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Lokales Ägyptisches Museum der Universität Leipzig kämpft um Steindorff-Sammlung
Leipzig Lokales Ägyptisches Museum der Universität Leipzig kämpft um Steindorff-Sammlung
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13:13 11.10.2016
Ein gefragter Mann: Dr. Dietrich Raue, Kustos des Ägyptischen Museums. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Ein Gerichtsverfahren um die Rückgabe der Sammlung an die Jewish Claimes Conference (JCC) ist am Donnerstag vertagt worden. Bei einem Verlust der Stücke wäre eine universitäre Lehre wie bisher nicht mehr möglich.

Dietrich Raue, Kustos des Museums, ist optimistisch, dass die Funde auch weiterhin in Leipzig bleiben. Einen Tag nach dem Gerichtstermin geht der Kustos durch das Ägyptische Museum, zeigt die Stücke aus der Sammlung Steindorffs’. Raue bleibt vor einer Vitrine stehen und deutet auf eine Öllampe aus der griechisch-römischen Zeit der ägyptischen Geschichte. Dieses Stück aus braunem Lehm stamme aus der Privatsammlung Professor Steindorfs. „Wir haben nicht 5000 dieser Lampen, aber die Sammlung zeigt die gesamte Varianz der archäologischen Funde“, erklärt Raue. Wenn eine davon fehlen würde, könnten Forschung und Lehre nicht mehr in der Form wie bisher weitergeführt werden: „Dann stehen wir hier mit unseren Studenten und müssen sagen, dass sie für diese Lampenart besser ein Buch ansehen sollen“, so Raue.

Genau diese Varianz, sagt Raue, sei Professor Georg Steindorff bei der Zusammenstellung dieser Sammlung wichtig gewesen. Die Studenten sollten das komplette Spektrum aller ägyptischer Epochen zu sehen bekommen.

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Georg Steindorff war ab 1904 Inhaber des Ägyptologischen Lehrstuhls an der Leipziger Universität. Zwischen 1903 und 1931 unternahm eigenverantwortlich und im Auftrag der Hochschule Grabungen in Ägypten. Er erwarb darüber hinaus aus privaten Mitteln antike Objekte, um die Sammlung zu ergänzen. Nach seiner Emeritierung wurden Steindorff 1934 wegen seiner jüdischen Herkunft weitere Tätigkeiten am Institut untersagt.

In einem Schreiben vom 5. August 1936 von Steindorff heißt es: „Ich biete meine Sammlung ägyptischer Altertümer, die zum Teil im Ägyptischen Museum der Universität als Leihgabe ausgestellt sind, zum Teil sich in meiner Wohnung befinden, dem Ägyptischen Museum zum Kauf an.“

„Steindorffs Familie hatte damals wirtschaftliche Probleme und wollte diese Sammlung veräußern“, sagt Dietrich Raue. Dies sei nicht unter Zwang geschehen. „Wir können das durch zahlreiche Briefe Steindorffs’ belegen“, so Raue. Der Kaufpreis betrug 8000 Reichsmark. „Das war so viel, wie auch Steindorff für die Gegenstände ausgeben hatte.“ Am 4. März 1937 erhielt Steindorff die Nachricht das der Ankauf genehmigt worden war. 163 Stücke gingen in den Besitz der Universität über.

1939 emigrierte er mit seiner Familie in die USA. Nach dem Krieg äußerte sich Steindorff stets zufrieden darüber, dass die Sammlung wieder in Leipzig zu sehen ist. „Es gibt eine ganze Reihe von Briefen, in denen er das erklärt“, sagt Raue. Diese würden dem Gericht vorliegen. „Wir sind optimistisch, dass das Gericht für uns entscheidet.“

Die zuständige Kammer des Berliner Verwaltungsgerichts teilte mit, es sehe nach der mündlichen Verhandlung noch weiteren Ermittlungsbedarf. Die Universität Leipzig stellte in der Anhörung am Donnerstag einen Antrag zur Beweisaufnahme. Demnach soll noch eine weitere Zeugin vernommen werden. Es handelt sich dabei um eine Mitarbeiterin der Universität Leipzig. Diese soll Angaben zu einem Gespräch mit dem Enkel von Professor Georg Steindorff, Thomas Hemer, machen, erklärte die Sprecherin des Berliner Verwaltungsgerichts, Nicole Castillon. Davon erhofft sich die Universität Aufschluss über die Verkaufsmotive des Professors.

Der neue Termin zur Verhandlung und Beweisaufnahme ist für den 26. Mai 2011, 11.15 Uhr, anberaumt worden.

Das Ägyptische Museum der Universität Leipzig beherbergt die größte, älteste und bedeutendste Universitätssammlung ihrer Art. Rund 7000 Stücke werden in den Räumen im Kroch-Hochhaus in der Leipziger Innenstadt ausgestellt. Darunter auch die 163 Exponate aus der Sammlung „Georg Steindorff“.

Dominik Bath

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