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Lokales 7700 zusätzliche Jobs in einem Jahr: „Leipzig erlebt eine neue Gründerzeit“
Leipzig Lokales 7700 zusätzliche Jobs in einem Jahr: „Leipzig erlebt eine neue Gründerzeit“
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00:21 16.09.2017
Trotz Automatisierung eine Job-Maschine: Das Leipziger BMW-Werk zählt mittlerweile 5300 Mitarbeiter. Quelle: Foto: Archiv
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Leipzig

Das Leipziger Jobwunder hält an. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der festen Jobs (sozialversicherungspflichtige Beschäftigte) im Stadtgebiet um 7700 auf insgesamt 261 200. Das geht aus dem neuen Wirtschaftsbericht der Kommune hervor. Seit 2010 sind damit mehr als 44 200 Arbeitsplätze entstanden, seit 2005 waren es sogar fast 63 500.

„Das Wirtschaftszentrum Leipzig erlebt eine neue Gründerzeit“, sagt Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) zu den aktuellen Daten. Nicht nur die großen Zugpferde wie BMW (5300 Mitarbeiter), DHL (4900) und Porsche (4200) hätten sich als treibende Kräfte der erfreulichen Entwicklung erwiesen. „Etwa zwei Drittel aller Erwerbstätigen arbeiten in kleinen und mittelgroßen Firmen mit weniger als 250 Beschäftigten. Ansässige Unternehmen haben sich erweitert. Die Geschäftslage wird als ausgesprochen gut eingeschätzt.“ In diesem Sog hätten auch etliche Neuansiedlungen den Weg in die Wachstumsregion gefunden. Die Zahl der Leipziger Firmen sei im vergangenen Jahr um mehr als 500 auf nunmehr 25 715 gestiegen. „Den bereits etablierten Startups in den Bereichen eCommerce und Big Data folgen jetzt vor allem Neugründungen in den Bereichen Energie, Life Science und Gesundheit. Derzeit bestehen rund 200 Startups in Leipzig, was Anlass zu weiterem Optimismus gibt“, erläutert der Bürgermeister. Neben den bekannten öffentlichen Förderzentren wie Bio City, GaraGe und BIC spielten in der Gründerszene auch die mittlerweile elf privaten Coworking-Häuser (wo sich Gründer unkompliziert einmieten und Technik gemeinsam nutzen können) eine immer wichtigere Rolle.

Das Wirtschaftsdezernat wolle die Rahmenbedingungen weiter so gestalten, dass Neugründungen gedeihen und bestehende Firmen weiter wachsen können, betonte Albrecht. Zum Beispiel habe das Amt für Wirtschaftsförderung längst auch das Bauherrenamt für alle Fragen der Erweiterung des BMW-Werks übernommen. Das ihm ebenfalls unterstellte Liegenschaftsamt habe 2016 rund 77 000 Quadratmeter kommunaler Gewerbeflächen verkauft, um damit zehn Unternehmen bei Erweiterungen oder Ansiedlungen zu helfen. Zur strategischen Flächenbevorratung habe die Stadt zugleich 300 000 Quadratmeter Land erworben und dafür 9,5 Millionen Euro eingesetzt. Dies war rund dreimal soviel wie in den Vorjahren. Erstmals seit sehr langer Zeit gab das Liegenschaftsamt mehr Geld für Grundstücksankäufe aus als durch Verkäufe hereinkam – angesichts der extrem steigenden Bodenpreise in Leipzig hatten das die Ratsfraktionen von SPD, Grünen und Linken wiederholt eingefordert.

Getragen wird das Job-Wunder nach wie vor hauptsächlich durch fünf sogenannte Cluster, also Wirtschaftsbereiche, die die Stadt gemäß einer Sortierung im Jahr 2008 besonders unterstützt. 57,5 Prozent der festen Arbeitsplätze gehörten Ende 2016 zu diesen Clustern. Mit reichlich 7500 neuen Arbeitsplätzen fand der Aufbau weiterer sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung fast nur in den Clustern statt. Besonders erfolgreich entwickelten sich im vergangenen Jahr wiederum die Bereiche Gesundheitswirtschaft, Automobilindustrie sowie Logistik (siehe die Übersicht unten). Über das Cluster Medien- und Kreativwirtschaft, in dem die Mitarbeiterzahl im vergangenen Jahr um rund 500 auf 30 000 gestiegen ist, hatte die LVZ jüngst ausführlich berichtet.

Im Cluster Energie- und Umwelttechnik entstanden im vergangenen Jahr gut 400 zusätzliche Jobs. Mit nunmehr 12 350 Beschäftigten ist es der kleinste der fünf Bereiche, verfügt in Leipzig aber über eine lange Tradition und bei über 1000 Unternehmen auch über eine stabile Basis. Das Wirtschaftsdezernat sieht bei der Energie- und Umwelttechnik ein „überragendes Entwicklungspotenzial“. Mit dem neuen Entwicklungskonzept „Leipzig – Stadt für intelligente Mobilität“ und einer neuen „e-Allianz“ mit Firmen und Forschungseinrichtungen wird ein Spitzenplatz bei der Elektromobiliät angestrebt. 2017 hat die Kommune dazu 40 Vorhaben beschlossen.

Ohne die Logistik hätte Leipzig niemals so schnell die Arbeitslosigkeit senken können. Über 35 000 Einwohner waren Ende 2016 in dieser Branche tätig – 1800 mehr als ein Jahr zuvor. Enormen Einfluss auf diese Entwicklung hatte natürlich der Flughafen, wo im vergangenen Jahr erstmals mehr als eine Million Tonnen Fracht umgeschlagen wurden. DHL stellte gleich nebenan in nur einem Jahr 500 zusätzliche Mitarbeiter ein. Amazon steckte 1,2 Millionen Euro in neue Fördertechnik. Das Weltverkehrsforum als wichtiger Branchentreff bleibt bis 2020 in Leipzig. Mit dem neuen VGP Park an der Messe stehen jetzt weitere 50 000 Quadratmeter Logistikflächen zur Verfügung.

Die Automobil- und Zulieferindustrie zählt zu den jüngsten, aber wichtigsten Wirtschaftszweigen in Leipzig. 2016 erhöhte sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen in diesem Bereich um 2200 auf fast 16 700. Erst vor fünf Monaten hat Porsche im hiesigen Werk ein modernes Ausbildungszentrum eröffnet. BMW baut in Leipzig aktuell sieben Modellreihen. Entgegen dem Branchentrend, im Ausland zu investieren, haben die beiden Premiumhersteller ihre Leipziger Werke kontinuierlich ausgebaut. Etwa 50 der 766 Firmen innerhalb des Clusters gehören zu ihren Zulieferern: auch das neue ZWL Zahnradwerk Leipzig mit fast 1000 Mitarbeitern.

Mit über 2500 neuen Jobs sicherte sich das Cluster Gesundheitswirtschaft und Biotechnologie auch 2016 den ersten Platz in Leipzig. Inzwischen arbeiten in diesem Bereich fast 41 200 Menschen in Festanstellung. Schwergewichte sind das Uni-Klinikum mit 3800 Beschäftigten sowie das städtische Klinikum St. Georg (über 3000). Auch die beständig wachsende Zahl von Kongressen in Leipzig hat viel mit dem hier gepflegten Spitzenniveau in Forschung und medizinischer Praxis zu tun, so der Wirtschaftsbericht. Allein im laufenden Jahr finden neun große medizinische Messen und Kongresse in Leipzig statt, 2018 werden es dann mindestens elf sein.

Von Jens Rometsch

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