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Aktionstag Glücksspielsucht: "Gewonnen - das war mein Pech"

Aktionstag Glücksspielsucht: "Gewonnen - das war mein Pech"

"Mit zwölf habe ich mal eine Mark in einen Spielautomaten in einer Gaststätte gesteckt, da kamen 20 Mark raus. Ein paar Wochen später habe ich mit fünf Mark Einsatz hundert Mark gewonnen - das war mein Pech", erzählt Ralf Niemzik.

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Dauer-Daddeln am Spielautomaten: Glücksspielsüchtige können ihr Problem oft lange vor Familie und Freunden verstecken.

Quelle: Ole Spata

Leipzig. Von da an habe ihn die Spielsucht gepackt. Weil er schon als Jugendlicher sehr groß war, habe ihn auch niemand von den Automaten ferngehalten.

"Das ist ein generelles Problem", sagt Martina Allstedt von der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Impuls am Suchtzentrum Leipzig, die Donnerstag gemeinsam mit Vertretern der Stadt Leipzig in der Petersstraße anlässlich des bundesweiten Aktionstags auf die Glücksspielsucht aufmerksam macht. "Das Jugendschutzgesetz erlaubt den Zutritt zu Spielhallen erst ab 18 Jahren. Das wird in der Realität aber nicht eingehalten."

Mit 17 begann Niemzik eine Ausbildung als Polizist. Sein Gehalt verspielte er schnell. Im Alter von 23 Jahren hatte er bereits 35 000 Mark Schulden. Deshalb hängte er den Polizei-Job an den Nagel und fing bei einer Versicherung an, um mehr Geld zu verdienen. Das funktionierte zunächst gut. "Ein Spieler muss auch Schauspieler sein, um das Lügengeflecht aufrecht zu erhalten, das er um sich herum geschaffen hat", sagt der aus dem Ruhrgebiet stammende Mann, der jetzt in Priestewitz bei Meißen lebt. "Aber auch das belastet die Psyche. Und um die negativen Gefühle zu verdrängen, spielt man wieder." Die ursprüngliche Absicht, von den Mehreinnahmen seine Schulden zurückzuzahlen, verfehlte er. "Ich konnte das nicht mehr kontrollieren, habe gezockt, bis das Geld weg war", berichtet der 51-Jährige.

"Dabei fallen Spielsüchtige nach außen nicht so auf", sagt Allstedt. "Sie haben keine körperliche Abhängigkeit von einer Substanz wie Drogen oder Alkohol, sondern eine rein psychische." Auch ihre Beschaffungskriminalität verlaufe auf anderen Ebenen als bei körperlich Abhängigen. Da gehe es eher um Hinterziehung und Unterschlagung von Geld oder Internet-Betrug.

Auch Niemzik betrog seine Klienten, als er noch mehr Geld brauchte. "Die haben das gar nicht bemerkt", erzählt er heute.

Bereits 1988, im Alter von 25 Jahren, war er selbst in eine Suchtklinik gegangen, um sich behandeln zu lassen. Doch weil seine Erkrankung damals nicht anerkannt war, wurde er wieder weggeschickt. Erst seit 2001 ist Glücksspielsucht sozialrechtlich anderen Suchterkrankungen gleichgestellt.

Zwei Jahre später absolvierte Niemzik die erste stationäre Therapie in einer Reihe von vielen. 2005 zeigte er sich selbst an, damit die von ihm Betrogenen ihr Geld wiederbekamen. Er verlor seine Selbstständigkeit, ist seitdem arbeitslos. 2008 wurde ihm der Prozess gemacht. Doch da er selbst zur Aufklärung der Sachverhalte alles beigetragen hatte, bekam er eine Bewährungsstrafe. Seit dem Ende seiner Insolvenz ist er schuldenfrei und fühlt sich gut bei dem Gedanken, Verantwortung für sein Handeln übernommen zu haben. Auch an den hinter seiner Spielsucht liegenden Persönlichkeitsstörungen hat er therapeutisch gearbeitet. "Jetzt erst kann ich mein Leben genießen, beim Kochen oder Backen, als Schiedsrichter beim Fußball", freut sich der seit 13 Monaten "trockene" Automatenzocker.

"Leipzig ist in der Spielsuchtberatung tätig, das ist positiv", meint Allstedt. Aber im Hinblick auf die Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrages, der vor allem zum Schutz der Spieler entstanden, bestehe noch viel Nachholbedarf. "Zum Beispiel in der Außenwerbung der Spielhallen werden Standards nicht eingehalten", kritisiert die Therapeutin.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.09.2014

Katrin Kleinod

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