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Lokales Ältere Pädagogen fühlen sich diskriminiert
Leipzig Lokales Ältere Pädagogen fühlen sich diskriminiert
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00:31 13.05.2018
Quelle: Foto: dpa/Grafik: Patrick Moye
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Leipzig

Von wegen nur Ferien! Der Lehrerberuf ist hart und in der Gesellschaft wenig anerkannt. „Es ist zwingend erforderlich, die Attraktivität unseres Berufes zu heben, um den enormen Lehrermangel in Sachsen zu beheben“, sagt Eva-Maria Brucherseifer (50), die am Max-Klinger-Gymnasium in Grünau unterrichtet. Wie viele andere hat die Mathe- und Physiklehrerin mit dem nun geschnürten Bildungspaket allerdings so ihre Probleme. Viele haben buchstäblich die Nase voll.

Spaltung im Lehrerzimmer

Zur Erinnerung: Sachsen will ab 2019 Lehrkräfte bis zu einem Alter von 42 Jahren verbeamten, für Referendare gilt dies zunächst auf Probe. Von etwa 33 000 Lehrern in ganz Sachsen sind etwa 6000 unter 42 Jahre alt. Wer kommt in den Genuss, wer nicht? Darüber wird jetzt schon heftig in Leipzigs Schulen gestritten. Zumal der Vorschlag noch gar nicht gesetzlich untermauert ist. Und viele sehen bereits jetzt eine Spaltung im Lehrerzimmer – zwischen künftig verbeamteten und nicht verbeamteten Lehrern – bei gleicher Tätigkeit und Verantwortung. Dabei signalisieren viele Junge, dass sie natürlich gern auf den Erfahrungsschatz der Älteren zurückgreifen.

Ungleichheit wird am Alter festgemacht

Einige erfahrene Pädagogen aus der „Generation 42plus“ lehnen es inzwischen ab, Referendare zu betreuen oder sich um Seiteneinsteiger zu kümmern. Denn es könnte sein, dass der Nachwuchs später einen besseren Status erreicht und deutlich mehr verdient. „Die Ungleichheit wird am Alter festgemacht, dabei haben wir immer unsere Pflicht getan“, sagt Katrin Killenberg (52) vom Bezirkspersonalrat der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Das Bildungspaket sehe zwar vor, nach einer entsprechenden Beurteilung auch ältere Lehrer höher einzugruppieren – das betreffe aber höchstens jeden fünften angestellten Lehrer an Oberschulen und Gymnasien. Die meisten gehen leer aus. Dadurch werde von den Politikern in Dresden böses Blut geschürt.

Lehrern geht es um Wertschätzung ihrer Arbeit

„Die paar Krümel, die übrig bleiben, werden an wenige verteilt“, konstatiert Gymnasiallehrerin Cornelia Beck (54). „Aber es geht vielen Kollegen gar nicht vorrangig ums Geld. Einfach um eine Wertschätzung unserer Arbeit.“ Die Gewerkschaft hat mittlerweile 172 Beschwerden von den Kollegen, etliche haben auch an den Petitionsausschuss des sächsischen Landtages geschrieben.

„Der Unterricht wird zur schönsten Nebensache der Welt“, erklärt Beck. Die Arbeitsbedingungen seien in den vergangenen Jahren schlechter, die Belastungen größer geworden. Bei einer Klassenstärke von 28 Kindern gebe es zunehmend Inklusionskinder zu betreuen, regelmäßig Entwicklungsberichte und Förderpläne zu schreiben, der Verwaltungsaufwand wachse ständig. Viele könnten diesen nur noch am Wochenende erledigen. Auch die Migranten, die ihre Deutschkenntnisse festigen müssen, brauchen zusätzlich Aufmerksamkeit.

Viel Unruhe in den Kollegien

„Die Politik will den Lehrermangel beheben. Das neue Bildungspaket löst aber keine Probleme, schafft eher neue. Dadurch entsteht auch die Unruhe in den Kollegien“, ergänzt Claudia Maaß von der Geschwister-Scholl-Oberschule. „Unsere Schule funktioniert gut – aber nur weil wir viele erfahrene Kollegen haben“, betont die 39-Jährige, die sogar noch in den Genuss einer Verbeamtung kommen könnte.

Grundschullehrerin Claudia Behrendt (54) von der Clara-Wieck-Schule: „Viele Kollegen haben Teilzeitverträge unterschrieben, viele Jahre die Fahnen hochgehalten und haben weniger verdient – das ist auch ein Problem für die Rente.“ Erfreulich sei aber, dass Grundschullehrer besser eingruppiert werden. Ein Problem seien auch die vielen Seiteneinsteiger in der Grundschule, die es nicht gelernt haben, den Kindern Lesen und Schreiben beizubringen.

Lieber Unterrichtsbedingungen verbessern

„Kleinere Klassen, die Pflichtstundenzahl runter – das sind zwei Maßnahmen, die die Unterrichtsbedingungen wirklich verbessern“, betont Maaß. Die Landesregierung müsse ein Instrument finden, damit alle Lehrer von möglichen Verbesserungen profitieren. „Wir haben regelmäßig Superreferendare ausgebildet und zugeguckt, wie sie in andere Bundesländer gezogen sind“, so Brucherseifer. Nun befürchten viele, dass einige Ältere sich andere Jobs suchen – zum Beispiel in Sachsen-Anhalt.

Den Pädagogen ist klar, dass es in puncto Verbeamtung einen Schnitt geben muss. „Es wird immer welche treffen, die gerade an der Grenze sind. Für die anderen muss es dann aber einen Ausgleich geben.“ Resignation und Wut seien ein schlechter Begleiter im Arbeitsalltag.

Beamte sind abgesichert

Ute Paulsen, Berufsschulzentrum 1, verweist darauf, dass gerade an ihrer Schulart die Unterschiede in der Bezahlung enorm groß sind. „Die meisten von uns sind Lehrer aus Überzeugung geworden, deshalb haben sie Sachsen auch nicht verlassen, trotz der höheren Stundenzahl und geringerem Gehalt als in vielen anderen Bundesländern.“ Die verfehlte Personalpolitik früherer Jahre werde nun zu Lasten der Lehrer, die älter als 42 Jahre alt sind, ausgetragen. Das sei Altersdiskriminierung. „Wir haben viele Kollegen, die länger krank sind, Burn out oder Depressionen haben“, nennt sie ein weiteres Beispiel. Die künftigen Beamten sind durch ein Polster abgesichert.

„Wir müssen an einem Strang ziehen, damit unser Beruf endlich wertgeschätzt wird“, sind sich die Lehrer einig. Dabei freuen sie sich über die Solidarität vieler jüngerer Kollegen. „Ihnen ist bewusst, dass sie auf die Hilfe der Älteren angewiesen sind“, so Brucherseifer.

Von Mathias Orbeck

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