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Lokales Alte Messe in Leipzig soll neues Verwaltungszentrum werden
Leipzig Lokales Alte Messe in Leipzig soll neues Verwaltungszentrum werden
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11:47 18.04.2018
So könnte die Nutzung des früheren Sowjetpavillons samt der benachbarten Messehalle 12 in Zukunft aussehen. Quelle: Grafik: Patrick Moye
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Leipzig

Die Stadt Leipzig will große Verwaltungseinheiten auf dem Areal der Alten Messe zusammenfassen. Als erster Schritt sollen etwa 450 Mitarbeiter des Jugendamtes in die historische Messehalle 12 ziehen. Das bestätigte Jugendamtsleiter Nicolas Tsapos gegenüber der LVZ. „Ziel ist, dass die ersten 100 Kollegen Anfang 2019 in die Büroetagen über dem neuen Stadtarchiv wechseln“, sagte er.

Zurzeit laufe ein Auswahlverfahren, um Bereiche mit wenig Publikumsverkehr für diesen Standort zu bestimmen. Hintergrund: Die 3100 Quadratmeter Büroflächen verteilen sich auf zwei Etagen, die über das neue Magazin des Stadtarchivs gebaut wurden. Sie sind zwar per Fahrstuhl zu erreichen, aber für Eltern mit Kinderwagen könnte das schwierig werden.

Möglichst bald solle dann die angrenzende Messehalle 12 saniert und umgebaut werden, um alle übrigen Bereiche der sogenannten Kernverwaltung des Jugendamtes aufzunehmen. Im Gegenzug werden Mietverträge in der Naumburger Straße, im Grünauer Ratzelbogen und im Rathaus Wahren nicht mehr verlängert. Von diesen drei Standorten ist nur das frühere Rathaus in Wahren eine kommunale Immobilie: Dorthin könnten anschließend alle städtischen Mitarbeiter aus dem Gohlis-Center umziehen, heißt es in einem „Zwischenbericht zur mittel- bis langfristigen Verwaltungsunterbringung“, der gegenwärtig in mehreren Fachausschüssen heiß diskutiert wird.

Das Papier, über das am Ende der Stadtrat entscheiden muss, hat es nämlich in sich. Bekanntlich sucht die Kommune seit längerer Zeit nach Lösungen, um 45 dezentrale Bürostandorte an möglichst wenigen, für die Bürgerschaft gut erreichbaren Orten zu konzentrieren. Es geht um rund 2000 Arbeitsplätze. Außer der Alten Messe kämen dafür im Grunde nur noch eine Neubebauung im Matthäikirchhof (das dort aktuell genutzte DDR-Bürohaus ist teilweise schon gesperrt) sowie auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz in Frage – oder eine Kombination aus diesen drei Standorten. In dem „Zwischenbericht“ wird aber nur eine einzige Variante als frei von erheblichen Nachteilen beschrieben: Die Zusammenfassung aller 2000 Jobs auf dem Areal der Alten Messe. Neben dem Hauptstandort in der City (aus Neuem Rathaus, Stadthaus und Otto-Schill-Straße 2) werde damit ein „neuer, konzentrierter Verwaltungsstandort geschaffen“. Der sei gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sowie in der Nähe von Technischem Rathaus, Sozialamt und weiteren Behörden in der Prager Straße gelegen. Außerdem lasse er sich stufenweise schaffen – passend zum Auslaufen alter Mietverträge – und bei einer Aufstockung der Verwaltung noch problemlos vergrößern.

Die jetzt anstehende Entscheidung zum Jugendamt dürfte folglich schon mehr als ein Fingerzeig für Leipzigs künftige Verwaltungszentren sein. Allerdings ist sie nicht unumstritten. So kritisiert CDU-Stadtrat Karsten Albrecht, die vorgesehene Kaltmiete von 9,20 Euro pro Quadratmeter für die Büroflächen über dem Stadtarchiv-Magazin sei zu teuer. „In Thekla gibt es ebenfalls passende Objekte, die rund zwei Euro günstiger wären.“

Mehrere Fraktionen stoßen sich daran, dass die Stadt mit dem Mietvertrag für die beiden Jugendamtsetagen zugleich noch eine Garantie für die Planungskosten bei der benachbarten Halle 12 abgeben soll. Das wären immerhin drei Millionen Euro. In der weitgehend ruinierten Halle 12 lagern heute die geschmückten Buden vom Leipziger Weihnachtsmarkt. Künftig sollen dort unter anderem ein dringend benötigtes Depot für die städtischen Museen, 350 Mitarbeiter des Jugendamtes sowie größere Flächen für Ansiedlungen im Bereich Lebenswissenschaften (wie Gesundheits- und Biotechnologiefirmen) unterkommen. Mit 24 000 Quadratmetern war diese Ausstellungshalle zur Eröffnung 1924 die größte auf Erden. Nun soll sie auf vier Etagen ausgebaut werden.

Den idealen Standort für die restlichen 1550 Arbeitsplätze sieht der „Zwischenbericht“ in der Messehalle 7, seit Jahren bekannt als Fußballarena Soccerworld. Doch dagegen laufen die Grünen Sturm. „Die Überlegung, die Messehalle 7 für die Verwaltung zu nutzen, hätte beileibe nicht ausschließlich Vorteile, wie die Verwaltungsspitze in ihrer Abwägung suggeriert“, protestiert ihr sportpolitischer Sprecher und Stadtrat Michael Schmidt. Für viele Vereine, Kinder, Jugendliche und Freizeitsportler sei die Soccerworld die einzige erschwingliche Möglichkeit, in der kalten Jahreszeit Fußball zu spielen. „Statt solch ein Angebot ersatzlos zu streichen oder schlechte Varianten gegeneinander abzuwägen, sollte besser eine neue Standortsuche beginnen“, fordert er.

Eigentümer des Areals der Alten Messe ist die städtische Gesellschaft LEVG. Deren Geschäftsführer Reinhard Wölpert wünscht sich vor allem eine schnelle Entscheidung zu den zwei Büroetagen über dem Stadtarchiv. „Wir können dort schon seit einiger Zeit nicht weiterbauen, weil die Entscheidung noch nicht gefallen ist.“ Dabei sei das darunter befindliche Magazin fast fertig, solle im Juli oder August der Umzug des Stadtarchivs in den frisch sanierten Sowjetpavillon beginnen. Die 9,20 Euro Kaltmiete seien für neu erbaute Büroflächen in dieser Lage nicht teuer. In etwa zehn bis 15 Jahren müsste die Halle 7 ohnehin baulich erneuert werden, sodass ein langfristiger Erhalt der Soccerworld nicht garantiert werden könne. Laut Wölpert würde es auf dem 50 Hektar großen Gelände noch genug andere Flächen für einen modernen Verwaltungsneubau in ähnlicher Größe geben. „Dazu hatte der Stadtrat aber beschlossen, diese Flächen ausschließlich für weitere Ansiedlungen im Bereich Lebenswissenschaften zu nutzen.“ Zum Beispiel starte der Freistaat Sachsen im April den Bau eines Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (Idiv) – genau gegenüber der Halle 12.

Von Jens Rometsch

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