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Lokales Alles nur eine Blase? - Studenten erforschen das Phänomen "Hypezig - the better Berlin"
Leipzig Lokales Alles nur eine Blase? - Studenten erforschen das Phänomen "Hypezig - the better Berlin"
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11:17 01.05.2014
Erforschen das Phänomen "Hypezig": Wolfgang Amann, Christina Schmitt und Carolyn Wißing (von links). Quelle: dpa
Leipzig

Um sie zu beantworten, starteten die Neu-Leipziger ein wissenschafts-journalistisches Projekt rund um die Internetplattform einundleipzig.de.

Sie stellen nüchtern fest: „Leipzig ist mehr als illegale Partys und schöne Altbauviertel. Leipzig ist auch, wenn Wohnraum luxussaniert wird und die Bewohner ausziehen müssen.“ Auf ihrer Plattform wollen sie die Sachsen-Metropole und ihre Bewohner vorstellen, das Thema diskutieren und mit Zahlen die gefühlte Entwicklung belegen. Kurz gesagt geht es darum, ob Leipzig wirklich „Hypezig“, gar das bessere Berlin ist. Zahlreiche Medien haben das in den vergangenen Monaten behauptet und so ein Hype befeuert. Doch gibt es ihn wirklich?

Immerhin: Die Mieten steigen mittlerweile auch in Leipzig und eine positive Prognose sieht für die Stadt in 20 Jahren einen Einwohnerzuwachs um bis zu 25 Prozent. Die drei Studenten haben sich in der Universität kennengelernt. Auch sie kamen nach Leipzig - und kannten zuvor nur den guten Ruf. Ein Ruf, der auch negative Folgen haben kann. Zum Beispiel für Steffen Balmer.

Der 50-Jährige wohnt in Leipzig-Schleußig. Der Stadtteil entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu den gefragtesten Wohnlagen. Investoren legen ihr Geld gern in Immobilien des Quartiers an. „Das ehemalige Fabrikgebäude, in dem ich wohne, soll nun modernisiert werden“, erzählt Balmer. Er müsse wie 15 Mitbewohner seine Bleibe räumen, es sollen moderne Lofts entstehen. Die Kündigungen liegen schon auf dem Tisch. Dabei waren es Leute wie Balmer, die dabei mitgeholfen haben, aus der Stadt das zu machen, was sie jetzt ist.

Der Programmierer organisiert seit Jahren das sogenannte „Westpaket“, ein Straßenfest, was das Wohngebiet attraktiver werden ließ. „Mittlerweile müssen wir uns unser Eigenverschulden eingestehen“, räumt er heute ein. Engagierte und Künstler hätten sich bereits vor zehn Jahren daran setzen müssen, jene Freiräume, die sie erschlossen haben, auch für sich zu sichern. „Der Trend war absehbar. Wir hätten etwa Genossenschaften gründen sollen, um selbst zu investieren“, sagt Balmer. Nun sei es zu spät.

Unterwegs in Schleußig

Leipzig. Leipzig eilt mittlerweile ein guter Ruf voraus: Die Stadt sei schön, die Mieten günstig, die Partys angesagt. Doch ist das alles? Diese Frage haben sich die drei Studenten Carolyn Wißing (27), Christina Schmitt (25) und Wolfgang Amann (25) gestellt. Um sie zu beantworten, starteten die Neu-Leipziger ein wissenschafts-journalistisches Projekt rund um die Internetplattform einundleipzig.de.

Balmers Geschichte ist eine von denen, die die Studenten ausführlich erzählen wollen. Um Freiräume geht es auch Sebastian Lentz. Er ist Direktor des Leibniz-Instituts für Länderkunde, erforscht Lebensräume wie Leipzig und betreut die drei Studenten von wissenschaftlicher Seite. Die Frage, ob an „Hypezig“ mehr dran ist als eine Medienmeldung, findet er spannend. Leipzig bemühe sich bereits seit den 1990er Jahren verzweifelt darum, sein Image zu verbessern. „Gerade hat sich eine kleine Informationsblase aufgebläht, die vielleicht morgen schon wieder eine andere Stadt trifft“, sagt Lentz.

Brücke an Buntgarnwerken verschwindet

Wo Leipzig heute wirklich steht, möchte der Wissenschaftler nicht bewerten. Jedoch: „Was an Leipzig nach wie vor toll ist, sind seine Möglichkeitsräume.“ Genau hiervon wurde die Kultur- und Kreativszene in den vergangenen Jahren angezogen. Lentz bezeichnet das gern als den „Luxus der Leere“. Die Nachfrage nach Immobilien war in Leipzig viele Jahre lang nicht so groß wie in anderen Metropolen Deutschlands. Das gab Freiraum zum Probieren und Neugestalten.

Gefahren der Entwicklung, etwa steigende Mieten, nennt der Wissenschaftler jedoch „relativ“. Man müsse dabei sehen, von welchem Niveau die Entwicklung ausgegangen sei. Und: „Es mangelt bei dieser Diskussion an historischem Bewusstsein.“ Leipzig zählte Anfang des 20. Jahrhunderts zu den wirtschaftlich bedeutendsten Städten des Landes. Diese Substanz werde derzeit gerade teilweise wieder „in Wert gesetzt“. Die Plattform einundleipzig.de ist bereits online, allerdings erst einmal als Entwicklungs-Blog. Darauf stellen die Studenten ihr Projekt vor und werben zum Mitmachen.

Winterrundgang in der Baumwollspinnerei

Entstehen sollen jedoch nicht nur Porträts und Geschichten von Leipzigern, sondern auch eine journalistische Aufarbeitung von Daten, wie etwa Mietpreisen. Geplant ist eine interaktive Karte, in der zum Beispiel jeder seine Miethöhe eintragen kann. „So soll ein Mietspiegel entstehen, der die Wirklichkeit abbildet“, sagt Christina Schmitt. Sie und ihre Kommilitonin Carolyn Wißing kümmern sich dabei um den journalistischen Inhalt, Wolfgang Amann um die technischen Fragen der Programmierung der Seite.

Finanziell wird das Projekt von der Robert-Bosch-Stiftung sowie dem Stipendienprogramm Vocer unterstützt. Doch ist Leipzig nun das bessere Berlin? „Ein Ergebnis haben wir noch nicht“, sagt Wißing. Sie stünden noch am Anfang. Es bleibt spannend.

Björn Menzel, dpa

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