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Ärger am Elster-Saale-Kanal: „Immer mehr Motorboote, immer mehr Lärm“

Freizeitkapitäne Ärger am Elster-Saale-Kanal: „Immer mehr Motorboote, immer mehr Lärm“

Der Burghausener Ortschaftsrat und die Anrainer des Elster-Saale-Kanals schlagen Alarm: „Immer mehr Motorboote donnern vor allem an den Wochenenden den Kanal entlang und verursachen immer mehr Lärm.

Motorboote auf dem Elster-Saale-Kanal sorgern für Ärger.

Quelle: Lutz Brose

Burghausen/Schönau. Das können wir den Anwohnern nicht länger zumuten“, sagt Ortsvorsteher Stefan Köster (parteilos). Manche Freizeitkapitäne lieferten sich sogar Rennen und düsten mit laut aufheulenden Motoren über die elf Kilometer lange Wasserstraße. „Selbst in den späten Abendstunden und sogar nachts rasen Fahrzeuge auf dem Wasser am Bienitz vorbei“, so Köster.

Wie berichtet, gibt es Klagen von Burghausenern über den ihrer Meinung nach unerträglichen Motorboot-Lärm schon länger. Ende 2013 standen Leipzigs Umweltamtsleiterin Angelika Freifrau von Fritsch sowie Ulrich Weber, Leiter der Außenstelle Merseburg des Wasser- und Schifffahrtsamtes Magdeburg, den Ortschaftsräten deshalb Rede und Antwort. Doch das Ergebnis des Besuchs ernüchterte das Gremium. Die Stadtverwaltung könne da gar nichts machen, der Elster-Saale-Kanal sei kein kommunales Hoheitsgebiet, hieß es damals. Dafür sei die Wasserschutzpolizei zuständig, die ihren sächsischen Sitz in Riesa hat. Die Chefin der Umweltbehörde versprach aber immerhin, die Kollegen aus dem Ordnungsamt für das Problem zu sensibilisieren. Doch bis heute, so lautet eine Kritik in Burghausen, sei davon nichts zu spüren gewesen.

Also holte der Ortschaftsrat dieser Tage die Wasserschutzpolizei aus Riesa an den Beratungstisch. Polizeihauptkommissar Jens Krause erläuterte dem Gremium zu dessen Verblüffung, dass auch er nicht zuständig sei, obwohl der Elster-Saale-Kanal eine Bundeswasserstraße ist. Das Gewässer sei quasi ein rechtsfreier Raum, die Wasserschutzpolizei nicht einmal berechtigt, die Geschwindigkeit der Boote auf dem Kanal zu messen – die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt acht Kilometer pro Stunde.

„Das alles ist nicht hinnehmbar“, zeigte sich Ratsmitglied Sabine Fuchs (CDU) fassungslos. Auf dem Floßgraben im Leipziger Süden dürften Paddler wegen brütender Eisvögel nur zu bestimmten Zeiten aufs Wasser, „aber auf dem Kanal können Motorboote die Anwohner unbehelligt mit Lärm belästigen“. Und überdies die knapp zwei Dutzend zum Teil seltenen Vogelarten am Bienitz stören. Polizeihauptkommissar Krause bedauerte. Zwar seien zwei Beamte der Wasserschutzpolizei aus Riesa in Markkleeberg stationiert, um jeweils von April bis September für Ordnung und Sicherheit auf den Seen südlich von Leipzig sowie auf dem Schladitzer See zu sorgen. Ein Abstecher zum Elster-Saale-Kanal käme jedoch nicht infrage. Da es sich bei diesem um eine Bundeswasserstraße handele, dürften Motorboot-Besitzer ihre Kleinfahrzeuge zu jeder Tages- und Nachtzeit zu Wasser lassen – und starten.

Das weiß auch Stephan Lademann, der an der Lyoner Straße in Schönau den Motorbootsverleih Leipzig betreibt. Die Proteste aus Burghausen kennt er, mancher Kanal-Anrainer habe ihm gar schon damit gedroht, dafür zu sorgen, dass sein Bootsverleih wieder verschwinde, erzählt Lademann auf LVZ-Anfrage. Er lasse sich aber nicht zum Buhmann machen. „Die Fünf-PS-Motoren meiner vier Boote, die allesamt nicht schneller als acht Stundenkilometer fahren, geben natürlich Geräusche von sich, aber ganz bestimmt keine, die die Leute mit Grundstücken am Wasser über Gebühr strapazieren“, sagt er. Darüber hinaus sei nicht eines seiner Fahrzeuge nach 20 Uhr unterwegs. „Mit spätabendlichen oder nächtlichen Rennen kann ich also auch nicht dienen.“ Der Geschäftsmann aus Mockau räumt ein, dass es am Pfingstsonnabend auf dem Kanal durchaus etwas lauter zugegangen sein könnte. An diesem Tag hatte Lademann zur 1. Bootsparade auf der Bundeswasserstraße geladen. Insgesamt 33 Boote, darunter einige Paddler, hätten sich zwischen 14 und 18.30 Uhr an dem Spektakel beteiligt, berichtet er. „Es waren auch ein paar PS-stärkere Motorboote mit von der Partie. Aber so was machen wir ja nicht jedes Wochenende.“

Parade hin, Parade her: Burghausens Ortschef Köster will das Thema grundsätzlich geklärt wissen. Und deshalb dafür Sorge tragen, dass Leipzigs Ordnungs- und Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke) zeitnah im Ortschaftsrat erscheint und Stellung zu den Motorboot-Rennen bezieht.

Günther Giessler und Dominic Welters

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