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Lokales Abriss der früheren Propsteikirche in Leipzig hat begonnen
Leipzig Lokales Abriss der früheren Propsteikirche in Leipzig hat begonnen
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10:11 15.01.2018
Die alte Kirche der Propsteigemeinde St. Trinitatis in der Leipziger Emil-Fuchs-Straße wird seit wenigen Tagen abgerissen.Hier im Bild: das frühere Gemeindezentrum.  Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

 Das war dann wohl das Ende für die frühere Propsteikirche in Leipzig. In der vergangenen Woche begann ein Bagger mit langem Greifarm, das Dach vom Gemeindezentrum zu demontieren. Ein grüner Schuttcontainer wurde daneben aufgestellt. Auch der einstige Wohnbereich zeigt schon deutliche Abriss-Spuren. 35 Jahre nach der Weihe des Gotteshauses 1982 geht es ihm jetzt an den Kragen.

Mehrere Anwohner berichteten am Wochenende gegenüber der LVZ, sie seien empört darüber, dass es vom heutigen Eigentümer des 5000 Quadratmeter großen Grundstücks kaum Informationen zum Geschehen vor Ort gebe. „Im August 2017 hatte unsere Hausverwaltung angefragt, wie es um die Asbest-Belastung der Bauten steht“, erzählte eine Frau. Gleich in den ersten Tagen des neuen Jahres seien dennoch unter starkem Staubaufkommen Platten von den Dächern demontiert und herabgeworfen worden. „Erst diesen Sonnabend konnte unsere Hausverwaltung per Aushang mitteilen, dass laut einem Gutachten, das der Eigentümer in Auftrag gegeben hatte, nur eine geringe Asbest-Belastung im Altarraum besteht.“

Die alte Propsteikirche am Rosental verschwindet. Die baggern reißen das Gebäude Stück für Stück ab.

Immerhin: Nach Beschwerden von Anwohnern beim Bauordnungsamt habe der Eigentümer nun offenbar eine professionelle Abbruchfirma beauftragt. Dieses Unternehmen aus Borna sorgte in den letzten Tagen mit Wasserstrahlern für eine Staubverminderung, hieß es weiter. Die Arbeiter trügen nun Schutzbekleidung und Handschuhe. „In vier bis sechs Wochen ist hier alles weg“, habe einer von ihnen auf Anfrage von Passanten gesagt.

Wieder andere Anwohner erzählten, nach Erteilung der Abrissgenehmigung im Juni 2017 hätten sie dagegen einen Widerspruch bei der Landesdirektion eingelegt – jedoch ohne Erfolg. Wie berichtet, hatten die Denkmalbehörden von Land und Stadt nach einem längeren Ringen mit dem Antragsteller den Abriss des denkmalgeschützten Pfarrzentrums „aufgrund der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit der Erhaltung“ gestattet. Lediglich der freistehende Glockenturm an der Emil-Fuchs-Straße sowie einige Schiefer- und Sandsteinverkleidungen dürfen nicht verschwinden. Dennoch sprachen sich unter anderem Leipzigs Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos), Landtagsmitglied Wolfram Günther (Grüne) sowie Denkmalschützer und Architekten für den Erhalt des ganzen Ensembles aus.

 Die katholische Propsteigemeinde St. Trinitatis hatte den Altbau, der zu DDR-Zeiten vor allem aus Spenden westdeutscher Katholiken errichtet worden war, bereits 2015 verlassen. Sie nutzt seitdem ihre neue Kirche an der Nonnenmühlgasse. Aussagen und Gutachten über massive Statik- und Nässeprobleme an der Emil-Fuchs-Straße wurden von manchen Fachleuten bezweifelt. Mehrere Kunstwerke, das Gestühl, auch die Glocken der alten Kirche ließ die Gemeinde bereits bergen.

Für einen siebenstelligen Betrag wurde das Grundstück im vergangenen Jahr an einen Ableger der Leipziger Firma Idec verkauft. Deren Geschäftsführer Marco Simon reagierte auf eine Reihe von Presseanfragen zur Zukunft des Geländes nicht. Nachgesagt wird ihm, er wolle dort nach dem Abriss Wohnungen errichten.

Aus dem Handelsregister geht hervor, dass inzwischen auch österreichische Investoren an der „Erste Emil-Fuchs-Straße GmbH & Co. KG“ beteiligt sind. Diese Gesellschaft hat ihren Sitz in Fredersdorf-Vogelsdorf bei Frankfurt/Oder. Anwohner erzählten am Wochenende, vor Ort trete nicht Marco Simon, sondern ein anderer Eigentümervertreter in Erscheinung. Simon gehe seit vielen Wochen – auch auf einer Handynummer – nicht ans Telefon.

Von Dominic Welters und Jens Rometsch

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