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Ansturm auf Beratungsstelle für ehemalige DDR-Heimkinder in Leipzig

Ansturm auf Beratungsstelle für ehemalige DDR-Heimkinder in Leipzig

Die Anlauf- und Beratungsstelle für DDR-Heimkinder in Sachsen hat in den ersten drei Monaten ihres Bestehens einen regelrechten Ansturm erlebt: Seit der Eröffnung am 2. Juli in Leipzig gab es rund 3000 Anfragen per Telefon, E-Mail oder direkt vor Ort.

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Prospekte zum „Fonds Heimerziehung“ liegen in der neuen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige DDR-Heimkinder in Leipzig aus.

Quelle: dpa

Leipzig. Mehr als 200 Betroffene wurden bisher beraten. „Wir haben schon mit großem Interesse gerechnet, mit diesem hohen Umfang jedoch nicht“, sagte Reiner Henze vom Kommunalen Sozialverband Sachsen (KSV), der im Auftrag des Freistaates die Trägerschaft für die Beratungsstelle übernommen hat.

Die Beratung sei schnell angelaufen - wenn auch zahlreiche einstige Heimkinder mehrere Male zum Telefonhörer greifen mussten. „Die zahlreichen Anrufe konnten durch die drei Mitarbeiterinnen nicht immer gleich entgegen genommen werden“, erklärte Henze. In der Beratungsstelle arbeiten neben einer Büromanagerin auch eine Juristin und eine Psychologin. „Für die Betroffenen ist es das Wichtigste, überhaupt gehört zu werden und mit jemandem über ihre Erfahrungen reden zu können“, sagte eine Mitarbeiterin. Einen solchen Andrang hätte allerdings keiner erwartet, hieß es.

In der Leipziger Anlaufstelle können sich Männer und Frauen, die immer noch unter den Folgen ihrer Unterbringung in Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR leiden, über Therapien und Rentenersatzleistungen informieren. „Die Beratungen zu beiden Themen halten sich in etwa die Waage“, sagte Henze. Bisher wurden 17 Beratungen zu Rentenersatzleistungen und 13 zu Sachleistungen abgeschlossen. Wer ein persönliches Gespräch sucht, muss allerdings Geduld mitbringen: „Die Wartezeit liegt leider schon bei mehr als sechs Monaten“, berichtete Henze.

Nach Angaben des Sozialministeriums ist keine Aufstockung des Personals geplant. „Aktuell ist die Auslastung sehr hoch, weil sich viele Betroffene punktgenau mit der Errichtung des Fonds an die Berater gewandt haben und nun zügig Hilfe erwarten“, sagte ein Ministeriumssprecher. Die Zahl der Nachfragen werde wieder sinken. Erfahrungen aus den alten Bundesländern hätten gezeigt, dass der Beginn meist „stürmisch“ sei - und der Andrang dann zurückgehe.

Die Leipziger Beratungsstelle arbeitet auch eng mit der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau zusammen. „Wir vermitteln Betroffene, begleiten sie bei der Beratung“, sagte die Vorsitzende des Trägervereins, Gabriele Beyler. Zudem werde ehemaligen Heimkindern dabei geholfen, ihr eigenes Schicksal aufzuarbeiten und etwa Akten anzufordern.

Finanziert wird die Anlaufstelle aus dem Hilfsfonds „Heimerziehung in der DDR in den Jahren 1949 bis 1990“, an dem sich Sachsen mit knapp sechs Millionen Euro beteiligt. Insgesamt sind vom Bund und den ostdeutschen Ländern dafür 40 Millionen Euro bereitgestellt worden. Auch in den anderen Bundesländern wurden Beratungsstellen eröffnet. Ansprüche können noch bis zum 30. Juni 2016 angemeldet werden.

Christiane Raatz, dpa

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