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90 Jahre Flughafen Leipzig/Halle: Erste Landung im Pflaumenbaum

Jubiläum 90 Jahre Flughafen Leipzig/Halle: Erste Landung im Pflaumenbaum

Der Flughafen Leipzig/Halle begeht in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag. Am 25. April 1927 landete die erste Maschine auf dem neuen Mitteldeutschen Zentralflughafen Halle/Leipzig in Schkeuditz. In einer zwölfteiligen Serie blickt die LVZ auf die Historie des Airports zurück. Im ersten Teil geht es um die Flugpioniere.

Gabriel Poulin landete 1910 als erster mit seinem selbstgebauten Flugzeug in Schkeuditz.
 

Quelle: Archiv GBSL

Leipzig.  Als der Franzose Gabriel Poulain im Oktober 1910 mit einem selbstgebauten Eindecker eher unfreiwillig auf freiem Feld in Schkeuditz landete, ahnte er wohl nicht, dass sein Name in Verbindung mit einem Flughafen in die Geschichte eingehen wird, den es zu dieser Zeit noch gar nicht gab. Und auch ist der Franzose eigentlich Radrennfahrer und als solcher durchaus schon bekannt: Der damals 26-Jährige war bereits Europa- und Weltmeister im Radsprint. Doch die beginnende Luftfahrt hatte ihn gepackt und schon 1909 baute er sein erstes Flugzeug, mit dem er allein das Fliegen lernte. Eine Flugzeugführererlaubnis des Deutschen Luftfahrer-Verbandes erwarb Poulain im Juli 1910. Sie trug die Nummer 14

Die erste Landung in Schkeuditz

Es war am Nachmittag, gegen 15.45 Uhr, als Poulain von den Passendorfer Wiesen in Halle abhob und nonstop nach Leipzig-Lindenthal fliegen wollte, wo sein Fliegerfreund Erich Thiele Flugzeuge baute. Wegen schlechter Sicht verlor der Franzose nach 75 Minuten des Fliegens die Orientierung und landete bei einbrechender Dunkelheit östlich des ehemaligen Krankenhauses Bergmannswohl in Schkeuditz. Er markierte in etwa den heutigen Standort des DHL-Hangars. Herbeigeeilte Schkeuditzer – so berichteten es die „Leipziger Neusten Nachrichten“ – hätten den Flugapparat gegenüber dem „Bermannswohl“ aufgestellt, vor dem Ansturm der Begeisterten geschützt und an schnell in die Erde gerammten Pfählen fest verzurrt. Im Schkeuditzer Ratskeller soll Poulain dann vorzüglich bewirtet worden sein, bevor er am Abend per Automobil nach Halle zurückgekehrt sei, schrieb das „Leipziger Tageblatt“.

Am nächsten Tag sollte der Flug fortgesetzt werden: Gegen Mittag startete Poulain am 27. Oktober in Richtung Kursdorf. In etwa sechs Meter Höhe fliegend machte er einen großen Bogen in Richtung Leipzig. „Beim Passieren einer Pflaumenbaum-Allee bemerkte Poulain zu spät, daß sich über der Allee Telegraphendrähte befanden. Er mußte schroff wenden und konnte eine Kollision mit einem Baume nicht verhindern“, schrieben die „Leipziger Neuesten Nachrichten“. Der rechte Flügel des Eindeckers wurde beschädigt, ein mit Segeltuchleinen bespanntes Flügelfeld war demoliert und auch ein Gleitschuh am Flugapparat war defekt, berichtete das „Schkeuditzer Wochenblatt“. Mit Unterstützung des Schkeuditzer Tischlermeister Paul Zembrodt konnte der Aviatiker Poulain sein Flugzeug reparieren und von Kursdorf aus erneut in Richtung Osten starten. Gegen 14 Uhr landete Poulain auf dem Lindenthaler Exerzierplatz, direkt vor dem Schuppen des Flieger-Konstrukteurs Erich Thiele. Der gehörte am 18. März 1911 zu den Gründern der Deutschen Flugzeugwerke (DFW) Leipzig-Lindenthal. Poulain aber verband mit seinem Flug die Städte, die dem späteren Flughafen Namen und Standort gaben.

In Lindenthal wird schon geflogen

Der Flugplatz Leipzig-Lindenthal wird 1910 schon angeflogen, aber erst am 16. April 1911 eröffnet. Oswald Kahnt absolvierte dort im selben Monat den ersten Nachtflug in Deutschland. Heinrich Oelrich vollbrachte eine Welthöchstleistung: einen Dauerflug von sechs Stunden und acht Minuten. Eigentlicher Flugplatz in Leipzig sollte aber Mockau werden: Am 22. Juni 1913 wurden dort im Beisein vom sächsischen König Friedrich August und Ferdinand Graf von Zeppelin der Luftschiffhafen und der Flugplatz Leipzig-Mockau eröffnet. Am 5. Februar 1919 flog das erste Flugzeug auf der Strecke Berlin–Leipzig–Weimar und gab den Start für die zivile Luftfahrt in Deutschland. Einen Monat später wurde die Strecke um die Städte Nürnberg und München erweitert. Im Herbst des gleichen Jahres nahm die welterste Messesonderfluglinie zwischen Berlin und Leipzig ihren Betrieb auf. Doch auch Schkeuditz war von der Flugbegeisterung gepackt: Knapp vier Jahre nach Poulains unfreiwilliger, aber spektakulärer Landung erlangte der Schkeuditzer Curt Rehse im April 1914 die Flugzeugführererlaubnis Nummer 735.

*Hans-Dieter Tack, 1940 in Schkeuditz geboren, lebte bis 1986 in der Region. Der Flugzeugschlosser und Diplom-Ingenieur für Maschinenbau war 17 Jahre in Schkeuditz tätig. Als profunder Kenner der Luftfahrtgeschichte arbeitete er an mehreren Publikationen mit. Er ist Vizechef der Gesellschaft zur Bewahrung von Stätten deutscher Luftfahrtgeschichte.

Von Hans-Dieter Tack* und Roland Heinrich

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