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Lokales Angebot halbiert, Preise explodieren: Häuslebauer haben es in Leipzig schwer
Leipzig Lokales Angebot halbiert, Preise explodieren: Häuslebauer haben es in Leipzig schwer
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00:24 17.04.2018
Nahe der Thomas-Müntzer-Siedlung will die Stadtfirma LESG an der Rehbacher Straße in diesem Jahr noch 24 Baugrundstücke anbieten. Es gibt bereits mehr als 100 Interessenten. Bei der Vergabe bevorzugt werden Familien mit Kindern, so die LESG. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Es ist erst wenige Jahre her, da konnten sich normal verdienende Familien durchaus den Bau eines Stadthauses in Leipzigs besten Lagen leisten. Doch mit heutigen Ohren klingt das wie aus einer anderen Epoche. 2017 wurden im gesamten Stadtgebiet nur noch 117 Baugrundstücke für Eigenheime, Reihen- und Doppelhäuser verkauft. Dies waren halb so viele wie im Jahr zuvor und so wenig wie noch nie seit der Deutschen Einheit. Üblicherweise lag der Wert sonst bei 350 bis 500 pro Jahr.

Durchschnittspreis jetzt bei 128 000 Euro

Dabei ist der Wunsch nach dem eigenen Häuschen ungebrochen, sagt Gernot Weiß von der Geschäftsstelle des Leipziger Gutachterausschusses. Dieses unabhängige Gremium erhält eine Kopie aller Kaufverträge zum anonymisierten Auswerten. „Die Nachfrage ist groß. Es liegt am fehlenden Angebot“, so Weiß. Dies zeige sich auch bei den steigenden Preisen. Im Schnitt verteuerten sich die Leipziger Grundstücke für den individuellen Wohnungsbau im letzten Jahr um 30 Prozent auf 128 000 Euro. Vor fünf Jahren lag dieser Wert mit 68 000 Euro erst etwa halb so hoch. Zwar sei der durchschnittliche Quadratmeterpreis im gleichen Zeitraum „nur“ von 112 auf 169 Euro gestiegen, erklärt der Fachmann weiter. Doch in den innerstädtischen Gebieten, wo früher vergleichsweise kleine Grundstücke für die sogenannten Stadthäuser genutzt wurden, gebe es heute fast keine Chance für Häuslebauer mehr. Im Herzen Leipzigs verdoppelten sich die Bodenpreise von Jahr zu Jahr, sodass dort lediglich noch Geschosswohnungsbau infrage kommt. Weiß: „In den bevorzugten Wohnlagen sind für Einfamilienhäuser kaum noch Grundstücke verfügbar. Dies führt dazu, dass die Kaufpreise in den bisher günstigeren Lagen an der Peripherie deutlich angezogen haben.“ Jedoch seien dort auch die Flächen meist viel größer.

Mehr als 100 Familien warten

Diese statistischen Daten aus dem Grundstücksmarktbericht 2017, den der Gutachterausschuss unlängst veröffentlicht hat, werden in der Praxis bestätigt. Weit über 100 Familien stehen zum Beispiel auf der Vormerkliste der städtischen Erschließungsgesellschaft LESG, die derzeit freilich gar keine Bauflächen anbietet. „Wir hoffen, im Mai die letzten offenen Fragen zur Erschließung eines Areals an der Rehbacher Straße klären zu können“, so LESG-Chef Ralf-Dieter Claus. Dann könnten dort noch dieses Jahr 24 Baugrundstücke in den Verkauf gehen. Als kommunales Unternehmen wolle die LESG ein Auswahlverfahren anwenden, bei dem die Grundstücke in Knauthain zuerst den Familien mit den meisten Kindern angeboten werden. Später sollen an der Rehbacher Straße noch knapp 60 Grundstücke hinzukommen. Bis zu der – im Neuen Rathaus oft als Befreiungsschlag angepriesenen – Erweiterung der ganz in der Nähe befindlichen Thomas-Müntzer-Siedlung um 180 Baugrundstücke würden aber noch rund zwei Jahre ins Land gehen, sagte Claus weiter.

Entwickler weichen ins Umland aus

Nach Angaben des Baudezernats gibt es in Leipzig etwa 1700 Grundstücke für Einfamilienhäuser in rechtskräftigen Bebauungsplänen. Davon kommt auf dem freien Markt aber offenbar nur ein Bruchteil an. Zum Beispiel startet der Projektentwickler Bonava – als einer der großen Anbieter – an diesem Wochenende die Vermarktung von Bauflächen plus Haus (ab 298 500 Euro aufwärts) in Markranstädt, bald auch in Schkeuditz. In Leipzig werde es immer schwieriger, im Eigenheim-Bereich Projekte aufzulegen, die für die Einheimischen bezahlbar sind, so Niederlassungsleiter Frank Schwennicke. An der Bremer Straße in Gohlis-Nord wolle Bonava auch Eigenheime errichten, aber dort müsse erst noch ein Bebauungsplan her, was zwei bis drei Jahre dauert.

Sonnenpark Probstheida fast ausgebucht

Der Sonnenpark Probstheida – Leipzigs größtes Baugebiet der Nachwendezeit – kann nicht mehr vergrößert werden, so Martin Zischg von der Baubetreuung Unterplan GmbH. Im letzten Bauabschnitt seien nur noch wenige Flächen für vorgegebene Haustypen frei, für individuellen Wohnungsbau gar nichts mehr.

Günstige Angebote hinter der A14 in Portitz

Bei 411 000 Euro beginnen die Preise für eine Doppelhaus-Hälfte der Firma Reinbau an der Brauereistraße in Großzschocher. Mit elf Doppelhäusern ist aber auch dort das Angebot begrenzt. Größere Kapazitäten zu günstigeren Preisen fänden sich in Leipzig derzeit fast nur in der Parkstadt Portitz – also auf der Tauchaer Seite der Autobahn 14, so René Gerndt vom Immobilienbüro Naether. Ein Reihenmittelhaus mit 115 Quadratmetern Wohnfläche gebe es da aktuell ab 267 000 Euro, den Bungalow für 342 800 Euro.

Von Jens Rometsch

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