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Lokales Agra-Tunnel bekommt Konturen
Leipzig Lokales Agra-Tunnel bekommt Konturen
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06:04 04.09.2018
Die Agra-Brücke aus der Luft. Sie soll durch einen 381 Meter langen Tunnel mit jeweils 110 Meter langen Rampen ersetzt werden. Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

In Dresden sind die Würfel gefallen: Die Verkehrsplaner des Freistaates wollen die 357 Meter lange B 2-Brücke im Agra-Park durch einen Tunnel ersetzen. Favorisiert wird eine 381 Meter lange Unterführung, die knapp 25 Meter breit sein soll und an beiden Enden noch 110 Meter lange Rampen benötigt. Veranschlagt werden für das Projekt derzeit Baukosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro; ein einfacher Ersatz der Brücke durch eine neue Konstruktion würde „nur“ 25 Millionen Euro kosten.

Nach Ansicht der Planer sind die Mehrausgaben aber berechtigt, weil sie den denkmalgeschützten Agra-Park erheblich aufwerten: Durch den Tunnel würden Lärm und Abgase der Autos aus dem Park verschwinden und historische Blickbeziehungen wieder hergestellt, hieß es gestern Abend im Großen Lindensaal des Markkleeberger Rathauses, wo die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Der Tunnelbau mache den Park für Besucher wieder erlebbar.

Wie berichtet, stammt die derzeit vorhandene Agra-Brücke aus dem Jahr 1976 und ist stark verschlissen. Die darauf täglich verkehrenden 42 000 Fahrzeuge dürfen nur noch 60 Stundenkilometer fahren, nicht überholen und auch nicht schwerer als 40 Tonnen sein. Eine neue Brücke würde immer noch elf statt der heute 17 Stützpfeiler benötigen, wäre rund 2,50 Meter niedriger und würde den Park dadurch noch stärker beeinträchtigen als die aktuelle Konstruktion. Vom Tisch ist auch der Plan, die neue vierspurige Bundesstraße 2 in einem oben offenen Trog durch den Agra-Park zu führen. Denn Berechnungen haben ergeben, dass wegen des Grundwassers erhebliche Verankerungen im Erdreich benötigt würden und die Baukosten mit rund 55 Millionen Euro höher lägen als bei einem Tunnel. Zudem wären zu beiden Seiten des Troges hohe Absperrgitter erforderlich, die den Park ebenfalls zerschneiden würden, während beim Tunnel-Projekt nur eine Erhöhung im Gelände ähnlich einem Erdwall zu sehen wäre.

Die Planer des Freistaates haben auch eine sogenannte ebenerdige Tunnelvariante geprüft, die bis zu 8,50 Meter tief ins Erdreich ragen würde und im Park unsichtbar wäre. Die Baukosten würden dann 57 Millionen Euro betragen. Obwohl der Freistaat diese Lösung nicht favorisiert, ist sie noch nicht vom Tisch. Ob sie umgesetzt wird, hängt unter anderem von Detailplanungen ab, die noch stattfinden müssen.

Das Landesamt hofft jetzt, dass der Bund möglichst schnell grünes Licht für diese Detailplanungen gibt. Dafür würden noch drei Jahre benötigt, hieß es. Anschließend seien weitere vier Jahre für das erforderliche Planfeststellungsverfahren notwendig. Mit Baurecht sei in acht bis zehn Jahren zu rechnen, der Tunnelbau dauere dann noch einmal vier Jahre.

Gebaut werden soll in offener Bauweise. Der Autoverkehr würde in dieser Zeit weiter auf der B 2 rollen – wahrscheinlich wird erst der Tunnel gebaut und dann die Brücke abgebrochen. Markkleebergs Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD) lobte die Planer. „Wir sind aber noch längst nicht am Ziel“, sagte er. Doch das Gutachten aus Dresden setze die Vorteile einer Tunnellösung „eindrücklich ins Bild. Die Vorzugsvariante spiegelt den Willen der Bürgerschaft wider“, so Schütze mit Blick auf die Initiative, die seit Jahren um diese Lösung ringt. „Wir kämpfen weiter, bis der erste Spatenstich Realität geworden ist.“

Von Andreas Tappert

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