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Lokales Abstieg in Leipzigs Unterwelt - Wasserwerke bieten Führungen in Abwasserkanälen an
Leipzig Lokales Abstieg in Leipzigs Unterwelt - Wasserwerke bieten Führungen in Abwasserkanälen an
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23:59 02.05.2013
Besucher können morgen in den über 100 Jahre alten Kanal einsteigen. Quelle: Wolfgang Zeyen

Die Kommunalen Wasserwerke Leipzig (KWL) geben am Sonnabend einen Einblick in das 2800 Kilometer umfassende System, mit dem sie 634.000 Kunden versorgen.

Schwer liegt der Gullydeckel neben dem Schacht. Bevor es in die unbekannten, übel riechenden Tiefen geht, muss Schutzkleidung her. Ganzkörperanzug übergestreift, Helm aufgesetzt, in die schweren, etwas zu großen Gummistiefel geschlüpft - jetzt kann es losgehen. Kanalsanierer Sven Lietzmann trägt ein Gaswarngerät, das ihn vor Sauerstoffmangel oder explosiven Gasgemischen warnt. Zusammen mit bis zu 30 Kollegen wird sich Lietzmann morgen um die Besucher-Führungen kümmern. Dann legen die Mitarbeiter der KWL den Besuchern beim Einstieg auch Sicherheitsgurte an.

Der Durchgang ist schmal, nur 60 Zentimeter misst der Schacht. Unten angekommen, tauchen transportable Lampen das unterirdische Netz in dämmriges Licht. "Normalerweise ist es hier stockduster, wir benutzen nur Stirnlampen", sagt Sven Lietzmann. Der faulige Gestank ist nicht so stark wie erwartet. Frisch riecht zwar anders, aber es ist auszuhalten. Intensiver sei der Geruch zum Jahreszeiten-Wechsel und wenn es sehr warm ist, erklärt der Kanalsanierer.

Das Abwasser plätschert durch eine einen Meter breite und 20 Zentimeter tiefe Rinne. Durch die dunkle Brühe waten muss aber niemand. Dafür gibt es geplasterte Stege. Von Ratten ist weit und breit keine Spur. "Die wird man hier mit Sicherheit auch nicht finden", sagt der 35-Jährige, "die haben mehr Angst vor uns als wir vor ihnen." Trotzdem: "Alle Essensreste, die Bürger ins Abwasser werfen, ernähren die Ratte." Und so birgt natürlich auch Leipzigs Unterwelt Platz für die Plagegeister.

Mit einer Breite von 2,50 Meter und einer Höhe von 3,20 Meter schlängelt sich der Kanal entlang der Dresdner Straße. Von den Trägern hängen Salzkristalle, sogenannte Stalaktiten. Lärmend rauschen tonnenschwere Straßenbahnen vorüber. Eine Atmosphäre, die nicht jeder verträgt. "Für Menschen mit Platzangst ist das nichts", sagt Lietzmann.

Insgesamt haben 286 Kilometer des Netzes eine Höhe von über 1,20 Meter und sind damit begehbar. Die restlichen 2500 Kilometer Kanäle und Rohre werden mit Robotern erkundet. Lietzmann: "Da bekommt man ein ganzes Potpourri an Dingen zu sehen: Schäden, tote Tiere und Kurioses wie ein Gebiss."

Führungen am Sonnabend zwischen 9 und 16 Uhr. Anmeldung: 0341 9692430. Bekleidung wird gestellt (Gummistiefel in den Größen 39 bis 44). Kinder bis 12 nur in Begleitung der Eltern. Mindestgröße: 1,40 Meter.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2013

Patricia Liebling

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