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Ambulante Rheuma-Versorgung in Leipzig „katastrophal“

Bundesverbandschef warnt Ambulante Rheuma-Versorgung in Leipzig „katastrophal“

Der Bundesvorsitzende Ostdeutscher Rheumatologen, Matthias Weidnitzer, hat jetzt im sächsischen Sozialministerium Alarm geschlagen. Die Versorgung auf dem Gebiet der internistisch-rheumatologischen Betreuung sei aktuell „katastrophal“ – vor allem in Leipzig.

Wie ein Blitz durchfährt der Entzündungsschmerz bei Rheuma die Glieder bei einer Rheumaerkrankung. Nahezu 20 Millionen Deutsche sollen aktuell unter der Erkrankung leiden.

Quelle: medi cine

Leipzig. Die Versorgung bei der internistisch-rheumatologischen Betreuung ist „katastrophal“ – vor allem in Leipzig. Das konstatiert Matthias Weidnitzer, Bundesvorsitzender Ostdeutscher Rheumatologen und niedergelassener Facharzt in der Messestadt. Der Mediziner hat deshalb im sächsischen Sozialministerium Alarm geschlagen. Es müsse unverzüglich gehandelt, die Bedarfsplanung der Situation angepasst werden.

„Die in Leipzig niedergelassenen fünf Rheumatologen versorgen derzeit ein Gebiet von der Prignitz bis zum Vogtland, von Nordhausen bis Görlitz.“ Drei große Praxen seien derzeit dicht, eine in Sachsen-Anhalt, zwei in Sachsen – in Riesa und Meißen. „Jene Patienten, die teils körperbehindert, in jedem Fall aber am Bewegungssystem erkrankt sind, haben teils An- und Rückfahrtswege von bis zu sechs Stunden“, sagt Weidnitzer. „Allein in meiner Praxis hatte ich in den letzten Tagen 40 neue, auswärtige Patienten, obwohl schon unsere Stammpatienten aller Zuwendung bedürfen.“ Außer seiner Praxis hätten die Kollegen vor Ort zuletzt schon länger keine Termine mehr für 2015 vergeben – nur im Notfall. „Wir könnten in der Stadt noch mindestens zwei weitere niedergelassene Rheumatologen vertragen.“ Zumal es so wichtig sei, die Erkrankung schon im Anfangsstadium zu behandeln.

Die „grenzwertige Versorgung“ insbesondere mit den handverlesenen Rheumatologen in Deutschland sei nichts Neues, so der Facharzt. „Neu ist aber die extrem verschlechterte Situation in einem Gebiet, das in der DDR einst zu den Leuchttürmen der Rheumatologie gehörte.“ Die seinerzeit komplexe Betreuung mit dem universitären Zentrum in Leipzig am Medizinisch-Poliklinischen Institut, den Bezirks- und Kreisrheumatologen und dem Rheumastaatsbad Bad Elster habe europaweit Anerkennung genossen.

Die großen Krankenkassen hätten die jetzige Misere nun zwar auf dem Schirm, seien dabei, eine Vielzahl neuer Rheumaversorgungsverträge abzuschließen. Was die bringen werden, sei aber noch fraglich. Dringend nötig sei nun Hilfe auf Landesebene, flankiert von einer grundsätzlichen, neuen Bedarfsplanung, so Weidnitzer.

Ursache für die schlechte Versorgung sei unter anderem die oft fehlende Kooperation zwischen Hausärzten und Rheumatologen. Des Weiteren gebe es einen Mangel an niedergelassenen, konservativ tätigen Orthopäden. Deren Praxen kauften große Kliniken vermehrt auf und nutzten sie dann eher zum Füllen ihrer Kliniken und Operationssäle – auch in Leipzig. „Die international höchsten Operationsraten hier zu Lande“ seien zwar den Verantwortlichen klar, dagegen tun würde aber niemand etwas. Dabei müssten Orthopäden und Rheumatologen zwingend gemeinsam am Patienten arbeiten. „Wie aber, wenn es den konservativen Orthopäden immer weniger gibt? Wenn also hier weitere verlängerte Werkbanken als ,Orthopädie-Praxen‘ der großen Kliniken generiert werden, ist dies extrem schlecht für die Versorgung der Leipziger Patienten“, denkt Weidnitzer. Hier seien jetzt das Dresdner Sozialministerium (SMS) und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) als Weichensteller gefordert.

Nicht zuletzt falle seiner Berufsgruppe die aktuelle Bedarfsplanung auf die Füße, der zufolge keine neuen Rheumatologen regulär zugelassen werden könnten. „Es geht nur über den irrsinnig komplizierten Weg eines so genannten Sonderbedarfs: Antrag stellen – und dann liegt das Ergebnis in der Hand des Allmächtigen!“, moniert Weidnitzer.

Die Rheumatologen wurden einst der Fachgruppe der Internisten zugeordnet, wo sie laut Weidnitzer nur einen verschwindend geringen Prozentsatz ausmachen. „Aufgrund des für diese Fachgruppe in Leipzig bestehenden Versorgungsgrades von 236,9 Prozent ist dieser Planungsbereich wegen Überversorgung gesperrt, sind neue Zulassungen von Fachärzten für Innere Medizin – egal mit welchem Schwerpunkt – ausgeschlossen“, heißt es denn auch auf Nachfrage seitens der KV-Bezirksstelle. Die Feststellung des Versorgungsgrades basiere nun mal auf rechtlichen, bundesweiten Vorgaben, die festlegten, wie viele Vertragsärzte je Arztgruppe auf wie viele Einwohner kommen. Dabei werde bei den Fachärzten für Inneres nicht nach Schwerpunkten oder Zusatzqualifikationen wie Rheumatologie, Kardiologie oder Pneumologie differenziert, sagen KV und SMS. Das Sozialministerium könne keine anderslautenden Regelungen treffen, betonte Sprecherin Annett Hofmann. Jedoch habe der Gesetzgeber bereits 2011 die ärztliche Selbstverwaltung (also die KV) beauftragt, eine stärkere Differenzierung in der Bedarfsplanung zu entwickeln. Dies sei regional auch schon erfolgt. Wobei laut Hofmann die Bedarfsplanungsrichtlinie aber „auch ständig auf Weiterentwicklungsbedarf überprüft werde“.

Wie dem nun sei – aktuell sieht es auch laut KV in Leipzig tatsächlich nun so aus: Die rheumatologische Versorgung erfolgt in drei internistische Praxen mit fünf Fachärzten. Zudem seien neun niedergelassene Kollegen für Orthopädie beziehungsweise Orthopädie/Unfallchirurgie mit besagtem Schwerpunkt tätig. „Wobei da keine Aussage zum Umfang der rheumatischen Versorgung möglich ist.“ Ebenso könne die KV keine Aussage zur Entwicklung des Patientenaufkommens in puncto Rheuma in der Region treffen.

Von Angelika Raulien

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