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Antifa demonstriert am Sonnabend - Kasek: "Wut sinnvoll kanalisiert"

Antifa demonstriert am Sonnabend - Kasek: "Wut sinnvoll kanalisiert"

Leipzig. Polizisten rüsten sich und sichern die Strecke ab, auf dem Leipziger Südplatz herrscht am Sonnabendnachmittag Aufbruchsstimmung.

Kurz nachdem die von Stadträtin Juliane Nagel (Linke) beantragte Demonstration genehmigt wurde, versammelten sich verschiedene Gruppierungen.

Von 14.15 Uhr an führte sie die nach Polizeiangaben rund 200 Teilnehmer über die Karl-Liebknecht-Straße stadteinwärts bis vor die Moritzbastei an. Nach einer Zwischenkundgebung liefen die von der Polizei begleiteten Demonstranten über die Nürnberger Straße wieder zurück.

„Ich bin zufrieden. Obwohl das hier alles einen bitteren Beigeschmack hat“, sagte Nagel, die auch Vorstandsvorsitzende des Aktionsbündnisses „Leipzig nimmt Platz“ ist. Das Beschluss des Oberverwaltungsgerichtes habe sie eiskalt erwischt. „Ich sehe das als ein echtes Problem und als massiven Eingriff in die Versammlungsfreiheit der Bürger“, beklagte sie. „Es gibt eine repressive, antidemokratische Entwicklung in Sachsen“, fügte die Stadträtin hinzu.

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Jürgen Kasek.

Quelle: Regina Katzer

In der marschierenden Menge, die von der Antifa angeführt wurde, waren immer wieder Parolen wie „Nieder mit den Nazis“, „Nie wieder Deutschland“ oder „Nazis von der Straße fegen“ zu hören. Einige Sprüche seien für Jürgen Kasek (Bündnis 90/Die Grünen), der die Demonstration als Ordner begleitete, problematisch gewesen. „Da ist Wut zu sehen“, so der Vorstandssprecher der Leipziger Grünen. „Aber durch die Veranstaltung wird diese Wut vieler sinnvoll kanalisiert. Das ist besser, als wenn vereinzelt randaliert wird.“

In einem Redebeitrag während einer Zwischenkundgebung der Linksjugend Leipzig wurde die Polizei kritisiert. Die Begründung des Notstandes sei für viele nicht nachvollziehbar. Ein Sprecher des Jugendverbandes beklagte, dass die Polizei es immer so auslege, wie sie es gerade bräuchte.

Dem pflichtete Diana Hohnen, die sich in den Demonstrationszug eingereiht hatte, bei. „Das Versammlungsrecht ist ein Grundrecht. Dass alles verboten wurde, ist eine typische Reaktion in Sachsen“, meinte die 23-Jährige, die sich über die Grünen für das Aktionsbündnis engagierte.

Mit einem großen blauen Plakat der Jungen Gemeinde-Soligruppe aus Jena demonstrierte auch Norman Beberhold. „Eigentlich bin ich nicht froh, dass die Demo abgesagt wurde. Proteste und Meinungen sollten auf der Straße ausgetragen werden“, meinte der 30-Jährige.“Außerdem ist es wichtig, bei Anti-Nazi-Demonstrationen dabei zu sein.“ Zusammen mit drei Freunden prangerte er mit dem blauen Plakat die Hausdurchsuchung des Jenaer Jugendpfarrers Lothar König an, die sächsische Polizisten am 10. August durchführten.

„Großes Fest“ auf Hinterhof der Gewerkschaft Verdi gefeiert

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Frank Kimmerle.

Quelle: Regina Katzer

Eine Musikbühne, Biertischgarnituren und Essensstände im Grünen waren bereits vor der Antifa-Demonstration auf dem Gelände der Gewerkschaft Verdi hinter dem Volkshaus aufgestellt. „Wir feiern heute ein großes Fest, denn unser Ziel, die Nazis aus Leipzig zu vertreiben, haben wir erreicht“, sagte Frank Kimmerle, Sprecher des Aktionsnetzwerkes, stolz.

„Bei mir überwiegt die Freude, dass die NPD nicht demonstrieren durfte“, meinte Edda Möller vom Verein Leipzig Courage zeigen. Dennoch herrschte Unzufriedenheit. „Die Stadt hat mit ihren Verboten weit über das Ziel hinausgeschossen“, bedauerte Kimmerle, da auch seine eigenen Aktionen betroffen waren.

Noch in der Nacht zu Sonnabend, gleich nach dem OVG-Beschluss, organisierte Möller einen neuen Treffpunkt der Anhänger des Aktionsnetzwerkes. Über die kurzfristige Zusage der Gewerkschaft Verdi, der der Hof gehört, freute sie sich.

„Unsere 75 Mahnwachen und Stolpersteinaktionen konnten wir leider nicht durchführen“, fügte die Vorsitzende des Vereines Leipzig Courage zeigen hinzu. Viele seien enttäuscht gewesen und hätten gern Farbe bekannt, indem sie sich an der Mahnwache beteiligen wollten.

Manfred Tigges, stellvertretender Geschäftsführer von Verdi in Leipzig, begrüßte die Alternative auf dem Privatgelände. „Ich bin froh, dass wir heute hier sind“, so Tigges. Im Gegensatz zu Dresden funktioniere Leipzig, spielte er auf die Demonstration von Neonazis in der Landeshauptstadt am 19. Februar an. Die Polizei habe jetzt die richtigen Schlüsse gezogen.

Auch Kimmerle lobte Polizei und Stadt. Beide hätten alles dafür getan, die Nazi-Demonstration zu verbieten. Der Sprecher des Bündnisses bemerkte, dass der Gewerkschaftshof „zum ersten Mal für so eine Aktion genutzt wurde“. Das Motto „Kein Platz für Nazis“ sei nach Meinung von Möller aufgegangen.

Lage im Hauptbahnhof entspannt

Im und um den Hauptbahnhof waren viele Polizisten präsent, die jedoch wenig zu tun hatten. „Zum Glück wurde die Demo verboten“, sagte die Leipzigerin Eva Schäfer. Die Frau wäre sonst nicht in die Geschäfte einkaufen gegangen. „Der Schaden ist doch für alle viel größer, wenn etwas passiert wäre“, meinte sie. „Vor allem die älteren Menschen haben Angst, wenn randaliert wird und Scheiben zu Bruch gehen. Ich bin froh, dass es ruhig ist.“

Petra Liedke von einem Schmuckgeschäft im Hauptbahnhof war ebenfalls erleichtert, dass keine Demonstration im Hauptbahnhof stattfand. „Trotzdem gehen heute nicht so viele einkaufen. Sonst sind immer mehr Leute unterwegs. Aber vielleicht haben sie noch nicht vom Verbot gehört“, so die Verkäuferin. „Wenn demonstriert worden wäre, hätten wir nach der aktuellen Lage entschieden, ob wir den Laden dicht machen oder nicht“, fügte sie hinzu.

Annett Böhm

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