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An fremden Tischen: Neu-Leipziger lernen sich beim Blind-Date in der Küche kennen

An fremden Tischen: Neu-Leipziger lernen sich beim Blind-Date in der Küche kennen

Neuer Job, neue Stadt, neue Freunde: Ein Ortswechsel bringt viele Veränderungen mit sich. Wer würde da nicht gerne neue Leute kennenlernen? Die Internetplattform „Cookasa“ führt deutschlandweit Menschen am Kochherd zusammen.

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Madalena ist an diesem Abend für den Salat zuständig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Wir waren bei einer Leipziger Blind-Date-Runde zu Gast.

Eine sanierte Wohnung in Leipzig-Reudnitz, mit Loggia, offener Küche und Wodkaflaschen-Sammlung. Es stehen vier Menschen im Kreis, die sich kurz und unaufgeregt mit Namen vorstellen. Keiner kennt sich, alle sehen sich zum ersten Mal – und sie haben sich zum Kochen verabredet.

„Cookasa“ heißt die Internetplattform, auf der sich Kochbegeisterte anmelden können, um dann eine Art „Perfektes Dinner“ nachzustellen, nur ohne TV-Übertragung. Wer sich für den Kochabend in der Wunschstadt angemeldet hat, dem werden Ort und Aufgaben zugeteilt. Ein Gastgeber stellt seine Küche zur Verfügung, andere denken sich das Rezept aus und gehen einkaufen. Gekocht wird in Teams und abgewaschen wird auch gemeinsam.

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Leipzig. Neuer Job, neue Stadt, neue Freunde: Ein Ortswechsel bringt viele Veränderungen mit sich. Wer würde da nicht gerne neue Leute kennenlernen? Die Internetplattform „Cookasa“ führt deutschlandweit Menschen am Kochherd zusammen. Wir waren bei einer Leipziger Blind-Date-Runde zu Gast.

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Heutiger Leipzig-Gastgeber ist David. Der große, rotblonde Mann mit Brille begrüßt seine Gäste. „Ich habe schon fünfmal mitgemacht, meine Küche stelle ich aber zum ersten Mal zur Verfügung“, erzählt er. Aron und Magdalena sind das Team, das für das Essen zuständig ist. „Wir haben gestern Abend per SMS ausgemacht, was wir kochen wollen und uns dann für heute zum einkaufen verabredet“, sagt Aron. Er ist 31 Jahre alt und wie so ziemlich alle hier relativ neu in Leipzig. Cookasa habe er schon einmal in Hamburg ausprobiert. Das habe ihm so viel Spaß gemacht, dass er die Chance zur Vernetzung auch in Leipzig testen wollte.

Aron wäscht schon mal das Hühnchen und schneidet es vorsichtig in Streifen. Er koche schon gern, erzählt der Materialwissenschafter, der am Leibnitz-Institut arbeitet. „Aber am Feierabend doch selten, so viel Zeit bleibt meist nicht.“ Die für heute zugeteilte Chefköchin Ricarda übernimmt das Küchen-Kommando. Die 35-jährige mit den kurzen blonden Haaren ist die einzige in der Runde, für die der Abend eine Premiere ist. Übers Internet hat sie von der Aktion erfahren und sich fürs Event eingetragen. Seit Mai wohnt sie in der Messestadt, auch sie kocht gern und will hier neue Menschen treffen.

Hähnchenbrust mit Spinat- und Feta-Soße

Die Einkäufe werden ausgepackt, sortiert und die Kassenbelege gesammelt – das Geld wird durch die Anzahl der Teilnehmer geteilt. Nur der Gastgeber darf die Zeche prellen. Für etwas mehr als acht Euro pro Person kocht das Team jetzt Hähnchenbrust mit Spinat- und Feta-Soße und bereitet den Reis sowie Salat zu. Viel diskutiert wird nicht. Fast routiniert wirkt die Arbeit der drei in der Küche, die Hand in Hand verschiedene Aufgaben übernehmen.

Die 24-jährige Magdalena kommt ursprünglich aus Polen, hat eine Zeit lang in Leipzig gewohnt und arbeitet jetzt als Chemie-Ingenieurin in Halle. Für den Kochabend wechselt sie aber gern noch einmal die Nachbarstadt, zum dritten Mal ist sie dabei. „Es ist so spannend, jedes Mal neue Leute zu treffen, du weißt nicht was passiert.“ Das sei ein großer Spaß sagt sie und schneidet eifrig Tomaten für den Salat. Gastgeber David schenkt unterdessen fleißig Weißwein aus. Schon beim Kochen wird angestoßen, die Stimmung ist zunehmend ausgelassen. Fragen wie „Was arbeitest du so und seid wann lebst du in Leipzig?“ gehen durch die Runde – neben Spinat verlesen und Zwiebeln schneiden, lernt es sich etwas ungezwungener kennen.

„Ich hatte anfangs ein bisschen Bammel, dass es komisch wird“, gesteht David. „Aber eigentlich sind die Leute immer sehr entspannt.“ Der Programmierer, ebenso noch neu in Leipzig, entdeckte „Cookasa“ bei Facebook. Seitdem hat er schon an einigen Runden mitgemacht, Spaß hatte er immer. „Es sind auch schon viele Freundschaften dadurch entstanden.“ Die Kombination aus neuen Leuten und Kochen gefiel ihm so gut, dass er auch andere Modelle ausprobiert hat. „Auf Haxe“ heißt ein ähnliches Prinzip. Auch hier lernen sich fremde Menschen übers Kochen kennen. In Zweier-Teams bereiten sie Vor-, Haupt-, oder Nachspeise zu. Aber hier gibt es nicht nur einen Gastgeber, sondern drei Gänge werden auch in drei verschiedenen Wohnungen verspeist – quasi als Küchentour der Mitglieder.

Live bei Facebook

Chefköchin Ricarda holt ihr Smartphone aus der Tasche und ruft: „Alle mal lächeln!“ Das Foto lädt sie direkt in eine Facebook-Gruppe – eine weitere zugeteilte Aufgabe: die Dokumentation des Abends. Bei „Cookasa live“ werden Eindrücke des Abends geteilt. Parallel zu Leipzig findet der Kochevent noch in Karlsruhe, Hamburg und Bremen statt. Alle Teilnehmer der verschiedenen Städte teilen ihre Eindrücke, Rezepte und natürlich Fotos, die zeigen wie das fertige Essen dann aussieht. Kurz nach 20 Uhr wird in Leipzig noch immer gekocht. Pilze werden zum Reis gereicht, ein polnisches Geheimgewürz von Magdalena kommt an das Hühnchen, der Hunger nimmt zu, und zumindest riecht es schon mal sehr gut.  Bis 21 Uhr ist der Abend heute angesetzt. David weiß aber: „In der Regel wird es länger.“

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Richtig tafeln: Dieses Quartett sitzt zum ersten Mal gemeinsam am Tisch.

Quelle: Dirk Knofe

„After Work“ ist das Motto des Abends. Nur ein Gericht und keine ausschweifende Koch- und Trinkrunden. Morgen ist ja schließlich wieder Arbeiten angesagt. Etwas anders läuft es beim „Classic“-Modell von „Cookasa“. Drei Teams kümmern sich um je einen Gang. Da darf der Abend dann auch etwas länger dauern und das Essen der Hobbyköche von anderen bestaunt werden. Doch David findet: „Es geht nicht darum, ein tolles Fünf-Gänge-Menu zu kochen, sondern einander kennenzulernen und einfach einen schönen Abend zu haben.“ Dass jemand dabei war, der so gar nicht kochen konnte, hat er bisher noch nicht erlebt.

Alles begann sprichwörtlich mit einer Schnapsidee. Die beiden Freunde André Wollin und Kersten Scholz beschlossen in einer Bremer Bar, fremde Menschen zum Kochen einzuladen. Daraus wurde das Unternehmen „Cookasa“, was vor etwas mehr als einem Jahr gegründet wurde. Inzwischen gibt es die Events in 21 deutschen Städten, darüber hinaus in Amsterdam, Wien und Zürich, Tendenz wachsend. Melden sich mehr als acht Leute für einen Abend an, wird die Runde auf zwei oder mehrere Küchen aufgeteilt. Auch Davids Wohnung ist heute nicht der einzige „Cookasa“-Ort in Leipzig. Zum ersten Mal werden hier zwei Küchen gleichzeitig in Beschlag genommen.

Kurz nach acht ist es dann soweit: David deckt den Tisch, die Köche servieren das Essen. Das gemeinsame Kochen hat die Atmosphäre gelockert, alle freuen sich auf das Hühnchen und sind auch ein bisschen stolz und gespannt, ob es wohl allen schmeckt. Zum Anstoßen wird inzwischen die dritte Flasche Weißwein geköpft: Es verspricht ein noch guter Abend zu werden.

Der Text ist zuerst im LVZ sonntag, dem digitalen Magazin für den Tablet PC erschienen. Das neue Ausgabe erscheint am 22.2.

Sophie Rust

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