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Leipzig Lokales Am Leipzig-Kolleg können Erwachsene das Abitur nachholen
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00:18 05.05.2017
Seit mittlerweile 25 Jahren bietet das Leipzig-Kolleg Erwachsenen die Chance, das Abitur nachzuholen. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig


Das Leipzig-Kolleg ist ein Gymnasium der besonderen Art. Es richtet sich an Erwachsene, die bereits im Berufsleben gestanden haben, und führt sie zur allgemeinen Hochschulreife. „Unsere Studierenden sind im Schnitt 24, 25 Jahre alt“, weiß Schulleiter Andreas Kesselhut. Einige seien auch schon über 30, die meisten jedoch Anfang 20. Je nach Art und Qualität des Schulabschlusses sowie dem Ergebnis einer möglichen Aufnahmeprüfung können sie das Abitur nach drei oder vier Jahren erlangen. Um diesen zweiten Bildungsweg beschreiten zu dürfen, müssen Interessenten allerdings drei Voraussetzungen erfüllen: „Mindestens 19 Jahre alt, Haupt- oder Realschulabschluss, zwei Jahre Berufstätigkeit“, fasst Kesselhut prägnant zusammen, erzählt zudem von langen Wartelisten, die es noch vor wenigen Jahren für die vorbereitenden Klassenstufen gegeben habe.

Über 1200 bestandene Abiturprüfungen

Seinen Ursprung hat die staatliche Schule in der Wendezeit. Direktor Kesselhut war federführend daran beteiligt, als sie 1992 als eine der ersten Einrichtungen ihrer Art in den östlichen Bundesländern ins Leben gerufen wurde: „Wir starteten damals mit vier Klassen in Grünau. Da war alles noch sehr familiär.“ 1999 erfolgte der Umzug an den heutigen, mittlerweile vierten Standort in Czermaks Garten. Seit der Gründung wurden insgesamt mehr als 1200 Abiturprüfungen bestanden. Allein im vergangenen Schuljahr konnten etwa 90 Frauen und Männer ihre Zeugnisse mit nach Hause nehmen. „Unser Abi-Durchschnitt liegt bei 2,4 und ähnelt damit dem, der sachsenweit besteht“, zeigt sich Kesselhut zufrieden.

Der Unterricht findet von Montag bis Freitag in Vollzeit statt. Beginn ist um 7.30 Uhr, angesetzt sind immer Doppelstunden à 90 Minuten. Das Wissen wird nach den sächsischen Gymnasiallehrplänen vermittelt. Kesselhut: „Für uns gibt es da keine Sonderbestimmungen. Die Prüflinge legen dasselbe Abitur ab wie an anderen Gymnasien im Freistaat auch.“ Als Finanzspritze könne unter bestimmten Umständen BAföG beantragt werden. „Viele Studierende haben überdies einen Minijob, arbeiten abends oder am Wochenende“, so der Schulchef.

Ein Gebäude, zwei Schulen

Erwachsenenbildung verlangt einen spezifischen Zugriff. Diesem Umstand gerecht zu werden, darum bemüht sich der 36 Personen starke Lehrkörper. „Wir wollen das unbedingt theoretisch durchdringen“, sagt Deutsch- und Geschichtslehrerin Karin Thormann, die kurz nach der Gründungsphase an Bord kam. Doch wer besucht überhaupt das eigenständige Gymnasium? Von Seiten der Pädagogen heißt es, dass viele Studierende eine gebrochene Biografie haben, mithin den Eintritt als Neubeginn betrachten. „Manche wollen aber auch ihren Beruf einfach nicht mehr ausüben, weil er körperlich zu anstrengend ist. Sie versprechen sich durch das Abitur ein besseres Leben“, schildert Deutsch- und Englischlehrerin Ines Lewis und ergänzt: „Oder sie wollen ihren Eltern zeigen, dass sie den Abschluss doch hinbekommen.“

Das Schulgebäude, in dem bis 1947 das König-Albert-Gymnasium ansässig war und das von November 2009 bis Juni 2011 partiell saniert wurde, teilt sich das Kolleg im Übrigen mit dem Abendgymnasium. „Deshalb ist bei uns spätestens 16.30 Uhr Schluss. Denn 16.40 Uhr geht der Unterricht am Abendgymnasium los“, verrät Kunstlehrer Michael Frost, der zugleich gelernter Psychologe ist. Beide Bildungsstätten verfügen sowohl über einen eigenen Lehrkörper als auch eigene Schüler. „Nur die Räume sind eben die selben“, schmunzelt Frost.

Am 17. Juni begeht das Leipzig-Kolleg sein alljährliches Kolleg-Treffen, zu dem neben den derzeitig Studierenden auch wieder möglichst viele ehemalige Absolventen erwartet werden. „Das ist immer eine tolle Gelegenheit zu erfahren, wie es unseren Schulabgängern beruflich ergangen ist“, hebt Direktor Andreas Kesselhut hervor. In diesem Jahr ist der Anlass zum Feiern besonders groß. Schließlich steht der 25. Geburtstag an. „Gerade deshalb hoffen wir auf eine sehr gute Resonanz.“

Von Matthias Klöppel

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