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Als Ostern und Einschulung zusammenfielen - Leipziger Jahrgang 1932 erinnert sich

Als Ostern und Einschulung zusammenfielen - Leipziger Jahrgang 1932 erinnert sich

Kopfnüsse vom Klassenlehrer, Konfirmationskleider aus Gardinenstoff, erste Küsse in der Disco - in der neuen Serie "So war das damals" schreiben LVZ-Leser über ihre Kindheit und Jugend.

Leipzig. Machen Sie mit!

Einschulung und Osterfest fielen seinerzeit für den Leipziger Günter Rötzsch, Jahrgang 1932, noch zusammen. Hier seine Erinnerungen:

Es war vorbei mit dem Säbelrasseln im Jahr 1939, denn das faschistische Deutschland hatte bereits im Vorjahr die Tschechoslowakei überfallen und hetzte nun unverfroren zum Krieg. Sehr zum Missfallen meines kleinbürgerlich geprägten Umfeldes. Dessen ungeachtet wurden die ursprünglich christlichen Feiertage wie Ostern, Pfingsten und Weihnachten, als Tage der Freude und Entspannung weiter begangen. In der Rang- und Reihenfolge dominierte immer Weihnachten vor Ostern und Pfingsten.

Ostern 1939 wurde ich in die 17. Volksschule in Anger-Crottendorf aufgenommen. Es war durchaus ein Höhepunkt meines bisherigen Lebens, doch es wurde nicht wie heute als eine Art Feiertag gegangen. Das Wichtigste war damals für mich die Zuckertüte, gefüllt mit allerhand Naschwerk und so schwer, dass ich sie nicht einmal selbst tragen konnte. An der oberen Schleife schaute immer ein Osterhase hervor, ganz gleich, ob die Tüte groß oder klein war, vielleicht sogar nur mit Kartoffeln oder Steinen gefüllt wie man uns glauben machen wollte. Am nach Leder riechenden neuen Ranzen, gefüllt mit Utensilien für einen Achtklässler und der gleichartigen Brottasche hatte ich ja schon genug zu tragen. Bis 1941 begann der Schulunterricht tatsächlich mit der achten Klasse!

Zur Begrüßung führten uns die nunmehrigen Sieben- und Sechstklässler in der Aula eine österliche Schulgeschichte vor. Dabei nannten sie uns Achtenkrutscher Daumenlutscher, was uns sehr ärgerte. Meine Mutter und ihre Schwester Irene wussten von dem vierjährigen Neffen oder Sohn Peter, dass er ein lautes Geschrei anstimmen würde, wenn er keine Zuckertüte bekäme. Deshalb bekam auch er eine kleine blaue Tüte, aus der ebenfalls ein Osterhase hervorlugte. Unsere Mütter tranken noch eine Tasse Kaffee und vorbei war es mit der Schulaufnahmefeier. Ich wusste aber, dass in einer Woche das Osterfest bevorstand und es dann noch zusätzliche Geschenke geben würde.

So kam es, dass es am Morgen des Ostersonntages, ich lag noch mit meinen Eltern im Bett, es an der Schlafzimmertür kratzte und Vater zu mir sagte: "Sieh doch einmal nach, was das gewesen ist." Neugierig ging ich auf den Flur und richtig, neben einem Körbchen mit bunten Ostereiern lagen da noch ein Malbuch und eine Packung voller Buntstifte von Faber-Castell.

Cousin Peter, der ja im gleichen Hause wie wir wohnte, kam nach einiger Zeit, um zu schauen, was der Osterhase mir noch alles gebracht hatte. Natürlich wollte er auch malen und es dauerte nicht lang, bis es zum Streit kam. Ich haute ihm einen Kopierstift auf den Kopf, die Spitze brach ab und Peterle begann zu weinen. Die Binde um seinen Kopf war für mich wieder einmal Gelegenheit, ihn kräftig auszulachen. Am zweiten Feiertag nahm mich Oma mit in den Garten, um mir zu zeigen, was der Osterhase dort für mich hinterlassen hatte. Natürlich war da auch ein Nest mit bunten Ostereiern und dazu zwei lebende Entenküken. Sie stammten aus Nachbars Garten und waren knapp dem Tod entronnen. Ausgebrütet waren sie von einer Hühnerglucke, die wahrscheinlich nicht ertragen konnte, dass sie ihren Lockrufen nicht Folge leisteten und sie deshalb in die Köpfe hackte. Von ursprünglich fünf hatten nur zwei der Küken überlebt. Nach zwei Tagen verstarb noch eines, weil es doch einige Hiebe abbekommen hatte. Vor Angst laut piepsend, wurde das kleine Waisenkind von meinen Eltern mit nach Hause genommen. Es wurde zu einem richtigen Haustier, das in einer kleinen Badewanne seinen Unterschlupf fand und sogar Blutwurst gefressen hat. Nach einiger Zeit im Garten genoss die kleine Ente bis zur Weihnachtszeit ein frohes Entenleben.

So können Sie mitmachen!

"So war das damals" - unter diesem Motto startet die LVZ eine neue Serie und bittet Sie, liebe Leser, um Mithilfe. Was haben Sie einst erlebt? Welche Ereignisse haben sich tief in Ihrem Gedächtnis eingebrannt? Was hat Sie für Ihr Leben geprägt? Schreiben Sie Ihre ganz persönlichen Erlebnisse und Anekdoten auf und senden sie diese per E-Mail an kinder@lvz.de oder per Post an die LVZ-Lokalredaktion, Peterssteinweg 19, 04107 Leipzig, Kennwort: Kinderzeit. Bitte stellen Sie uns auch Fotos aus Ihren Kindheitstagen und ein aktuelles Porträtbild zur Verfügung. Wir freuen uns auf Ihre Geschichten!

Mit Ihrer Einsendung erklären Sie sich mit einer Veröffentlichung in der Zeitung, im Onlinebereich und gegebenenfalls auch in einer Buchversion einverstanden. Wir sind gespannt auf Ihre Post - und verlosen unter allen Einsendungen zehn Familien-Tageskarten für den Leipziger Zoo!

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.04.2014

Günter Rötzsch

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