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Lokales Ältester Stahlbetonbau Deutschlands gerettet
Leipzig Lokales Ältester Stahlbetonbau Deutschlands gerettet
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13:40 25.12.2009
Leipzig

Das Leipziger Unternehmen Kling Group hat das Grundstück erworben, bestätigte  Gesellschafter Georg Kling. "Über einen Abriss denken wir überhaupt nicht nach. Das Gebäude bleibt erhalten und wird denkmalgerecht saniert", sagte er.

Bemerkenswert sind diese Ankündigungen, weil zuletzt kaum noch jemand an eine Rettung der verfallenen Bauten glaubte. Einst residierte dort die Musikalien- und Notendruckerei C.G. Röder. "Ich bezweifle, dass es noch irgendeine Nachnutzungsmöglichkeit gibt. Mir fällt keine mehr ein", sagte zum Beispiel Klaus-Dieter Schwensen, Chef der Firma TLG Immobilien Süd, in einem Interview mit der LVZ vor zwei Jahren. Nun konnte die Staatsfirma, die Liegenschaften des Bundes vermarktet, das Areal zwischen Gerichtsweg, Dresdner und Perthesstraße doch noch an einen Investor übertragen. Unternehmenssprecherin Edith Grether: "Wir freuen uns, dafür einen Käufer gefunden zu haben."

Genau wie in der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens musste die TLG aber erst zu ihrem Glück gezwungen werden. Schon 2003 wollte sie die Druckerei gemeinsam mit den Nachbarbauten vom Bibliographischen Institut (BI) platt machen. Dabei wurden an dem BI-Standort jahrzehntelang Buchklassiker wie Meyer's Lexikon, der Duden und Brehm's Tierleben verlegt. Während der Denkmalschutz von den BI-Bauten nur ein Haus am Täubchenweg bewahren konnte, lehnte er den Abriss der Druckerei komplett ab. Schließlich stammte der Flügel an der Perthesstraße 3 von Max Pommer, einem der wichtigsten Leipziger Architekten.

Er hatte großen Anteil am Bau des Hauptbahnhofs, des heutigen Karstadt-Kaufhauses, der Meyerschen Häuser und von 21 Villen im Musikviertel. 2005 startete die TLG Immobilien jedoch einen neuen Anlauf, erhielt nun durch eine übergeordnete Behörde die Abrisserlaubnis, obwohl Leipzigs Denkmalschützer und das Bauordnungsamt dagegen Sturm liefen. Als Anfang 2006 schon die Abbruchfirma beauftragt war, gelang Stadt-Denkmalpfleger Stefan W. Krieg der Nachweis, dass der 1898 errichtete Flügel an der Perthesstraße das erste Gebäude in Deutschland (eventuell sogar in ganz Europa) war, das komplett als Stahlbetonbau errichtet wurde. Pommer hatte sich das revolutionäre Verfahren - ein System aus Stützen, Pfeilern und mit ihnen verbundenen Platten - von einem französischen Ingenieur abgeschaut, zur Lizenz angemeldet und perfektioniert. Bis heute ist die Methode dominierender Standard im Bauwesen.

Nach Kriegs Entdeckung wurde die Abrisserlaubnis widerrufen. "Wir werden uns mit Händen und Füßen gegen den neuen Bescheid wehren", kündigte TLG-Sprecherin Grether noch im Sommer 2006 an. Zum Glück blieb das erfolglos. So kann die Kling Group bald die gesamten Druckerei-Gebäude sanieren. "Es gibt bereits eine sehr konkrete Anfrage von einem namhaften Betreiber für betreutes Wohnen", so Gesellschafter Kling. "Durch den Hof zwischen den Flügeln ist das Areal dafür gut geeignet."

Ein besserer Investor für dieses Objekt ließe sich kaum finden. Die Kling Group hat im Graphischen Viertel bereits vier historische Fabrikanlagen aufwendig saniert, darin Loft-Wohnungen oder Gewerbe angesiedelt. Für die Alte Wagenfabrik am Rabet 50 erhielt sie sogar eine Anerkennung beim Deutschen Bauherrenpreis 2007.

Jens Rometsch

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