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Alte Post - einstiger Prachtbau in Leipzig-Mockau verfällt weiter

Alte Post - einstiger Prachtbau in Leipzig-Mockau verfällt weiter

Der Begriff Wutbürger könnte auf zahlreiche Mockauer zutreffen. Ihre Empörung und ihr Unverständnis entzünden sich am einstigen Wahrzeichen des Stadtteiles im Leipziger Nordosten, dem Neorenaissance-Gebäude der einstigen Mockauer Post.

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Die frühere Mockauer Post, einstmals das architektonische Schmuckstück des Stadtteils. Die Gegenwart allerdings sieht trostlos aus.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Es ist eine Schande, wie dieser Prachtbau verfällt", schimpft Walter Wrzesniewski aus der Döringstraße.

"Die Sanierung sollte schon im Frühjahr 2008 beginnen, wie die Eigentümerin Bianca Haubold damals in der LVZ verkündete. Doch bis heute ist nichts geschehen", regt sich auch Monika Kulpa aus der Friedrichshafner Straße auf. Wolfgang Krug, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, bedauert ebenfalls, dass "dieses architektonische Kleinod, eine wunderschöne Immobilie, dem Verfall preisgegeben ist". Zuletzt redete sich die Stadtverwaltung damit heraus, dass sie der Eigentümerin ja nicht vorschreiben könne, was und wann sie in das Gebäude investieren will.

Bianca Haubold, Vorstand der Immobiliengesellschaft Blaufalk AG, wäscht ihre Hände unterdessen in Unschuld, sieht den Schwarzen Peter für das jahrelange Verschleppen des Baustarts bei der Leipziger Stadtverwaltung. "Wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Balkonanlage auf der Rückseite des Gebäudes und zweier Zufahrten mussten wir Klage beim Verwaltungsgericht einreichen", erläutert die Immobilienexpertin auf Anfrage. "Seit zwei Jahren warten wir sehnsüchtig auf eine Entscheidung des Gerichtes und auf die damit verbundene Baugenehmigung", sagt die aus dem bayerischen Erding stammende Geschäftsfrau. Das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege gibt derweil lieber keine Stellungnahme ab. "Zu laufenden Verfahren äußern wir uns grundsätzlich nicht", verlautet aus der Behörde.

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Leipzig. Der Begriff Wutbürger könnte auf zahlreiche Mockauer zutreffen. Ihre Empörung und ihr Unverständnis entzünden sich am einstigen Wahrzeichen des Stadtteiles im Leipziger Nordosten, dem Neorenaissance-Gebäude der einstigen Mockauer Post. "Es ist eine Schande, wie dieser Prachtbau verfällt", schimpft Walter Wrzesniewski aus der Döringstraße.

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Das 1916 nach Entwürfen des Architekten Alfred Spaete an der Mockauer/ Ecke Essener Straße entstandene Bauwerk mit seinen prachtvollen Erkern und filigranen Giebeln beherbergte bis 1993 die wichtigste Postfiliale im Nordosten von Leipzig. "Dann machte eine auf Mallorca ansässige Erbengemeinschaft Rückübertragungsrechte geltend", schildert Reinhard Richter aus dem Stadtplanungsamt. Und diese Erben boten schließlich das denkmalgeschützte Gebäudeensemble in einer Berliner Immobilienauktion zum Verkauf an, bei der Bianca Haubold den Zuschlag erhielt.

Die Baupläne der Bayerin sahen vielversprechend aus. Von Anwaltpraxen war die Rede, Drei-, Vier- und Fünf-Raum-Wohnungen sollten entstehen, auch ein Restaurant mit Freisitz, eine Eingangspassage und eine Ladenzeile. Die Helma Eigenheimbau AG aus dem niedersächsischen Lehrte hatte angeblich den Auftrag schon in der Tasche und saß in den Startlöchern. Doch nichts passierte.

Dann neue Hoffnung. Das Senioren- und Krankenpflegezentrum Krabbes aus der Lidicestraße wollte als Mieter einsteigen, die Mockauer Post in eine Oase der Altenpflege verwandeln. In den oberen Etagen betreutes Wohnen, im Erdgeschoss Tagespflege für Senioren. Aber die Blaufalk AG und das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege fanden nicht zu einer für beide Seiten zumutbaren Lösung. "Was wir sehr bedauert haben", konstatiert Chri-stoph Herzog vom Pflegedienst-Unternehmen Krabbes. Mit Klaus Nauber stand bereits ein Leipziger Architekt in der Spur, der die Sanierung und den Umbau des 97 Jahre alten "Schmuckstückes", wie er betont, denkmalgerecht voranbringen wollte. Das Gerichtsverfahren freilich bremste alle aus, überließ das Kleinod der Verwitterung.

Tatsächlich ist der Zustand des Hauses alarmierend. Undichte Dachrinnen führten zu massiven Wasserschäden an der Bausubstanz. Und die werden von Tag zu Tag schlimmer. Architekt Nauber fürchtet schon einen Millionenschaden. Und er steht mit seiner Meinung nicht allein. Geradezu grotesk wächst direkt neben dem verfallenden früheren Mockauer Architektur-Leuchtturm ein fulminanter Neubau der Drogeriekette Rossmann in die Höhe. Widersprüchlicher und zugleich beschämender könne die Szenerie nicht sein, finden viele alteingesessene Mockauer.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.11.2013

Gießler, Günther

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