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Ab in die Kiste! - Sammelbehälter für Pfandflaschen jetzt auch in Leipzig

Ab in die Kiste! - Sammelbehälter für Pfandflaschen jetzt auch in Leipzig

An der Karl-Liebknecht-Straße/Ecke Scharnhorststraße haben Bürger in Eigeninitiative einen Kasten an einem Ampelmast installiert, in der Partygänger ihre leeren Bierflaschen abstellen können.

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Pfandflaschen bleiben immer wieder liegen - oder sie wandern in den Müll.

Quelle: Volkmar Heinz

Bereits im Mai waren an zehn verschiedenen Stellen in der Stadt solche Kisten angebracht worden, die aber teils wieder entfernt wurden. Grundgedanke: Menschen, die ihr spärliches Einkommen durch Pfand-Sammeln aufbessern müssen, soll die Arbeit erleichtert werden. Sie sollen nicht im Müll herumwühlen müssen und sich dabei womöglich an Scherben oder Spritzen verletzen. Der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Gemkow findet die Idee gut und fordert: In der ganzen Stadt sollten solche Möglichkeiten geschaffen werden.

Das Prinzip ist nicht neu und wurde schon in anderen Städten ausprobiert. Es basiert auf der Initiative "Pfand gehört daneben", die vor einigen Jahren in Berlin gegründet wurde: Bürger sollen ihre Pfandflaschen nicht in öffentliche Mülleimer werfen, sondern diese daneben abstellen - aus benannten Gründen.

In Hamburg gibt es Pfandkästen schon länger

Der Hamburger Limonadenhersteller "Lemonaid" entwickelte die Idee weiter: Auf der Internetseite des Unternehmens wird erklärt, wie sich eine handelsübliche Pfandkiste so umbauen lässt, dass man sie an einem Laternenmast installieren kann. Für die äußere Gestaltung verschickt das Unternehmen auf Anfrage spezielle Aufkleber. Es sind in verschiedenen Städten aber auch anders gestaltete Kisten im Umlauf. In Norwegens Hauptstadt Oslo hat ein Student aneinandergereihte Fahrradflaschenhalter an Papierkörben angebracht - inspiriert durch die Pfandkiste, die ihm in Hamburg erstmals begegnet war.

Für den CDU-Landtagsabgeordneten Sebastian Gemkow ist das Prinzip fördernswert: "Eine gute Idee, die einen Gedanken aufgreift der mich schon lange umtreibt: Wenn Menschen sich einen kleinen zusätzlichen Erlös erarbeiten wollen oder sogar darauf angewiesen sind und durch das Sammeln von weggeworfenen Pfandflaschen ihre wirtschaftliche Situation verbessern, sollten sie nicht im Müll anderer herumwühlen müssen. Unser aller Würde ist gleich und wir sollten sie allen bewahren. Darum rege ich an, öffentliche Mülleimer mit kleinen Körben auszustatten, in die Menschen, die ihre Pfandflaschen wegwerfen würden, diese einfach abstellen können."

Wie sieht man die Idee in der Stadtverwaltung? Eine genaue Aussage dazu ist derzeit nicht zu bekommen. Weil das Ganze nicht nur eine ordnungsrechtliche, sondern auch eine politische Dimension hat und die zuständigen Bürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) und Dorothee Dubrau (parteilos) derzeit nicht im Dienst sind. Seitens des Verkehrs- und Tiefbauamtes heißt es derzeit nur, dass es so wie am Südplatz eigentlich nicht gehe: Installationen an Straßen- oder Ampelmasten müssten angemeldet werden. Es seien "statisch-konstruktive Themen zu klären", erklärte ein Sprecher.

In Hannover fehlte der Antrag

Durchaus auf einem konstruktiven Weg ist der Kisten-Pionier Lemonaid mit einigen Kommunen - mit anderen aber auch nicht. Zur Leipziger Verwaltung habe es bisher keinen Kontakt gegeben, erklärte Lemonaid-Sprecher Theo Haustein gegenüber der LVZ. Die Stadt Hamm in Nordrhein-Westfalen habe bei dem Thema sogar Eigeninitiative gezeigt. Auch aus Kiel gebe es positive Zeichen. Schlechter läuft es in Frankfurt am Main. Im hannoverschen Stadtteil Linden mussten jetzt auf Anweisung der Verwaltung rund 20 Kisten wieder abgenommen werden, obwohl die Bevölkerung das Projekt überwiegend unterstützte. Die Stadt Hannover stellte auf die fehlende Antragstellung ab, auf möglichen Vandalismus sowie auf Verletzungs- und Unfallgefahren.

Das kann man auch ganz anders sehen - zum Beispiel so wie Norman Volger, umweltpolitischer Sprecher der Grünen im Stadtrat. Gerade am Südplatz gerate der Spaziergang an den Wochenenden zu einem Spießrutenlauf durch die Scherben umherliegender, zerbrochener Flaschen. Pullen, die in einer Kiste zur Abholung bereit stehen, würden keine Scherben auf Wegen und Spielplätzen verursachen. Auch in den anderen Ratsfraktionen ist die Grundstimmung zur Pfandkiste positiv.

 

"Bloß keinen Verwaltungsvorgang daraus machen":

 

In den Fraktionen stößt die Idee der Pfandkiste auf ein positives Echo

In den Stadtratsfraktionen gibt es eine Mehrheit für die Pfandkiste, mit der bedürftigen Menschen geholfen werden könnte, ihr Einkommen würdevoller aufzubessern als bislang.

"Einfach hängen lassen - die Stadt sollte sich gar nicht darum kümmern und bloß keinen Verwaltungsvorgang daraus machen", sagt Axel Dyck, SPD-Fraktionschef. "Man muss solche Dinge locker sehen." Solange der Durchgang auf Straßen und Wegen nicht behindert werde, solle die Stadt nichts tun.

FDP-Fraktionschef Reik Hesselbarth schlägt in die selbe Kerbe: "Man sollte den Mut haben, die Leute einfach mal machen zu lassen." Mit den Sammelsystemen würde ja auch die Müllabfuhr entlastet. "Die Bürger sollen den öffentlichen Raum nutzen und gestalten können", findet Katharina Krefft. "Die Menschen leben in dieser Stadt; dann sollen sie diese Stadt auch beleben dürfen", sagt die Grünen-Fraktionschefin - und verweist an den umweltpolitischen Sprecher der Grünen. "Unterstützen wird die Stadt das nicht können", vermutet Norman Volger, "sie sollte es aber auf jeden Fall dulden." Denn durch die Kisten werde auch etwas für das Straßenbild getan, öffentliche Wege würden sauberer gehalten. "Im Sinne von Ordnung und Sicherheit kann man das nur unterstützen." Seine Partei werde nunmehr an der Sache dranbleiben.

Stimmung "grundsätzlich positiv"

Die Kisten seien bereits Thema im Fachausschuss Umwelt und Ordnung sowie im Betriebsausschuss Stadtreinigung gewesen, berichtet Sören Pellmann, Fraktionschef der Linken. Die Stimmung dort sei grundsätzlich positiv gewesen, man habe das aber nicht weiter verfolgt. "Es hat einen gewissen Reiz, so etwas in ein paar Straßen zu probieren."

"Es ist eine gute Idee", sagt Ansbert Maciejewski. Der CDU-Fraktionsgeschäftsführer befürchtet jedoch, dass diese an der Bürokratie scheitern wird. "Es ist nunmal so: Wenn jemand im öffentlichen Raum etwas aufstellen will, dann kommt jemand und will eine Gebühr haben." Maciejewski plädiert für Offenheit gegenüber dem Projekt: "Wenn es dazu führt, dass weniger Leute in Mülltonnen krabbeln müssen, sollte man es versuchen. Ob es am Ende tatsächlich denen nützt, für die es gedacht ist, wird man dann sehen." Wichtig sei, dass keine zusätzlichen Müllplätze entstehen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.07.2014

Björn Meine

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