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Alpenverein: Zwietracht statt Kameradschaft

Alpenverein: Zwietracht statt Kameradschaft

Der Ehrenrat zurückgetreten, der Beirat perdu, Rücktritte aus anderen Ehrenämtern en masse. Die Lage in der Sektion Leipzig des Deutschen Alpenvereins (DAV) - immerhin die zweitälteste in der Bundesrepublik nach München - gleicht in den letzten Wochen und Monaten einem Dauererdbeben.

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Hütte

Quelle: Österreichischer Touristenklub

Die Stimmung unter den Gebirgsfans rauscht seit einiger Zeit lawinenartig bergab. Der eskalierende Zwist zwischen Teilen des Vorstandes und einer Gruppe von Mitgliedern überschattet die sonst so heile Alpenwelt.

Gar wunderliche Dinge spielen sich zuletzt im Leipziger Basislager des eigentlich doch als so gemütlich geltenden Deutschen Alpenvereins ab: Personalquerelen, Austausch juristischer Spitzfindigkeiten, Zwist ums Mitteilungsheft samt Zensurvorwurf, Zerwürfnis bei Satzungsänderungen, Entzweiung bei der Beitragserhöhung. Und als wäre all dies nicht schon der Gipfel, soll der Ehrenvorsitzende Hans Ehrlich ausgeschlossen werden, stellt der Vorsitzende Henry Balzer auf der jüngsten Mitgliederversammlung das Vertrauensvotum. Manchem an einer guten Entwicklung interessierten Mitglied stehen die Haare zu Berge. Der Generationenkonflikt ist eskaliert, der Streit birgt weiterhin Lawinengefahr. Worum geht es? Einige der zahlreichen Kontroversen:

Vertrauensfrage: Chef Balzer verknüpft sein Schicksal mit der zeitgleichen Abwahl des Beirats. Beide werfen sich gegenseitig satzungswidriges Verhalten vor. Kritiker wie Beiratsmitglied Hartmut Dickwach sehen diese Kopplung als "überaus fragwürdig und falsch", andere wie Stefan Tauchnitz als "bedenklich", oder "mindestens unglücklich" wie ein Vereinsrechtsexperte vom Hauptverband in München. Vereinsvize Toni Werner erwidert: "Das wird im Vereinsrecht nicht explizit geregelt, ist daher möglich."

Vereinsorgane: Dem Ehrenrat dürfen laut jüngstem Beschluss nur noch Mitglieder zwischen 30 und 68 Jahren angehören. Die Änderung wird in der Sitzung mündlich, ohne Tischvorlage erläutert (Werner: "Wir kannten den genauen Inhalt auch nicht bis ins Detail."). Jens Kunath als Einreicher begründet dies mit derselben Regelung für Berufsrichter am Bundesverfassungsgericht. Kritiker sehen dies als "unnötige Eingrenzung, falsch und völlig überzogen". Der Rücktritt des Ehrenrats folgt auf dem Fuß, das Aus für das zweite satzungsgemäße Organ nach dem Beirat. "Wenn der Ehren- oder Beirat ein Organ des Verbands ist, muss eine Satzungsänderung her - ohne geht nicht", kommentiert Andrea Händel, Sprecherin des Hauptvereins in München.

Satzungsänderungen: Grundsätzliche Kritik, dass "uns Mitgliedern keine Chance" (Siegfried Springer) gegeben wird, sich vor der Versammlung im Mitteilungsheft oder im Internet über geplante Satzungsänderungen zu informieren, wird mit dem Hinweis erwidert, dass laut Satzung nur "Schwerpunkte der Tagesordnung" (Werner) bekannt gegeben werden müssen.

Mitteilungsheft: Knatsch um die Verlagerung des Drucks von einer Leipziger Druckerei ins Baden-Württembergische. Die "Einsparung von 2000 Euro jährlich" führt Vereinsvize Werner als Grund an. Kritiker sehen den Hefte-Transport als "sinnlose Ressourcenverschwendung", fordern vielmehr eine Unterstützung der lokalen Wirtschaft. Den Vorwurf Zensur in der jüngsten Ausgabe kontert der Vorstand mit dem Argument der Falschdarstellung und der fehlenden Möglichkeit für die Mitglieder, sich "ein objektives Bild machen" zu können.

Wie geht's nun weiter? Wird es die Gründung einer neuen Sektion geben? "Grundsätzlich möglich", sagt DAV-Sprecherin Händel. In der Regel würden diese auch als Zweit- oder Drittsektion in einer Stadt aufgenommen. "Wäre eine Möglichkeit", sagt Dickwach. Doch dazu wolle er sich derzeit nicht äußern. Aus seiner Sicht gehe es erst einmal darum, ob der Hauptverein die Satzungsänderungen akzeptiert.

Die Zukunft des Vereins? Wohl alles andere als lawinensicher.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2013

Pelzl, Martin

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