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Lokales Allein gegen die "Bonzenkarren" - Prozess um "Militante Gruppe Leipzig"
Leipzig Lokales Allein gegen die "Bonzenkarren" - Prozess um "Militante Gruppe Leipzig"
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08:42 03.08.2010
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Leipzig

(24) auf der Anklagebank im Landgericht nieder. Ein Auftritt, der durchaus passend ist zu allem, was vom Angeklagten bisher bekannt ist.

Laut Staatsanwaltschaft soll der Sohn von zwei Polizeiangehörigen hinter jener mysteriösen "Militanten Gruppe Leipzig" (MGL) stecken, die Anfang des Jahres mit Brandanschlägen und wüsten Bekennerschreiben eine beträchtliche Drohkulisse inszeniert hatte. Mancher sah schon Verhältnisse wie in Berlin heraufdämmern, wo Angehörige einer "Militanten Gruppe" seit 2001 mindestens 25 Brandanschläge verübt und einen Gesamtschaden von 840 000 Euro angerichtet hatten, bis sie 2009 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Der mutmaßliche Leipzig-Ableger entpuppte sich nach Erkenntnissen der Ermittler jedoch nicht als Sammelbecken wirrer Extremisten, sondern als eine Art Ich-AG mit ziemlich undurchschaubarer Motivlage.

Laut Anklageschrift soll Tommy T. am 31. Januar gegen 3.10 Uhr in Volkmarsdorf vor dem Haus Bernhardstraße 50 einen dort geparkten BMW X5 abgefackelt haben. Mit einem Pflasterstein habe er eine Scheibe des 50 000 Euro teuren Wagens eingeworfen und dann auf dem Rücksitz das Feuer gelegt. Am selben Morgen um 5.50 Uhr erschien im Internetblog http://militantegruppeleipzig.wordpress.com/ ein Bekennerschreiben: "Die Militante Gruppe hat am frühen Morgen des 31.01.erneut zugeschlagen. Diesmal traf es die Bonzenkarre eines BMW-Fahrers in der Bernhardstraße. Wir haben die Kiste durch Einwerfen mittels Pflasterstein zunächst geöffnet und anschließend einen brennbaren Gegenstand in den Bonzenkarren geworfen. Wir hoffen, es brannte die gesamte Dreckskarre aus. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, werden Polizeifahrzeuge in Brand gesetzt.

Sollten uns Bullen daran hindern, werden sie mittels Schusswaffen niedergeschossen." Verfasser der Revoluzzer-Prosa ist nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft Tommy T. Die Behörde legt ihm deshalb neben der Brandstiftung auch Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten zur Last. Hinzu kommt ein Fall des versuchten Diebstahls.

Der Angeklagte - früher selbst Gesellschafter und Filialleiter einer Computerkette - soll versucht haben, am 4. Februar in das Computergeschäft in der Breiten Straße einzubrechen. Am selben Tag wurde er festgenommen, seit 5. Februar sitzt er in Untersuchungshaft - und die Aktivitäten der MGL hörten schlagartig auf. Weitere Brandanschläge, zu denen sich die MGL zuvor bekannt hatte, etwa am 21. Januar auf einen Sattelschlepper mit neuen Polizeifahrzeugen, spielen aus Mangel an Beweisen in dem Verfahren keine Rolle.

Die Strafkammer plant an den nächsten drei Verhandlungstagen eine umfassende Beweisaufnahme mit 17 Zeugen und sieben Sachverständigen, darunter Computerexperten, Chemiker, Physiker und weitere Spezialisten des Landeskriminalamtes. Tommy T. schweigt bislang zu den Vorwürfen, verweigerte sich bisher auch der Exploration durch den Psychiater Matthias Lammel.

Der Gutachter hatte in einem früheren Verfahren bei dem vorbestraften Tommy T. eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Sollte sich diese verstärkt haben, könnte dies bedeuten, dass der als hochintelligent geltende Tommy T. mit der für den 31. August geplanten Urteilsverkündung nicht ins Gefängnis, sondern in die geschlossene Psychiatrie muss.

Frank Döring

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