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Lokales Abschied aus Lindenau: der wilde Heinz ist in Dessau angekommen
Leipzig Lokales Abschied aus Lindenau: der wilde Heinz ist in Dessau angekommen
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17:24 25.11.2015
Nach zwei Jahren in Leipzig-Lindenau verlässt Ziegenbock Heinz sein Szene-Domizil und kehrt zurück zur Herde nach Dessau. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Schweren Herzens ließ Stephan von Soden seine Lieblingsziege namens Heinz am Mittwochvormittag gehen. Seit zwei Jahren beherbergte er das Tier im Hinterhof seines Lindauer Szene-Cafés „Zum Wilden Heinz“. Dort fraß Heinz täglich das Gras von der Wiese und war beim Publikum äußerst beliebt. Es gab sogar schon Stammgäste, die nur vorbei kamen, um dem Tier Futter zu bringen.

In einer Holzkiste und im Kofferraum eines Autos musste Ziegenbock Heinz am Mittwoch seine Leipziger Heimat verlassen. In Dessau soll der Dreijährige Anschluss an eine neue Herde finden. (Bilder: Dirk Knofe)

Der Abschied am Mittwochvormittag verlief kurz, aber nicht schmerzlos. Teilweise konnte Von Soden gar nicht zusehen, wie Martin Förster und Andreas Behrent, Mitglieder vom Wallwitzburg-Verein aus Dessau, das 40-Kilogramm schwere Tier in eine Holzkiste bugsierten. Die mit Stroh und Deckel versehene Kiste wurde anschließend in den Kofferraum von Försters Auto gehoben. Heinz zeigte sich hingegen sichtlich entspannt und unbeeindruckt. Der Bock ließ die Prozedur gar nicht störrisch oder meckernd über sich ergehen. Nur einmal entwischte Heinz ein kurzer „Mäh“-Laut, als er hochgehoben wurde.  

Heinz kehrt nun zu seinen Wurzeln zurück

Heinz stammt ursprünglich aus Dessau und kehrt damit wieder zu seinen Wurzeln zurück. Ob er sofort in die Herde integriert wird oder noch eine Zeit lang im Nachbargehege bleibt, um die anderen Tiere von außen zu beschnuppern, ist noch nicht entschieden.

Mit 16 Kumpanen wird die Leipziger Kultziege letztendlich auf den Parkanlagen der Wallwitzburg, unmittelbar am schönen Ufer der vorbeifließenden Elbe, Gräser und Sträucher fressen. Abends gibt es dort Schlafgelegenheiten auf dem freiem Gelände und einen überdachten Bauwagen, der die Herde vor Witterungseinflüssen schützt. Jeden Morgen gegen neun kommt eines der Vereinsmitglieder vorbei, um die Zwergziegen mit Nahrung zu versorgen.  

Beschwerden und veränderte Bedürfnisse kamen auf

„Es ist schade, dass Heinz für regelmäßige Lokalbesucher nicht mehr da sein wird“, findet Förster. Aber der Zwang durch Beschwerden über Gestank und Lärm der Ziege hätte diesen Schritt notwendig gemacht, so Förster. Die Stadt Leipzig habe die Haltung der Ziege in bewohnter Umgebung nur geduldet. Die Entscheidung der Betreiber, meint Förster, sei besser, als infolge der Konfrontationen das Lokal ganz zu schließen.

Heinz ist wieder da! Mehr dazu morgen in der MZ und der LVZ.

Gepostet von Wallwitzburg am Mittwoch, 25. November 2015

Der dreijährige Heinz ist zudem in ein Alter gekommen, wo andere Bedürfnisse wichtiger werden, wie die Fortpflanzung und die Behauptung im Rudel. In den vergangenen Monaten versuchte Heinz zum Beispiel, seinem (menschlichen) Leitbock, Von Sode, den Rang abzulaufen. Solchen Herausforderungen kann er sich nun in seinem neuen Umfeld stellen.  

Vorerst kein Nachfolger in Sicht

Was nun mit der selbst gebauten Blockhütte im Garten vom Freisitz-Café passiert ist unklar. Die Betreiber wollen die Entscheidung, ob andere Jungtiere wie Kaninchen in Heinz’ Domizil einziehen werden, „Schritt für Schritt“ auf sich zukommen lassen. Den mineralischen Leckstein und das Kratz- und Rubbelbrett von Kultziege Heinz haben die Betreiber aber nicht behalten. Die Utensilien wurden beim Umzug mitgenommen.

Mit einem lachenden und weinenden Auge lässt Von Soden seine Ziege weiter ziehen. Auf der einen Seite wisse er, dass Heinz in Dessau in guten Händen sein wird. Auf der anderen Seite werde er das Tier, das für ihn schon zu einem Familienmitglied geworden war, sehr vermissen. Es wird jedenfalls kein Abschied für immer sein, denn Von Soden und sein Kollege Jan Greifelt möchten Heinz in Dessau immer wieder einen Besuch abstatten.

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