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Lokales Antifaschistisches Gedenken in KZ-Außenstelle in Leipzig-Schönefeld
Leipzig Lokales Antifaschistisches Gedenken in KZ-Außenstelle in Leipzig-Schönefeld
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15:44 07.05.2018
Zwangsarbeiter bei der HASAG in Leipzig. Quelle: Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
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Leipzig

Mehr als 10.000 Zwangsarbeiter mussten während des Zweiten Weltkrieges in Leipzigs-Schönefeld unter unmenschlichen Bedingungen für den deutschen Angriffskrieg Munition und Panzerfäuste herstellen. In unmittelbarer Nähe des Stammsitzes des Rüstungskonzerns Hugo-Schneider-Aktiengesellschaft (HASAG), auf einem Gelände an der heutigen Kamenzer Straße 10/12, wurde 1944 zudem eine Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald eingerichtet. Mit einer Kundgebung zum Tag der Befreiung am 8. Mai (18 Uhr) soll an das Schicksal der Insassen erinnert werden.

Bis zu 5000 weibliche Häftlinge waren in den Baracken der KZ-Außenstelle eingepfercht, vor allem jüdische Polinnen und politische Gegnerinnen der Nationalsozialisten, die von den Nazis zur Arbeit in den HASAG-Werken in Leipzig, Altenburg, Taucha, Meuselwitz, Schlieben, Colditz und Flößberg gezwungen wurden. Als sich das Ende der Nationalsozialisten näherte, wurde das KZ-Außenlager in Schönefeld aufgelöst und die verbliebenen Häftlinge auf Todesmärsche geschickt. Die zu spät gekommenen Befreier ließen später alle KZ-Baracken abreißen, lediglich das Hauptgebäude der HASAG-Werke blieb bestehen.

Neonazi-Konzerte im auf dem ehemaligen KZ-Gelände

Mehr als 70 Jahre später gerät der Ort nun allerdings immer wieder in den Fokus von Rechtsextremen. Anfang des Jahres konnte die Polizei ein geplantes Neonazi-Festival auf dem früheren KZ-Gelände noch verhindern. Nach Angaben aus dem Sächsischem Innenministerium war dies allerdings nicht der erste geplante Neonazi-Treff vor Ort: Bereits im November und September 2008 sei der Ort für rechtsextreme Konzerte genutzt worden, heißt es in der Antwort zu einer Landtagsanfrage. Auch eine Gedenktafel für die Opfer der Todesmärsche wurde mehrfach zerstört.

Nicht zuletzt soll eine Lagerhalle auf dem Gelände nach Informationen des Leipziger Ladenschlussbündnisses auch von rechten Hooligans und einer Rockergang als Trainingszentrum und Domizil genutzt werden. Die Initiative nimmt dies nun zum Anlass, das Gedenken am 8. Mai auch als öffentliche Anklage zu nutzen.

„Wir wollen vor Ort den Finger in die Wunde legen. Das öffentliche Gedenken an die Verbrechen des NS-Regimes ist heute von größerer politischer Bedeutung denn je. Die politischen Erben der nationalsozialistischen Massenmörder von damals haben heute Aufrieb und terrorisieren regelmäßig Menschen, die in ihr Feindbild passen. Das hat nicht nur der Angriff auf Connewitz am 11. Januar 2016 gezeigt“, sagte Sprecherin Theresa Grün.

Zur Kundgebung am Dienstagabend soll deshalb nicht nur an die Geschichte des Areals erinnert, sondern auch über die Hintergründe der aktuellen Neonazi-Strukturen berichtet werden.

Mehr Infos: www.zwangsarbeit-in-leipzig.de

Von Matthias Puppe

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