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Abdel-Samad kritisiert Toleranz gegenüber Islamisten in Deutschland

Podiumsgespräch in der LVZ-Kuppel Abdel-Samad kritisiert Toleranz gegenüber Islamisten in Deutschland

Provokante Thesen zur totalitären Religionsauffassung in der arabischen Welt äußerte am Mittwochabend der bekannte Islamkritiker Hamed Abdel-Samad (44) in der Kuppel des LVZ-Verlagsgebäudes. Das Podiumsgespräch mit LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Der bekannte Islamkritiker Hamed Abdel-Samad (rechts) am Mittwochabend beim Podiumsgespräch mit LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer in der Kuppel des LVZ-Verlagsgebäudes.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Um Parallelen zwischen Faschismus und radikalem Islamismus drehte sich am Mittwochabend ein öffentliches Podiumsgespräch mit dem Deutsch-Ägypter Hamed Abdel-Samad (44) in der gläsernen Kuppel des LVZ-Verlagsgebäudes im Peterssteinweg der Messestadt. LVZ-Chefredakteur Jan Emendörfer befragte den Publizisten zu dessen Aussagen in den jüngsten Büchern "Der islamische Faschismus" und "Der Koran. Botschaft der Liebe. Botschaft des Hasses". Abdel-Samad, der zu den schärfsten Islamkritikern gezählt wird, setzt sich seit Jahren mit totalitären Systemen auseinander und zeigt auf, wo das Ganze letztlich hinführt: zu Diktatur, Gewalt und Unterdrückung.

Während des Gespräches vor rund 120 Gästen tauchte zwangsläufig auch die Frage auf, wie der militant ausgelegte Dschihad - der heilige Krieg gegen Nichtmuslime - in Deutschland zu verhindern sei. Der redegewandte Politikwissenschaftler verdeutlichte verschiedenste Interpretationsmöglichkeiten des Koran, warnte aber davor, die heilige Schrift als politisch-juristischen Ratgeber für heutige Herausforderungen zuzulassen. Islamisten würden den vor 1400 Jahren entstandenen Koran nicht im historischen Kontext sehen. Abdel-Samad forderte Deutsche und Europäer zu mehr Selbstbewusstsein bei der Vermittlung ihrer Werte und Regeln auf. "Die Toleranz gegenüber Islamisten geht selbst Millionen Muslimen hierzulande viel zu weit." Politiker müssten lernen, dem politischen Islam keinen Unterschlupf zu bieten. „Sie dürfen nicht naiv sein und nicht im Namen der Toleranz zulassen, dass die Intoleranten ihre Infrastrukturen ausbeuten“, warnte er. Viele muslimische Organisationen stellten sich demokratisch dar, solange sie in der Minderheit sind. Erst einmal an der Macht, zeigten sie „ihre hässliche Fratze und ihr extremistisches Gedankengut“.

Mit einem Seitenhieb auf die Pegida-Kundgebungen sagte er unter dem Beifall des Publikums: "Ich habe keine Angst vor der Islamisierung des Abendlandes - ich habe Angst vor der Selbstaufgabe Europas." Muslimischen Einwanderern müsse klargemacht werden, dass die Verfassung an erster Stelle komme und den Rahmen für das gesellschaftliche Zusammenleben vorgebe, darunter auch die Religionsausübung.

Das Streitgespräch fand unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen statt. Personenschützer und Polizeibeamte sicherten die Veranstaltung ab. Der in Gizeh bei Kairo geborene Abdel-Samad ist Sohn eines Imam und erhielt seit seiner öffentlichen Kritik an der totalitären Religionsauffassung des Islam wiederholt Morddrohungen.

Winfried Mahr

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