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Anwohner besorgt nach Kraftklub-Erdbeben in Leipzig – Arena-Chef ist gegen „Hüpfverbot“

Anwohner besorgt nach Kraftklub-Erdbeben in Leipzig – Arena-Chef ist gegen „Hüpfverbot“

Bei Anwohnern aus dem Leipziger Waldstraßenviertel wächst nach dem Erdbeben-Alarm durch das Kraftklub-Konzert in der Arena die Sorge.

Leipzig. Sie befürchten, dass so starke Schwingungen für die Gebäude in einem der größten zusammenhängenden Gründerzeitquartiere Europas auf Dauer gefährlich werden könnten. Experten bestätigen, dass es dadurch tatsächlich zu Schäden kommen kann. Die Arena-Betreibergesellschaft ZSL ist jedoch ratlos, wie dem Problem begegnet werden kann. Ein „Hüpfverbot“ in der Halle steht für Geschäftsführer Winfried Lonzen jedenfalls nicht zur Debatte. „Bei aller Liebe, da machen wir uns lächerlich“, sagte er gegenüber LVZ-Online.

Klirrende Gläser und ein Riss in der Tapete: Bei Meike Härtel waren die Erschütterungen am Donnerstagabend vergangene Woche besonders stark zu spüren. Die 45-Jährige wohnt in einer Dachgeschosswohnung in der Fregestraße und war bereits von früheren Konzerten gewohnt, dass es zu Vibrationen kommen kann. „Aber diesmal war es anders. Sogar die Küchenschränke wackelten“, berichtet die Ärztin. Eine 71-jährige Bewohnerin aus ihrem Haus habe kurz vor einer Panikattacke gestanden: „Sie wohnt noch nicht so lange hier und dachte wirklich an ein Erdbeben.“

„Hatte das Gefühl, man wird seekrank“

Heftig war es vor allem auf Härtels Balkon mit Blick auf die Arena: „Da hatte man das Gefühl, man wird seekrank.“ In der angrenzenden Küche gab es auch den Riss in der Tapete, von dem die Feuerwehr nach ihrem Einsatz berichtet hatte. „Wir haben nichts gegen Rockkonzerte. Ich mag Kraftklub auch“, betont Härtel. „Uns stellt sich aber die Frage, wie lange die Bausubstanz das mitmacht. Was passiert, wenn statt 8000 mehr als 10.000 Leute hüpfen?“

Im schlimmsten Falle könne bei starken Erdstößen das Fundament eines Hauses um einige Zentimeter absacken, erklärt Experte Lutz Wickler auf Anfrage von LVZ-Online. Bei hohem Grundwasserstand sei das Erdreich besonders anfällig für Schwingungen, da sich diese dann übertragen. „Je nach Erhaltungszustand kann es zu Rissen in Häusern kommen“, so der Sachverständige für Gebäudeschäden vom Leipziger Atelier für Bauplanung und Baubetreuung. Einsturzgefahr drohe aber nicht, beruhigt der Ingenieur. Erst ab Erdbeben der Stärke 4 bis 5 auf der Richterskala könne es für vorgeschädigte Häuser ernsthaft gefährlich werden. Auch für die Arena selbst sieht Wickler keine Gefahr: „Dafür reichen die Schwingungen nicht aus. Bei der Konstruktion moderner Konzerthallen ist das in der Regel mit einberechnet“, so der Statik-Fachmann.

Mehr als 15.000 Likes für das Erdbeben bei Facebook

Auch das Amt für Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt sieht keinen Anlass zur Panik. „Die Rissbildung war nicht derart, dass bauaufsichtliche Maßnahmen erforderlich waren“, teilt die stellvertretende Leiterin Kathrin Rödiger mit. Den Anwohnern sei nahegelegt worden, ihren Vermietern von „eventuellen Schäden“ zu berichten. Ordnungsbehördliche Maßnahmen hätten nicht eingeleitet werden müssen. Auch spezielle Schwingungsmessungen wurden nicht durchgeführt. Lediglich der Schallpegel in der Luft sei untersucht wurden. Dieser habe im „zulässigen Bereich“ gelegen.

Die Band Kraftklub hatte die rund 8000 Besucher bei ihrem Konzert in der Arena dazu animiert, aufzustehen und zu springen. Da es zu minutenlangen Erschütterungen im gesamten Waldstraßenviertel kam, dachten viele Bewohner an ein Erdbeben und riefen die Feuerwehr. Die Geschichte löste auch im Internet ein Erdbeben an Reaktionen aus. Mehr als 15.000 Likes und knapp 1000 Kommentare erhielten die Chemnitzer für ihren Post bei Facebook mit dem Kommentar: „Haha! Es ist wirklich passiert: Wir haben ein Erdbeben ausgelöst!!!!“ Da Kraftklub noch auf Tour sind, stand die Konzertagentur Landstreicher für ein Statement nicht zur Verfügung.

Wohnzimmerkonzert als Wiedergutmachung?

ZSL-Chef Lonzen, der selbst beim Konzert war, ist überzeugt, dass die Arena auch künftig solchen Belastungen standhält. Über Konsequenzen werde deshalb gar nicht erst nachgedacht. In der Halle selbst habe es auch nicht gewackelt. „Bei uns stand alles fest“, so der ZSL-Chef. Eine kleine Wiedergutmachung von Kraftklub bei betroffenen Anwohnern – zum Beispiel ein Wohnzimmerkonzert der Band – fände Lonzen jedoch sympathisch. „Dann wackelt es vielleicht bei uns“, scherzt der Arena-Chef.

Robert Nößler

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