Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Lokales Anschlagsserie im Leipziger Wahlkampf - Polizei spricht von neuer Qualität der Gewalt
Leipzig Lokales Anschlagsserie im Leipziger Wahlkampf - Polizei spricht von neuer Qualität der Gewalt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:59 16.05.2014
Ein Mitglied der rechtsextremen NPD mit einer Fahne der Partei. Quelle: Stephan Scheuer

Derart gezielte Attacken auf Kandidaten stellten eine ganz neue Qualität der Gewalt dar, sagte gestern Polizeisprecher Uwe Voigt auf LVZ-Anfrage. Im Zusammenhang mit Wahlveranstaltungen sei es auch in der Vergangenheit zu Pöbeleien und bisweilen auch Handgreiflichkeiten gekommen. Wie etwa bei der Wahlkampfveranstaltung der Alternative für Deutschland (AfD) am 9. Mai, die von Studenten und Antifa-Aktivisten massiv gestört wurde. Dass jedoch Kandidaten gezielt in ihrem privaten Umfeld attackiert werden, habe es noch nicht gegeben, so Voigt, treffe auch nicht auf andere Parteien zu.

Seit Mitte März hatten Unbekannte Wohnhäuser von NPD-Kandidaten beschmiert, Autos angezündet. Stadtratsanwärter Enrico Böhm - Mitstreiter der inzwischen aufgelösten rechtsextremistischen Hooligan-Gruppierung Blue Caps LE - wurde vor dreieinhalb Wochen verletzt, als ein Sprengsatz mit teerhaltiger Flüssigkeit durch das Fenster seiner Wohnung geworfen wurde. Zuletzt traf es vor einer Woche den NPD-Mann Detlev Teich, in dessen Wohnung ein Teerbeutel Sachschaden anrichtete.

Die Polizei registrierte sechs Brandanschläge auf Autos, vier Schmierereien, drei Sachbeschädigungen und eine Körperverletzung - insgesamt 14 Straftaten mit 17 Delikten. Dabei wissen die Täter auffällig gut über ihre Opfer und deren private Gewohnheiten Bescheid. Und sie sind nicht nur in Leipzig unterwegs, gezielte Anschläge gab es nach Angaben der Polizei auch in Delitzsch und Taucha. Die Ermittlungen hat der Staatsschutz übernommen.

Im April hatte der NPD-Landesverband 2000 Euro Belohnung für Hinweise zur Ergreifung der Täter ausgesetzt. Die Neonazi-Partei, die laut Verfassungsschutz die Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung anstrebt und in ihrem Kommunalwahlkampf beispielsweise getrennte Schulklassen für deutsche und ausländische Kinder sowie "keine abstoßenden Darbietungen auf Leipziger Bühnen" fordert, nimmt die Anschläge zum Anlass für eine Demo.

An diesem Sonntag will die Nachwuchsorganisation Junge Nationaldemokraten (JN) von 12 bis 19 Uhr in Lindenau aufmarschieren - Motto: "Linken Straßenterror stoppen! Medien-Verharmlosung und Polizei-Untätigkeit beenden!" Rund 200 Teilnehmer werden laut Ordnungsamt erwartet, geplant ist eine Route ab Lindenauer Markt über Dreilindenstraße, Zschochersche Straße, Lützner Straße, Merseburger Straße, Uhlandstraße, William-Zipperer-Straße und Demmeringstraße bis zurück zum Lindenauer Markt.

Die linke Szene reagierte postwendend, meldete für denselben Tag zwei Kundgebungen mit jeweils 75 Teilnehmern an - Motto: "Gegen neonazistische Propaganda. In Lindenau wie überall." Von 11.30 bis 15 Uhr versammeln sich Anhänger des Aktionsnetzwerks "Leipzig nimmt Platz" an der Endersstraße zwischen Lützner Straße und Merseburger Straße sowie in der Lionstraße/Ecke Lützner Straße. "Die Vorwürfe der Jungen Nationaldemokraten sind haltlos", erklärte Stadträtin Juliane Nagel (Linke). "Es steht zu vermuten, dass es den Nazis eher um eine Demonstration der Stärke vor den Kommunalwahlen geht."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.05.2014

Döring, Frank

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Markus Kopp (47) und Friedrich Magirius (83) strahlen um die Wette, als sie gestern der LVZ die frohe Botschaft verkünden: Das Polnische Institut in Leipzig bleibt erhalten, allerdings in reduzierter Form mit nur zwei Mitarbeitern.

16.05.2014

Wer kennt das nicht: Samstagnachmittag, die Sonne lacht, bestes Park-Wetter. Also schnell noch zum Discounter rüber, Einweggrill für 1,99 Euro geholt, Holzkohle, Würstchen, Steaks dazu und ein Kasten Bier.

16.05.2014

Unter dem Motto „Klingeln gegen Pfeifen“ wollen am Montag Leipziger Studenten mit einer Fahrrad-Demo gegen die Kürzungspolitik in Sachsen protestieren. Wie das Ordnungsamt mitteilte, hat der Studentenrat der Universität Leipzig die Versammlung angemeldet.

16.05.2014