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Lokales Anwohner der Weißen Elster wollen gegen Gastronomie vorgehen
Leipzig Lokales Anwohner der Weißen Elster wollen gegen Gastronomie vorgehen
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01:00 08.10.2014
Joachim Trost kämpft seit Jahren für seine Mieter, die sich durch die Gastronomie an der Weißen Elster belästigt fühlen. Quelle: André Kempner
Leipzig

Jetzt wollen sie ihr Wohnidyll vor Gericht verteidigen.

"Es ist hier wie im Tollhaus", sagt Sven Weber (48). "Die Gastronomen können machen, was sie wollen." Normalerweise müssten sie ab 22 Uhr ihre Freisitze am Wasser schließen. Aber daran hielten sich längst nicht alle. "Ich schlafe nur noch mit Oropax", berichtet Ute Stache (47), "die Fenster kann man abends sowieso nicht öffnen." Seit fünf Jahren wohnt die Krankenschwester vis-à-vis eines Lokals, hat zahlreiche lautstarke Zechgelage seitdem ertragen müssen. Aber ausziehen ist für sie keine Lösung. "Ich sehe nicht ein", sagt sie, "warum ich als Mieter weichen soll."

Joachim Trost (63), der die Wohnungen in der Könneritzstraße 8, 10 und 16 nicht nur verwaltet, sondern selbst dort wohnt, ist sich durchaus bewusst, dass Bewohner einer Großstadt mehr Kompromisse in punkto Lärmbelastung machen müssen als die auf dem Land. "Es geht uns nicht darum, die Gastronomie zu verbieten, sondern um ein vernünftiges Wohnumfeld. Wir leben doch nicht in einem rechtsfreien Raum", sagt er.

22 Mieter haben sich bei ihm über den abendlichen Krach bereits beschwert. Die Fluktuation in den Häusern sei groß. Versuche, mit den Gastronomen zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen, seien immer wieder fehlgeschlagen. Und auch Beschwerden in der Stadtverwaltung hätten die Lage nicht verbessert. Trost: "Die machten zwar schon Lärmmessungen, aber nicht am Haus, sondern 200 Meter entfernt auf der Brücke." Außerdem habe seitens der Behörden nie jemand abends die Situation vor Ort in Augenschein genommen, sondern nur am Tage, wenn es meist ruhiger ist. Trost resigniert: "Seit fünf Jahren kommen wir hier nicht weiter."

Die Bewohner der Könneritzstraße sind dabei gleich doppelt gebeutelt. Von vorn kriegen sie die volle Ladung Verkehrslärm, einschließlich quietschender Straßenbahnen, ab. Und hinterm Haus sind sie dem Lärm aus den Gaststätten ausgesetzt, weil der Fluss wie ein Trichter wirkt und jedes Geräusch noch verstärkt. "Ich höre jedes Gespräch, was drüben am Tisch geführt wird", sagt Trost. In ihrer Verzweiflung hätten manche Mieter schon ihr Schlafzimmer von der Flussseite zur Straße verlegt.

Rechtsanwalt Jürgen Kasek bereitet im Auftrag von Trost gerade eine Klage vor dem Landgericht vor, um den Anwohnern zu mehr Ruhe zu verhelfen. Er beruft sich auf das Bundesimmissionsschutzgesetz und die Technische Anleitung Lärm, die klare Rahmen zum Schutz der Bevölkerung vor Lärm setzen.

Angesicht der seit Jahren bestehenden Konflikte sieht Kasek es zudem als problematisch an, dass die Kommune in diesem Jahr sogar einer Vergrößerung der Freisitze und einer Erweiterung der Schließzeiten auf 23 Uhr zugestimmt habe.

Gegen diesen Bescheid seien Widersprüche anhängig. Er weiß, so Kasek, welche Erwartungen gerade seitens der Wirtschaft auf der Stadtverwaltung lasten. "Der Nutzungsdruck an den Gewässern ist groß. Man braucht aber Beschränkungen, um die Interessen der Anwohner zu schützen." Der Bayrische Verwaltungsgerichtshof habe dazu bereits ein klares Urteil gefällt. Kasek: "Das Recht der Bürger auf Nachtruhe ist deutlich höher zu bewerten als wirtschaftlicher Erfolg."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.10.2014.

Klaus Staeubert

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