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Ärger um Leipzigs neuen Schulcampus

Anwohner in Volkmarsdorf kritisieren Baupläne Ärger um Leipzigs neuen Schulcampus

In Volkmarsdorf sorgen sich Anwohner um ihr Viertel. Grund sind die Pläne für einen Campus, zu dem nach einer Sanierung auch die ehemalige Hermann-Liebmann-Schule werden soll. Ein Garagenkomplex und eine Zufahrtsstraße sind die Streitpunkte. Beim Amt für Gebäudemanagement versucht man zu beruhigen.

Noch führt die Bernhardstraße zum Wohngebiet zwischen Hanns-Eisler-Straße und Liselotte-Herrmann-Straße. Anwohner Erhard Kleemann möchte, dass das so bleibt.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Für viele Menschen ist er die lang ersehnte Investition in die Bildungslandschaft des Leipziger Ostens: der Schulcampus zwischen Ihmelstraße, Wurzner Straße und Krönerstraße. Dort soll die ehemalige Hermann-Liebmann-Schule als Oberschule komplett saniert und um mehrere Neubauten erweitert werden – unter anderem um eine zweistöckige Dreifelderhalle und eine Stadtteilbibliothek. 17,4 Millionen Euro sind allein für den ersten Bauabschnitt einkalkuliert. Bereits 2012 kam das Bauvorhaben ins Gespräch (die LVZ berichtete).

Erhard Kleemann lebt seit Anfang der 70er Jahre im Viertel, versteht sich als Stimme der Anwohner und hat grundsätzlich nichts gegen die Pläne der Stadt: „Wir Bürger des Wohngebietes stimmen dem Schulerweiterungsbau ohne Einschränkungen zu“, sagt der Rentner. Die Informationspolitik der Stadt und die Umsetzung des Projekts bereite im jedoch große Sorgen. Hauptproblem für Kleemann: Nach den aktuellen Plänen, die er detailliert auf ausgedruckten Karten des Viertels eingezeichnet hat, könnte die verlängerte Bernhardstraße (siehe Karte) als Zufahrt zum Wohngebiet entfallen. Außerdem müsse der angrenzende Garagenkomplex weichen. 98 Stellplätze wären betroffen.

Raimund Krell, technischer Leiter im Amt für Gebäudemanagement, bestätigt beide Maßnahmen, versucht aber mit Blick auf den vermeintlichen Wegfall der Zufahrtsstraße zu beschwichtigen: „Die Sorgen der Anwohner sind bekannt. Wir befinden uns hier in einer frühen Phase der Planung und arbeiten an einer Lösung. Ob das Teilstück der Bernhardstraße komplett entfällt und der Verkehr durch die nach einem Umbau durchgängige Krönerstraße ins Wohngebiet führen wird oder der Straßenabschnitt leicht verändert erhalten bleibt, steht noch nicht fest.“

Weniger optimistisch sind Krells Prognosen für den Garagenkomplex. Zudem weist er den Vorwurf mangelnder Information zurück: „Die Stadtratsentscheidungen zum Bauvorhaben waren öffentlich. Die Entwürfe wurden ausgehängt und die Garagengemeinschaft wurde frühzeitig darüber informiert, dass der Platz für den Bau der Dreifelderhalle benötigt wird. Das ist ärgerlich für die Betroffenen, aber nicht zu ändern.“ Die Stadt wachse schneller als erwartet, wodurch auch bei Schulen und Kitas neuer Bedarf bestünde, dem nun Rechnung getragen werde.

Erhard Kleemanns Gegenvorschlag, die Sporthalle direkt an die Schule zu setzten und so den Abriss der Garagen und den Wegfall der Bernhardstraße zu vermeiden, muss Barbara Rammelt, die aktuell das Bauvorhaben im Amt für Gebäudemanagement betreut, zurückweisen: „Wir rechnen nach der kompletten Fertigstellung des Campusgeländes mit etwa 1500 Schülern. Für jeden einzelnen muss eine Pausenhoffläche von vier bis sechs Quadratmetern berechnet werden. Es kann nicht jeder vermeintlich freie Platz bebaut werden.“

Probleme prophezeit Erhard Kleemann derweil nicht nur angesichts fehlender Parkplätze und der in seinen Augen als Zugang zum Wohngebiet ungeeigneten und aufwändig auszubauenden Krönerstraße. Auch die Aussichten für Anwohner des Viertels, die zu Fuß unterwegs sind, schätzt er düster ein. „Wenn man zu den Haltestellen in der Wurzner Straße will, gibt es nach dem Umbau nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder man wählt den weiten Weg um den Campus oder man geht durch die angrenzende Gartensiedlung.“ Besonders im Herbst und Winter, wenn die Anlage schlammig und nicht beleuchtet ist, sei das für die Älteren nicht zumutbar, so Kleemann.

Zumindest diese Sorge will Raimund Krell den Anwohnern nehmen: „Ziel ist es, die Schule für das Viertel zu öffnen. Unter Beachtung der nötigen Sicherheitsvorkehrungen soll es möglich sein, das Campusgelände zu Fuß zu überqueren.“

Wann genau der erste Spatenstich für den neuen Campus gesetzt wird, steht noch nicht fest. Wenn alles gut geht, sollen aber im Sommer 2020 die ersten Kinder die neuen Schulbänke drücken.

Von Anton Zirk

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