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Anpacken nach dem Beben in Nepal

Anpacken nach dem Beben in Nepal

Am Anfang war es pure Angst. Als im kleinen Himalaya-Staat Nepal vor gut drei Monaten die Erde bebte. Was ist mit Verwandten, was mit Freunden? "Wir waren schockiert und unendlich traurig", erzählt Reshma Timilsina.

Reshma Timilsina organisiert von Deutschland aus Hilfe für das schwer von Erdbeben betroffene Nepal.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die Nepalesin Timilsina arbeitet als Managerin für internationale Beziehungen an der HHL Leipzig Graduate School of Management, der früheren Handelshochschule. "Am schlimmsten war die Hilflosigkeit, nichts tun zu können", berichtet die 30-Jährige über die Tage nach der Katastrophe. Eine Kommunikation sei zunächst nicht möglich gewesen.

Grund für die temporäre Sprachlosigkeit: In Nepals Hauptstadt war aufgrund der Beben bis zu einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala der Strom und somit auch das Telefonnetz ausgefallen. "Sorgen machte uns vor allem unser Vater, der zwar in Kathmandu lebt, aber in der schwer betroffenen Region um Sindhupalchok nordöstlich von Kathmandu arbeitet", schildert Timilsina. Glücklicherweise sei er an dem Wochenende der beiden ersten großen Beben nicht dort gewesen.

Sie sei eigentlich kein Fan sozialer Netzwerke im weltweiten Web, sagt die HHL-Mitarbeiterin. "Doch Facebook war über Tage meine einzige Informationsquelle, eine sehr gute zugleich", hat sie ihre Sicht auf den blauen Internet-Riesen ein wenig revidiert. Teilweise hätten sie und ihr Mann Pushpa Joshi, der als promovierter Biologe im halleschen Klinikum als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist, mehr als die Menschen vor Ort in Kathmandu über das Ausmaß der Schäden in der Hauptstadt sowie im ganzen Land gewusst.

Als der Strom in Kathmandu wieder da war, konnte die Nepalesin - wie viele Landsleute oder Angehörige von Touristen auch - endlich direkten Kontakt aufnehmen. "Vater ging es gut, er übernachtet seitdem wie viele andere im Freien", berichtet Timilsina, die in Dortmund und Aachen studierte und ihrem Gatten ins Mitteldeutsche folgte, um die Fernbeziehung zu beenden. Schwieriger sei es gewesen, die Familie ihres Mannes zu kontaktieren. Allen sei ein großer Stein vom Herzen gefallen, als endlich die Facebook-Nachricht eintraf: "Uns geht es gut, macht euch keine Sorgen!"

Gemeinsam mit vielen anderen Nepalesen aus Leipzig, Halle und der Re- gion, die lose in der Gesellschaft Nepalese Halle Society zusammengeschlossen sind, begannen Timilsina und Joshi bereits kurz nach der Naturkatastrophe, Unterstützung zu organisieren. "Schon nach kurzer Zeit konnten wir 180 Kilogramm medizinische Hilfsgüter nach Nepal bringen. Dank DHL kostenlos", erzählt die junge Frau, die seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Auch an der Handelshochschule hätten viele Kollegen und Studenten gefragt, wie man am besten helfen könne. "Besonders der HHL-Verein ,Business Students Without Borders' hat sich engagiert, hat mit uns beim großen internationalen Fußball-Turnier mit Studenten aus ganz Europa an unserer Hochschule - der Ivy League - Waffeln verkauft und Geld gesammelt", sagt Timilsina. Weitere Projekte an der HHL seien bereits in Planung.

Alles in allem sind bislang durch verschiedene Initiativen über 12 000 Euro zusammengekommen. "Sunil Tripathee von unserer Gesellschaft hat persönlich die Hilfsgüter vor Ort mit verteilt und mit unserem Kooperationspartner in Nepal, dem Human Development and Awareness Forum, vertraglich geregelt, wie die Spendengelder eingesetzt werden", so die umtriebige Asiatin. Sie selbst habe entschieden, "lieber von hier aus Hilfe zu organisieren, als sich vor Ort im allgemeinen Durcheinander nicht richtig nützlich machen zu können".

Derzeit sammelt die nepalesische Gemeinschaft Geld für den Wiederaufbau von zwölf Räumen und drei Verwaltungszimmern der Shree Haleshwor Higher Secondary School in Suri nahe Sindhupalchok im Distrikt Dolakha. "Neben der Soforthilfe ist es uns auch wichtig, etwas Festes, etwas Bleibendes zu initiieren", so Timilsina. Denn besagte Region sei wirklich sehr, sehr arm und von den mittlerweile Dutzenden Erdbeben unterschiedlicher Stärke besonders betroffen. "Wir Nepalesen erwarten nicht viel von unserer Regierung, die Armen schon gar nicht. Deshalb müssen wir selbst anpacken", sagt die engagierte Frau.

Spenden sind weiterhin über das Crowdfunding-Internetportal (Schwarmfinanzierung) www.visionbakery.com/HalleNepaleseSociety möglich. Informationen gibt es unter halle.nepalese@gmail.com oder auf der Facebook-Seite der Halle Nepalese Society.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.08.2015
Martin Pelzl

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