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Lokales „Aktion ist total schief gelaufen“ – Leipzigs Polizeipräsident entschuldigt sich in Kita
Leipzig Lokales „Aktion ist total schief gelaufen“ – Leipzigs Polizeipräsident entschuldigt sich in Kita
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17:38 16.10.2012
Polizeipräsident Horst Wawrzynski und sein Amtsnachfolger Bernd Merbitz haben sich bei den Kindern der Kita für den Polizeieinsatz entschuldigt. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Bei dem Schlag gegen die Drogenszene waren bis zu sieben Beamte in kompletter Kampfmontur, mit Helm und verdeckten Gesichtern, über das Tor der Kindertagesstätte in der Biedermannstraße geklettert, während die Kleinen auf dem Hof spielten.

„Den Einsatzverlauf und die damit verbundenen Belastungen Ihrer Kinder können wir leider nicht ungeschehen machen“, schrieben die beiden Polizeiführer in einem Brief an Eltern und Mitarbeiter der Einrichtung. Als „äußeres Zeichen der Wiedergutmachung“ überreichten Wawrzynski und Merbitz Spielzeug und eine Geldspende an Leiterin Anke Dieter. Die Geschenke hätten sie aus ihrem Privatvermögen finanziert, erklärten die beiden Beamten.

Erledigt ist der Fall damit aber keineswegs. Die Einsatzdurchführung werde intern kritisch ausgewertet, betonte Wawrzynski. Besonders die Frage, weshalb kein ziviler Polizist die Erzieherinnen vorgewarnt habe, müsse beantwortet werden. „Das wäre ein gangbarer Weg gewesen“, so Wawrzynski gegenüber LVZ-Online. Die Aktion sei jedenfalls im Bereich der Kita total schief gelaufen.

Beschwerde gegen die Polizisten?

Vorwürfe gegen Wawrzynski, er wolle mit dem Einsatz in Connewitz seinen Wahlkampf in Schwung bringen, wies der Polizeipräsident zurück. „Ich wäre doch mit dem Klammersack gepudert, wenn ich so einen Auftakt hinlegen würde“, sagte der CDU-Kandidat für das Amt des Oberbürgermeisters.

Der Kita-Träger, das Internationale Bildungs- und Sozialwerk, will mit dem Thema nun abschließen. „Wir schauen nach vorn“, sagte Thomas Wiesemann, Assistent der Geschäftsführung und verantwortlich für Medienanfragen. Von einer Dienstaufsichtsbeschwerde, wie noch am Freitag von Erzieherinnen angekündigt, habe er keine Kenntnis. Möglicherweise könnten aber noch Eltern gegen die Polizei vorgehen.

Die vermummten Polizisten seien auch in dieser Woche noch Thema bei den Kindern gewesen, so Wiesemann. Traumatisiert sei nach jetzigem Stand jedoch niemand. „Wir wissen aber nicht, was in zwei oder drei Monaten ist“, so der Mitarbeiter. Er hoffe, dass alle Beteiligten auch dann noch mit Hilfsangeboten bereit ständen.

Die Polizei hatte Minuten vor ihrem Schlag gegen die Drogenszene noch in der Kita angerufen, aber niemanden erreicht. „Wir haben das Telefon nicht ständig dabei“, berichtete Kita-Leiterin Anke Dieter. Die Eltern wüssten schon, wie sie die Erzieherinnen erreichten. Ob es in diesem Punkt Veränderungen gibt, wolle der Träger nun prüfen, so Wiesemann.

Bernd Merbitz bezeichnete trotz der Panne den Einsatz an sich als notwendig. Direkt an den Kindergarten grenzt das Haus, in dem die Beamten die mutmaßlichen Drogendealer festnahmen. Vom Hubschrauber aus hätten die Einsatzkräfte Steine auf dem Dach entdeckt, berichtete der künftige Leipziger Polizeichef. Ziel sei es gewesen, das Gebäude von der Rückseite aus zu erreichen und Kollegen so zu schützen.

Nach den Krawallen in der Nacht zu Sonnabend hat die Polizei mehrere Personalien im Umfeld der Weißenfelser Straße aufgenommen. Dort hatten unbekannte Täter mehrere Molotowcocktails gegen ein Polizeirevier geworfen, ohne dass die Brandsätze zündeten. Jetzt müssten noch Spuren ausgewertet werden, so Merbitz, um die Täter zu überführen.

Matthias Roth

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