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Ab Dezember 2014 gibt es Gottesdienste im neuen Paulinum an der Universität Leipzig

Ab Dezember 2014 gibt es Gottesdienste im neuen Paulinum an der Universität Leipzig

Peter Zimmerling ist im Umzugsstress - obwohl er sich in seiner Wohnung in der Lortzingstraße pudelwohl fühlt. In einem Jahr soll der 55-Jährige zu Weihnachten die erste Universitäts-Christvesper in Leipzigs wiedererstandenem Paulinum zelebrieren.

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Paulinum – Aula und Universitätskirche St. Pauli auf dem Gelände und Teil des Gebäude-Ensembles der Universität Leipzig

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Doch zuvor hält er in sieben Tagen zum letzten Mal die traditionelle Altjahres-Universitäts-Vesper in der Nikolaikirche.

Zurzeit kann sich der Erste Universitätsprediger gar nicht so richtig auf den Umzug ins Haus am Augustusplatz konzentrieren. Denn für seine Predigt am 31. Dezember ab 16 Uhr in der Nikolaikirche hat sich die ARD angesagt. Deshalb muss jedes Wort besonders genau überlegt werden. "Natürlich will ich mit der Predigt ganz Deutschland auf die Eröffnung der neuen Universitätskirche einstimmen", sagt der Wahl-Leipziger. Dennoch hat er sich für seine Rede daran orientiert, was der Apostel Paulus im Jahr 60 sagte, als er in Griechenland Gemeinden gründete. "Mich fasziniert, wie Paulus damals mit einer winzigen Minderheit einen universalen Auftrag übernahm, obwohl völlig ungewiss war, ob er er ihn je erfüllen kann", erzählt der evangelische Professor für praktische Theologie an der Leipziger Uni.

Auch Zimmerling gehört zu einer kleinen Schar, die unmöglich Erscheinendes vollbringen will: wieder Leben in Leipzigs gesprengte und neu aufgebaute Paulinerkirche zu bringen. Denn das neue Haus am Augustusplatz hat keine feste Kirchgemeinde, die sich dort regelmäßig trifft. Der Zuspruch hängt davon ab, wie gut es Zimmerling versteht, neben gehaltvollen Predigten interessante Vorträge und hochwertige Konzerte zu organisieren. "Früher kamen Leipzigs Bildungsbürger zum Gottesdienst in die Paulinerkirche", meint der Uni-Theologe. "Neben den Studierenden kamen auch die Professoren. Aber damals waren 94 Prozent der Leipziger evangelisch. Heute sind es nur noch zwölf Prozent."

Um Zimmerling hat sich ein Team von Getreuen gescharrt, die ihn unterstützen. Der Universitätsmusikdirektor David Timm gehört zum Beispiel dazu. Und der Universitätsorganist Daniel Beilschmidt. Zusammen mit der Rektorin bereiten sie zurzeit die Wiedereinweihung der Kirche am 7. Dezember 2014 vor, wenn Sachsens evangelischer Landesbischof Jochen Bohl aus Dresden anreist und die Eröffnungspredigt halten wird. Die Indienststellung als Aula wird, wenn alles nach Plan läuft, bereits vorher am 2. Dezember stattfinden. Dazu wird auch eine reich bebilderte Festschrift erscheinen.

Dass die neue Kirche an diesem Tag bis auf den letzten Platz gefüllt sein wird, steht außer Frage. Aber was geschieht in den Wochen danach, wenn der Alltag einzieht und Zimmerling und die anderen Mitglieder des Predigerkonvents der Universitätsgemeinde die Predigten halten werden? "Manche glauben, dass das Interesse auf Dauer anhält", erzählt der Professor. "Andere meinen, dass es deutlich nachlassen wird. Ich bin mir noch nicht sicher."

Vor allem deshalb, weil Zimmerling den Statistiken nicht traut. Er zweifelt an, dass es heute in Leipzig wirklich so viele "stramme Atheisten" gibt, wie dort steht. "Ich stoße in Leipzig auf immer mehr Menschen die sagen: ,Es muss doch mehr als alles geben'", sagt der Prediger. Die Menschen könnten sich inzwischen alles kaufen und sich alle Wünsche erfüllen. "Das Leben geht aber nicht auf im ,alles sich leisten und kaufen können'. Viele spüren, dass es mehr geben muss."

Wer auf der Suche danach ist, dem wollen Zimmerling und seine Mitstreiter im Paulinum einen Anlaufpunkt schaffen. "Die Menschen bewegt die Frage nach einem nicht sichtbaren großen Sinn", sagt er. "Die neue Paulinerkirche wird ein Ort sein, wo sie Lebensfragen stellen können. Selbst der Dalai Lama wundert sich, warum die Europäer nicht ihre eigenen spirituellen Quellen nutzen."

Zimmerling will ab dem 7. Dezember 2014 jeden Sonn- und Feiertag um 11 Uhr zum Gottesdienst in die Aula und Universitätskirche St. Pauli - so der offizielle Titel - einladen. Vielleicht schließt er dann am Morgen selbst die Türen auf und wenn die Elektronik des Glockenturms nicht funktioniert, will er selber die Glocken läuten - denn einen Küster gibt es nicht und die Universität hat kein Geld für einen Hausmeister.

Am 24. Juni 2014, dem Johannistag, ist die Grundsteinlegung für den geretteten Altar der alten Kirche geplant. Bisher steht der Paulineraltar noch in der Thomaskirche. "Der Grundstein wird sicher nicht im Stillen gelegt, aber wir werden natürlich auch nicht die Eröffnungsfeier vorweg nehmen", meint er. "Viele Leipziger wollen sehen, wie die neue Paulinerkirche von innen aussieht."

Um die Leipziger darauf einzustimmen, startet schon im April 2014 eine Predigtreihe - diesmal aber noch in der Nikolaikirche, wo die Universitätsgemeinde seit der Sprengung ihres alten Gotteshauses Zuflucht gefunden hat. Bis Juni sollen dort von acht Bischöfen aus unterschiedlichen Landeskirchen Predigten zum Thema "Der Öffentlichkeitsauftrag der Kirche" gehalten werden.

Am Pfingstsonntag kommt Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der evangelischen Kirche in Deutschland. Auch ein Kindergottesdienst soll im Sommer 2014 ausprobiert und vielleicht später ins Paulinum übernommen werden. Ebenso natürlich die traditionelle Universitäts-Christvesper, die am 24. Dezember 2014 zum ersten Mal im neuen Haus stattfinden soll. "Wir werden dann die schönste Musik in einer Christvesper in Leipzig bieten", verspricht der Erste Prediger mit einem Augenzwinkern. Weihnachtsgeschichten würden gelesen, "unterbrochen von fulminanten Musikstücken". Universitätsmusikdirektor Timm will das sechsteilige Bachsche Weihnachtsoratorium als Zyklus im anschließenden Weihnachtsgottesdiensten aufführen. Später sei in dem neuen alten Gotteshaus auch wieder die Taufe von Studierenden und anderen Universitätsangehörigen denkbar, ebenso deren Trauung. "Eine Stadt hat genau wie ein Land ein kollektives Gedächtnis", ist Zimmerling überzeugt. Auch deshalb würden die Leipziger ihre "älteste" und kunsthistorisch bedeutsamste Kirchen wieder in ihr Herz schließen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.12.2013

Andreas Tappert

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