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Lokales Anet Franke – Helferin beim Hospiz-Verein Leipzig
Leipzig Lokales Anet Franke – Helferin beim Hospiz-Verein Leipzig
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00:20 15.08.2018
Bleiben miteinander verbunden: Angela Helmers vom Hospiz-Verein Leipzig, Begleiterin Anett Franke und Mathias Lohde mit seinem Sohn Fritz – hier im Garten des Hospiz-Vereins. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Ehrenamtler bilden das Rückgrat der Gesellschaft. In ihrer Freizeit arbeiten sie als Jugendtrainer, geben Schülern Nachhilfe, lesen Kindern Geschichten vor, unterstützen Senioren oder engagieren sich in Flüchtlings-Unterkünften. Die LVZ-Serie porträtiert diejenigen, die das Leben anderer besser machen. Heute: Anet Franke, die ehrenamtlich im Hospiz-Verein Leipzig arbeitet.

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Hoffnung und Trotz lagen lange dicht beieinander. Auch um der Angst weniger Platz zu lassen. Deshalb sprach Anja Werner den schweren Satz sehr spät aus. „Mathi, wir schaffen das nicht.“ Nie wird ihr Mann Mathias Lohde die Situation vergessen. Genauso aber bleibt bei ihm der Rückhalt haften, den er, seine Frau und ihr gemeinsamer Sohn Fritz durch den Hospiz Verein Leipzig bekommen haben. Denn Lohde wusste, dass er sich seelisch stützen konnte – neben dem Freundeskreis gab es ja noch Anet Franke. „Es tat wahnsinnig gut, dass sie für uns da war“, sagt er rückblickend.

Begleiter mit unterschiedlichsten Hintergründen

Seit 18 Jahren engagiert sich die 53-Jährige für den Verein, der Menschen in ihrer letzten Lebensphase begleitet. Jeder der momentan rund 70 ambulanten Ehrenamtlichen kümmert sich um die Familien, ergänzt die Unterstützung durch Pflegedienste und Ärzte sowie ambulante Palliativteams. Alle Hospizbegleiter haben die selbe soziale Motivation – und dabei unterschiedlichste berufliche Hintergründe. „Darunter sind zum Beispiel Akademiker, Musiker, Handwerker, Studenten oder Rentner“, zählt die hauptamtliche Hospiz-Koordinatorin Angela Helmers auf.

Oder eben Menschen wie Franke, Teamleiterin im Stammhaus des Freien Kindergartens Leipzig. „Ich hatte schon immer das Interesse und den Wunsch, Menschen in schwierigen Lebensphasen zu helfen“, sagt sie – in genau der Art, die charakteristisch scheint für ihren Umgang mit ihrer Umgebung, dem Job, dem Leben und auch dem Sterben: Franke vermittelt sowohl Herzenswärme als auch einen gesunden Pragmatismus. Ein Mensch mit intaktem Emotionshaushalt und der Sachlichkeit eines Außenstehenden, die Kranken oder deren Angehörigen Ruhe und Orientierung gibt.

“Man bekommt schnell ein Gefühl dafür, wer sich eignet“

Gute Voraussetzungen für eine Mitarbeit im Hospiz. Interessenten für den ambulanten Dienst werden von Angela Helmers zunächst zu einem Gespräch eingeladen. „Man bekommt so ein gutes Gefühl dafür, wer sich für dieses Ehrenamt eignet“, erklärt sie. Wichtig sind psychische Stabilität und Bodenständigkeit, Empathie, gute Selbsteinschätzung und Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen. Im folgenden intensiven Vorbereitungskurs wird das in rund 125 Stunden geschult; zusammen mit Fachwissen zu Themen wie Kommunikation, Trauer, Schmerzbegleitung und Patientenverfügung. Mit diesem Hintergrund und ihrer Lebenserfahrung hat Franke viele Sterbende und ihre Familien begleitet. Eine Verbindung auf Zeit. Eine besondere Geschichte in ihrer Schwere, Tiefe und in ihrer positiven Kraft ist das, was sie mit Familie Werner/Lohde erlebte.

Mathias Lohde hatte bereits zwei heftige Verluste hinnehmen müssen: 2011 den Tod seiner Mutter, 2013 den seines Vaters. „Bei seiner Bestattung auf See klagte meine Frau über Schmerzen in der Brust“, berichtet er. Sohn Fritz war damals sechs Monate alt. Kurz darauf die Diagnose: Anja hatte Krebs. Rund zwei Jahre lang kämpfte sie, ließ Operationen und Chemo über sich ergehen und Hoffnungslosigkeit lange nicht zu. Doch es ging Anja zusehends schlechter, die Prognose war eindeutig; im Herbst 2014 zog Mathias die Hilfe vom Hospiz hinzu.

„Manche Begleiter hören Geschichten, die niemand kennt“

Wie hilft man in dieser Extremsituation? „Miteinander reden, einfach da sein und zuhören“, sagt Franke, „manchmal ist es das Erfüllen von Wünschen, Unternehmungen. Manchmal ist es Sitzwache halten – oder bloß den Einkauf abnehmen“. Den Begleiteten helfe es, nicht auf ihre Krankheit reduziert zu werden, sondern auch über andere Themen zu reden. Angela Helmers weiß: „Manche Ehrenamtliche hören während ihrer Begleitung Geschichten, die niemand sonst kennt.“

Lohde hatte durch die Hilfe auch die Möglichkeit, seinem Job bei der Bank weiter nachzugehen. „Organisatorisch und menschlich hat Anet uns vieles erleichtert“, so der 42-Jährige. Ein gute Fügung für das Paar, dass die Hospizbegleiterin den Sohn mit in ihre Kindergarten-Gruppe nehmen konnte. Rückblickend wechseln bei Lohde Tränen mit Schmunzeln, wenn er beschreibt, wie Anja vom Bett aus Anweisungen gab; wenn sie festlegte, was der kleine Fritz anziehen oder essen sollte.

„Es bereichert mich, wenn ich Menschen helfen kann“

Am 23. Januar 2015 haben die beiden geheiratet, nur drei Wochen vor ihrem Tod zog die Familie in das Haus von Mathias’ Eltern, auf Wunsch der Sterbenden. Im Juli 2015 hat Anja Werner, die ihrem nur 38-jährigen Leben noch mehr Monate abgetrotzt hatte als gedacht, losgelassen. Die beiden Zurückbleibenden wurden von Freunden und der Hospiz-Mitarbeiterin gestärkt. Die Abschiedsfeier empfand Mathias bei weitem nicht nur als traurig, sondern auch als fröhlich.

Ähnlich geht es der Ehrenamtlichen mit ihrer Tätigkeit. „Der ambulante Hospizdienst schenkt mir viel, wenn ich weiß, dass ich Menschen helfen konnte. Das bereichert mich sehr.“ Es gelingt ihr, das Erlebte zu Hause auszuziehen wie eine Jacke. Dabei hilft ihr regelmäßige Psychohygiene in Supervisionsgruppen.

Bis heute ist Anet Franke Fritz und seinem Vater verbunden – schon allein, weil Mathias den nun fünfjährigen Sohn täglich aus ihrer Gruppe abholt. Der Witwer hat seine Kraft wiedergefunden, seinen flinken Witz, seinen Humor. „Na klar“, sagt er, „anders geht’s doch nicht“, und streicht seinem Jungen über den Schopf.

Wer Unterstützung durch den ambulanten Hospizdienst wünscht oder sich ein ehrenamtliches Engagement vorstellen kann, melde sich im Hospiz Verein Leipzig unter der Nummer 0341 46371942). Wer sich generell für ein Ehrenamt interessiert, kann sich auf www.freiwilligen-agentur-leipzig.de informieren.

Von Mark Daniel

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