über 7000 Kilometern und drei Wochen Gambias Hauptstadt Banjul erreicht ist, wird das 20 Jahre alte Auto versteigert und der Erlös gespendet, nach Deutschland geht’s zurück per Flug. „Vor Ort können wir verschiedene Hilfsprojekte besichtigen und bei der Mittelverteilung ein Wort mitreden“, sagt der vor 24 Jahren in Cottbus geborene Pusch, der seit 2012 in Leipzig an der HTWK Elektrotechnik studiert. „Außerdem werden wir helfend anpacken, wo wir können“, ergänzt Wintz.

Kommilitonin packt die Abenteuerlust

Die 25-Jährige absolviert ihren Management-Masterstudiengang in Nürnberg. Zusammengebracht hat die beiden ein Förderprogramm im Rahmen ihrer Werkstudententätigkeit bei Siemens. Während eines Treffens in Erlangen letzten November sprach der Leipziger über die Rallye-Teilnahme. Das Fahrzeug dafür stand schon vor der Tür: ein Benz M 240 T, Baujahr 1998, 240 000 Kilometer auf dem Tacho, erstanden und in Schuss gebracht für 1600 Euro. Die Kommilitonin packte Reise- und Abenteuerlust – und stieg ins Projekt ein.

Der Trip liegt in den Semesterferien, „und vor dem Abschluss unseres Masterprogramms wollen wir die Zeit nutzen, uns sozial zu engagieren“, so die Fränkin. Die Route beginnt in Dresden, die beiden Studenten stoßen aber von Nürnberg aus zu den insgesamt 50 Teams. Durchquert werden Südfrankreich, Spanien, Marokko, Mauretanien und Senegal.

Ein Genuss für Offroad-Liebhaber

Außergewöhnlich dürfte unter anderem die Strandpassage in Mauretanien sein: Sie führt so dicht am Atlantik entlang, dass sie nur bei Ebbe passierbar ist – ein Höhepunkt für Offroad-Liebhaber. Die unbefestigte Strecke durch die West-Sahara beträgt 700 Kilometer. Und wenn der alte Benz schlappmacht? „Relativ einfache Reparaturen bekomme ich hin“, meint Florian Pusch, „ich bin Oldtimer-Fan und hab auch schon einen über 30 Jahre alten Wartburg flottgemacht.“

Zusätzliche Sicherheit geben Care-Fahrzeuge der Rallye-Organisatoren, die den einzelnen Gruppen hinterherfahren. Die Kommunikation untereinander funktioniert über Funkgeräte mit fünf Kilometern Reichweite. Da die Route nicht exakt befolgt werden muss, bevorzugen die beiden Studenten den Weg durch das Atlas-Gebirge – der Blickweite wegen.

Hilfe, damit es in Gambia vorangeht

Pflicht-Treffpunkte sind der 7. März in Gibraltar wegen der gebuchten Übersetzung mit der Fähre sowie der 19. März zur Einreise in den Senegal. 7200 Kilometer in drei Wochen – eine Maßgabe, die nicht nur Spaß, sondern eine Menge Anstrengung verheißt. Doch die Aussicht auf außergewöhnliche Erfahrungen in Verbindung mit dem guten Zweck reizt das Leipzig-Nürnberger Gespann.

„So wissen wir auch, dass die Spenden dort ankommen, wo sie hingehören“, sagt Pusch. Mangels Perspektive flüchten viele Menschen aus Gambia. Auf manche, die nicht über die libysche Küste nach Europa gelangen, warten Folter und Sklaverei. „Die Rallye kann mit dafür sorgen, dass es im Land vorangeht.“ Im wahrsten Wortsinn: Der Benz könnte als Taxi genutzt werden und Einnahmen garantieren, denn der Tourismus in Gambia wächst.

Inklusive Autokauf kostet das Projekt „Leipzig goes Banjul“ rund 6000 Euro. Zu den bisherigen Sponsoren gehören Freunde, Familie und die HTWK. Noch benötigt werden Benzingeld und Spenden für Menschen in Gambia sowie Material von Klappspaten über Zündspule bis Akkuflex. Wer helfen will, erfährt alles auf der Website der Abenteurer.

www.leipzig-goes-banjul.de

Von Mark Daniel

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