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Ab in die USA: Sammler schickt DDR-Fundstücke an Wendemuseum

Von Podelwitz nach Hollywood Ab in die USA: Sammler schickt DDR-Fundstücke an Wendemuseum

Von wegen Utopie. Der Kommunismus erobert die Vereinigten Staaten von Amerika. Zumindest das, was davon übrig geblieben ist. Sammel-Fritze Roland Ebert aus Podelwitz hat die Amis mit seinen DDR-Fundstücken geködert. Der Fisch hängt fast am Haken.

Sammler Roland Ebert schickt Ost-Pakete in die USA.

Quelle: Alexander Bley

Podelwitz. Da wird der Hund in der Pfanne verrückt! Das ist fast bei allem so, was Roland Ebert anfasst. Neuester Clou des Jean-Pütz-Gedächtnis-Frisur-Trägers: ein Ost-Paket für den Westen. Und zwar eines, dass über den großen Teich ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten gewandert ist. Prall gefüllt mit Schallplatten, Brigade-Tagebüchern, einem Kreisel, Dederon-Kittelschürzen, Fotos und anderem Kladderadatsch. Will der 63-Jährige, dem der Schalk seit Jahr und Tag im Nacken sitzt, etwa die Demokratie aller Demokratien mit milden Realsozialismus-Gaben unterwandern?

„Nein!“, sagt der Podelwitzer, der vor und in seiner Scheune über viele Jahre, seine ganz eigene Republik im Zeichen von Hammer, Zirkel und Ährenkranz geschaffen hat. „Ich will den Leuten zeigen, dass es bei uns damals nicht nur die Stasi und eine Mauer gab“, kontert der Kfz-Meister, mit Blick auf die USA und Kanada. Denn einige englischsprachige Gäste, die in seinem Privat-Museum Maulaffen feil hielten, wussten noch nicht mal, dass die DDR überhaupt mal auf der Weltkarte existiert hatte. „Und die anderen können einfach nicht glauben, dass wir auch gegrillt haben oder in den Urlaub gefahren sind.“ Es war eben nicht alles nur grau, im Gegenteil, im Alltag vieles sogar quietschbunt. Als er dann im Fernsehen bei „Damals war`s“ auch noch Paris Hilton mit einem DDR-Mixer anschauen musste, packte es ihn dann endgültig. Flugs verfasste er ein paar freundlichen Ansagen, die per Email an Joes Segal gingen, dem Kurator des „Wende Museum“ in Culver City. Jene Stadt liegt im Speckgürtel von Los Angeles, Hollywood ist im Übrigen einen Katzensprung entfernt.

Als einen Monat später, im April, dann das Ost-Paket in L.A. eintraf, freute sich Segal wie Bolle. Pfiffikus Ebert witterte seine Chance, bot das Gros seines Fundus zum Verkauf an.

Trabi & Co. sind seine Leidenschaft - jetzt sollen seine DDR-Fundstücke ein zweites Leben in den USA bekommen. Der Podelwitzer Sammler Roland Ebert streckt seine Fühler gen Wendemuseum aus, und das liegt nur einen Steinwurf von Hollywood entfernt. Künftig könnten dort die Dederon-Kittelschürze, Spielzeug, Schreibmaschinen und mehr Amerikanern Einblick in die Alltagsgeschichte der DDR geben. Foto: Alexander Bley

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Vom Duroplast-Bomber bis zu Mondos

Tausende von Gegenständen aus dem Leben der DDR-Bürger hat der Podelwitzer gehortet, vom Kinderspielzeug bis zum Duroplast-Bomber alles fein auf drapiert.

Die Leidenschaft des gebürtigen Bieseners begann nach der Wende. Als alle Leute sich auch sichtbar vom Realsozialismus trennten und das Zeug in die Tonne warfen, griff Ebert zu. Als er dann von seiner Frau Roswitta die Pistole auf die Brust gesetzt bekam, weil die Garagen überquollen, musste der damalige Teilhaber einer Entsorgungsfirma reagieren. „Entweder du schmeißt den Mist weg oder du baust aus!“ soll die Gute gesagt haben. 2002 wurde die Podelwitzer Scheune, vor deren Toren auch jährlich das Trabitreffen stattfindet, ausgebaut. „Dank den Baumgarts bin ich darauf aufmerksam geworden.“ Ab da an vervollständigte sich der Fundus fast von allein. Leute, die was abzugeben hatten, meldeten sich einfach. „Da war Andrang. Jeder wollte einen Beitrag leisten“ erinnert sich Ebert. Die beste Anekdote: „Ich hatte eigentlich schon fast alles, nur Kondome haben mir gefehlt.“ Eher spaßig sprach der Sammler das damals vor zwei 80-jährigen Rentnern aus. Wenige Stunden später knallen die ihm zwei Packungen Mondos auf den Tisch.

Die Amis zeigen Interesse, sind sich aber noch nicht schlüssig, ob sie zuschlagen. Ganz so viel Geld scheint im Land der unbegrenzten Möglichkeiten doch nicht zu fließen. Verständlicherweise will der Podelwitzer sein Lebenswerk nicht für lau ziehen lassen. Deshalb hat Ebert einen Teil seiner Sammlung als Leihe angeboten. „2016 könnte es soweit sein“, bleibt der 63-jährige Pensionär Optimist. Zumindest für die Eröffnung des neuen Museumsgebäudes hat er schon eine Einladung erhalten.

Bevor Podelwitz auch in Hollywood bekannt wird, können sich die Leute, die gern mal an einem Fahnenappell teilnehmen wollen, bei Roland Ebert telefonisch melden. Unter der Telefonnummer 0162 4091621 können Termine vereinbart werden. Ab und an wird’s dann bei Grubenfusel noch geselliger.

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DDR-Fundstücke in Podelwitz
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DDR-Museum

Die DDR-Sammlung des Podelwitzers Roland Ebert bleibt in der Heimat. Mit Freude hatten die Amerikaner das Ost-Paket mit Schallplatten und Kittelschürze in Empfang genommen. Für die gesamte Sammlung ist in Culver City aber kein Platz.

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