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Amerikaner kaufen Nova Eventis – Sorgen in Leipzig

Viel Fläche, weniger Kaufkraft Amerikaner kaufen Nova Eventis – Sorgen in Leipzig

Zwei Finanzgesellschaften aus den USA sind die neuen Eigentümer des Einkaufsparks Nova Eventis vor den Toren Leipzigs. Der Verkauf an die Amerikaner dürfte erhebliche Investitionen für das Shopping-Center bringen - doch daran sind auch Sorgen gebunden.

Das Nova Eventis vor den Toren Leipzigs hat einen neuen Besitzer.

Quelle: Jens Rometsch

Leipzig. Gemessen an der Einwohnerzahl hat Leipzig schon jetzt besonders viel Verkaufsfläche in Shopping-Centern. 0,31 Quadratmeter stehen jedem Messestädter in verschiedenen Malls zur Verfügung – dabei ist der Gigant Nova Eventis vor den Toren Leipzigs noch nicht mal einberechnet.

Deutschlandweit fällt nur im Stadtgebiet von Frankfurt/Main (0,37) und Berlin (0,32) das Angebot der Einkaufsparks rein flächenmäßig noch größer aus. Die Leipziger verfügen jedoch über eine deutlich niedrigere Kaufkraft als die Bewohner der Metropolen an Main und Spree. Folglich dürfte es den hiesigen Einzelhandel alles andere als kalt lassen, dass er jetzt mit einer neuen Offensive von der Grünen Wiese rechnen muss. Grund: Die EU-Kommission hat soeben den Verkauf des Shopping-Centers Nova Eventis, das kurz hinter der Stadtgrenze in der Gemeinde Leuna steht, genehmigt.

Erwerber sind zwei Gesellschaften aus den USA: die Ares Management aus Los Angeles sowie die Baupost-Group aus Boston. Diese verwalten jeweils ein Milliardenvermögen. Baupost gilt sogar als einer der größten Hedgefonds der Welt.

Einer der größten Hedgefonds weltweit

Wegen „der begrenzten Auswirkungen auf die Marktstruktur“ hegte die europäische Wettbewerbsbehörde jedoch keine Bedenken dagegen, dass die Amerikaner das 500-Hektar-Areal mit 76.000 Quadratmetern Verkaufsfläche vom britischen Immobilienimperium Stenham Properties erwerben, teilte die EU-Kommission weiter mit. Erst vor einem Monat hatte die LVZ exklusiv berichtet, dass die Briten das Center für 200 Millionen Euro verkauft haben. Wer – unter mehreren Bewerbern – den Zuschlag erhielt, wurde damals noch nicht bekannt. Und der Betreiber ECE wollte sich nicht äußern, bevor die Wettbewerbsbehörden gesprochen haben.

Letzteres galt auch noch am Donnerstag fort. Center-Manager Peter Lehnhardt bat um Verständnis, dass man zu dem Verkaufsprozess derzeit nichts sagen könne, weil dieser „noch im Rollen“ sei. Gleiches gelte für die Zukunftspläne des Betreibers ECE an dem Standort neben der Autobahn 9. Nova Eventis befinde sich aktuell „in einer Findungsphase, in der natürlich vieles überdacht wird“, erklärte er. Es werde gewiss nicht mehr lange dauern, bis zu den bevorstehenden Änderungen umfassend informiert werden kann.

Vor genau zehn Jahren war die letzte große Modernisierung für etwa 180 Millionen Euro abgeschlossen worden – und damit aus dem früheren Saalepark das heutige Nova Eventis geworden. Bei einem Besuch gestern vor Ort waren zwar draußen fünf Kräne zu sehen, die sich derzeit für die Erweiterung des Möbelhauses Höffner drehen. Mehr als 20 der etwa 200 Ladenflächen auf zwei Etagen standen jedoch augenscheinlich leer. Außer dem Discounter Aldi gibt es keinen Lebensmittel-Supermarkt. Die Zukunft des Kinos UCI sowie des riesigen Zweiradcenters Stadler an dem Standort ist bekanntlich alles andere als gesichert.

Elf Milliarden Euro Kaufkraft pro Jahr

In Leipzigs Handelsbranche wird allgemein erwartet, dass der neue Eigentümer Nova Eventis deutlich verändern und wahrscheinlich auch vergrößern will. Seit längerer Zeit arbeitet die Stadt Leuna an einem Flächennutzungsplan für die beiden Ortslagen Günthersdorf und Kötzschlitz, zu deren Gemarkungen das Center gehört. Aus Sicht des Leipziger Rathauses soll dieser Plan einer Flächen-Vergrößerung dienen. Das lehnte bisher die Messestadt als Nachbar kategorisch ab, Leuna zeigte sich davon unbeeindruckt.

Tatsächlich haben auch Leipzigs Shopping-Center seit der Geburt von Nova Eventis nicht gerade nachgelassen, sondern geklotzt. Mitten in der City öffneten vor fünf Jahren die Höfe am Brühl, welche ihre Verkaufsfläche mit 27.500 Quadratmetern angeben. Ebenfalls zur französischen Unibail-Rodamco zählt das kürzlich runderneuerte Paunsdorf Center – mit 115.000 Quadratmetern Verkaufsfläche ist es das drittgrößte Center Deutschlands. Hinzu kommen viele rührige Mittelgroße wie das Löwen-Center in Burghausen (41.500 Quadratmeter Mietfläche), das Grünauer Allee-Center (24.000), der Sachsenpark in Seehausen (38.590), Promenaden Hauptbahnhof (30.000), etliche Stadtteilzentren oder der Petersbogen (9200). Laut Michael Siebert vom Einzelhandelsvermittler JLL wäre es für die schnell wachsende Messestadt gut zu verkraften, wenn Nova Eventis sich deutlich vergrößert. „Die Leipziger Innenstadt ist mittlerweile so stark, dass sie das Umland dominiert - und nicht mehr umgekehrt.“ Jedes Center müsse sich nach einer gewissen Zeit neu erfinden, um für die Besitzer der elf Milliarden Euro Kaufkraft pro Jahr in der Region Leipzig attraktiv zu bleiben.

Robert Nößler und Jens Rometsch

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