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Lokales Alter Postbahnhof soll zur Flüchtlingsherberge werden
Leipzig Lokales Alter Postbahnhof soll zur Flüchtlingsherberge werden
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00:34 17.08.2015
Michael Fischer-Art (rechts) und Ulf Graichen von der CG-Gruppe bringen den Alten Postbahnhof (im Hintergrund) als Unterkunft für die ständig wachsende Zahl von Flüchtlingen ins Gespräch, die in Leipzig untergebracht werden müssen. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Sein Vorschlag: Der Alte Postbahnhof an der Leipziger Rohrteichstraße soll als Flüchtlingsunterkunft hergerichtet werden.

"Nach einer UN-Statistik sind weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht", sagt Fischer-Art und ist sich sicher: "Die großen Krisenherde wie Syrien, Irak und das Kurden-Gebiet werden uns noch jahrelang immer mehr Flüchtlinge bescheren." Die Entscheidung des Freistaates, die Grube-Halle als Unterkunft für 500 Asylbewerber zu nutzen, geht ihm aber zu weit. "Viele Leute sehen das ähnlich - aber sie trauen sich nicht, das auch auszusprechen", meint er. "Aus Angst, dass sie dann in die Nazi-Ecke gestellt werden. Aber wir müssen darüber diskutieren."

Deshalb hat sich Fischer-Art selbst ans Telefon gesetzt und zwei, drei Firmenchefs angerufen, um nach Alternativstandorten für die Grube-Halle zu suchen. Bei Christoph Gröner, Chef der Immobilienfirma CG-Gruppe, wurde er fündig: Gröner hat vor einigen Monaten das Areal des alten Leipziger Postbahnhofs an der Rohrteichstraße gekauft und ist bereit, es für die Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung zu stellen.

Fischer-Art ist von diesem Vorschlag begeistert. "Leipzig kann den steigenden Flüchtlingszahlen nicht ständig hinterher rennen, die Stadt braucht einen großen Wurf", sagt er. Es müsse "eine langfristige Lösung" her, die für die Flüchtlinge bessere Bedingungen bringt und die Stadt vor Verwerfungen schützt.

Das alte Postareal könne in mehreren Ausbaustufen als Unterkunft hergerichtet werden; eine vorhandene große Stahlbeton-Halle nördlich der Konrad-Adenauer-Allee könne innerhalb eines Vierteljahres so weit vorbereitet werden, "dass die Flüchtlinge bis Weihnachten die Ernst-Grube-Halle verlassen können". Es sei möglich, Trockenbauwände zu errichten und auf diese Weise menschenwürdige Zimmer für die Asylbewerber zu schaffen. "Auch eine Tischlerei oder eine Schlosserwerkstatt könnten dort leicht aufgebaut werden, damit die Leute den Alten Postbahnhof unter Anleitung für sich selber ausbauen können. Insgesamt könnten dort 2500 bis 5000 Asylbewerber untergebracht werden. Damit wäre die Unterbringung der in Leipzig ankommenden Flüchtlinge in den nächsten fünf bis zehn Jahren zu lösen."

Der Künstler plädiert auch dafür, in Leipzig einen "Runden Tisch Asyl" zu bilden, der ähnlich wie der Runde Tisch Demokratie im Jahr 1989 arbeiten sollte. Neben Oberbürgermeister Burkhard Jung sollte dort die Landesregierung vertreten sein, ebenso Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping, die Bildungsagentur und Hilfsorganisationen wie die Malteser, die Johanniter und das Rote Kreuz. "Auch zwei oder drei Bildungsträger sollten dabei sein, damit die Flüchtlingskinder Deutsch lernen oder eine Ausbildung erhalten". Ein solcher Runder Tisch solle eng mit großen Arbeitgebern wie Porsche, BMW oder DHL zusammenarbeiten, "um für die Flüchtlinge schnellstmöglich Beschäftigung zu organisieren".

Fischer-Art betont, das er weltweit aktiv ist und in vielen Ländern Freunde hat. "Aber die Entscheidung, die Grube-Halle für Flüchtlinge zu nutzen, sät nur Unfrieden zwischen den Asylbewerbern und uns Einheimischen", sagt er. "Hinter den Sportvereinen, die jetzt auf ihre Halle verzichten müssen, stehen unheimlich viele Familien, die sich in den vergangenen Jahren persönlich stark engagiert haben, um die Halle und den Vereinssport am Leben zu halten. Die werden jetzt alle vor den Kopf gestoßen." Seine Befürchtung: "Das bringt den Flüchtlingen nichts. Die merken doch, dass die Leute sie deshalb hassen." Er selbst habe schon von Plänen gehört, in Leipzig drei bis vier weitere Schulsporthallen zu sperren und für die Unterbringung von Asylbewerbern zu nutzen. "Das kann nicht wahr sein. So lösen wir das Problem nie", glaubt er.

Aus seiner Sicht hätte der Freistaat ganz anders vorgehen sollen: "Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich oder Innenminister Markus Ulbig hätten in Leipzig privat Leute und Firmen aufrufen müssen, ihre freien Immobilien für die Unterbringung zur Verfügung zu stellen und herzurichten", sagt er. Es gebe in Leipzig mehr als genug ungenutzte Flächen, die sich dafür eignen würden. Zum Beispiel das Kaufhaus Heldt, das Stadtbad oder leere Hallen von Spediteuren. "In dem Aufruf hätte auch an die Leipziger appelliert werden müssen, bei der Betreuung der Flüchtlinge zu helfen. Ich wette, es würden sich sehr viele melden." Stattdessen werde "in einem Willkürakt" die Ernst-Grube-Halle gesperrt, die für die Unterbringung von Asylbewerbern völlig unzureichende Möglichkeiten biete und anschließend teuer saniert werden müsse, um sie wieder als Sporthalle nutzen zu können. "Das ist Vergeudung von Steuermitteln", wirft er den Entscheidern in Dresden vor.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.08.2015
Andreas Tappert

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