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Lokales Anwohner in Leipzig genervt: Nutrias kommen bis ins Haus – auf Fütterung verzichten
Leipzig Lokales Anwohner in Leipzig genervt: Nutrias kommen bis ins Haus – auf Fütterung verzichten
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15:35 30.04.2015
Niedlich oder nervig? Nutrias fühlen sich wohl an Leipzigs Gewässern. Quelle: Dirk Knofe
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Leipzig

Nutrias sind an den Gewässern der Pleißestadt mittlerweile so gut wie heimisch. Eine Folge der deutschen Wiedervereinigung: Aus den unrentabel gewordenen ostdeutschen Zuchtbetrieben wurden die südamerikanischen Nagetiere gezielt frei gelassen. Die Stadtverwaltung schildert nun auf ihrer Homepage Details zu den Nutrias im Stadtgebiet und zu den Auswirkungen der Fütterung.

„Es ist ein gutes Zeichen, dass sich die Stadt jetzt zu dieser Thematik bekennt“, sagt Cordula Rosch (Bündnis 90/Die Grünen). Sie ist Mitglied im Stadtbezirksbeirat Leipzig-Südwest, der sich für die Aufklärung über die Fütterung von Nutrias stark macht. „Zwar empfinden viele Menschen die Nähe zu diesem Wildtier als schön, wenn sie es füttern. Doch es fehlt oftmals die Kenntnis darüber, dass eine exzessive Fütterung besonderes im Herbst und Winter die natürliche Reduzierung der Populationen verhindert.“

Leipzig. Wenn sie mit ihren auffällig orange gefärbten Schneidezähnen durch die Weiße Elster gleiten, dann rascheln viele Eltern und Kinder schon in der Brotkrümmeltüte. Nutrias sind an den Gewässern der Pleißestadt mittlerweile so gut wie heimisch. Die Stadtverwaltung schildert nun auf ihrer Homepage Details zu den Nutrias im Stadtgebiet und zu den Auswirkungen der Fütterung.

Eine regelmäßige und starke Fütterung führt nicht nur dazu, dass sich Nutrias vermehren, sondern auch Ratten, die unwillkürlich daran teilhaben werden. Hinzu kommen die Witterungsbedingungen: Ein milder Winter, wie es in der vergangenen Saison der Fall war, kann bewirken, dass Bestände vielerorts eher konstant bleiben als abnehmen.

Von einer Nutriaplage und Schäden, die die öffentliche Sicherheit gefährden, könne jedoch keine Rede sein, so der Grundtenor des städtischen Informationsblattes.

Tierischer Gast in der Küche

Der Beirat sieht das anders. Er beobachtete schon im vergangenen Jahr entlang der Weißen Elster in Schleußig, vor allem im Umfeld des Limburger Stegs, eine deutliche Zunahme der Nutria-Population. Klagen der Anwohner häuften sich: In Gartenanlagen würden die Nager Erdbeerpflanzen und Blumen abfressen und bei offen gelassener Terrassentür seien die Tiere auch schon mal in der Küche aufgetaucht.

In einem Empfehlungsschreiben an den Stadtrat fordert das Gremium nun ein städtisches Konzept im Umgang mit Nutrias, aber auch mit anderen Wildtieren wie Waschbären oder Wildschweinen. „Ein großes Augenmerk soll laut Beirat auf die Bestandsaufnahme der Tiere gerichtet werden. Nur mithilfe einer Datengrundlage, wie einer Zählung, können wir beobachten, wie sich die Bestände entwickeln“, sagt Rosch. Andere Konzeptvorschläge betreffen Sanktionen bei Fütterungen oder die Benennung von Obergrenzen der Verträglichkeit je Wildtierart. Rosch sei lediglich bekannt, dass das Ordnungsamt in der Vergangenheit an den betreffenden Fütterungsstellen Flyer über ein Fütterungsverbot verteilt habe.

Handfeste Fakten über die Populationsdichte von Nutrias hat die Kommune bisher nicht  vorgelegt. „Wie bei den meisten Wildtieren in der Stadt lässt sich Zahl der Tiere nicht seriös schätzen“, sagt Stadtförster Andreas Sickert. Wie solle ein Tier gezählt werden, das in Höhlen lebt und größtenteils taucht, wirft er ein. „Sicher ist nur, dass Nutriaweibchen bis zu 40 Jungtiere jährlich bekommen. Das ist auch der Grund für die zeitweise explosionsartige Vermehrung.“

„Verzicht auf Fütterung als einzige Möglichkeit“

Da die Nagetiere Höhlensysteme nahe der Gewässer bauen, kontrolliert die Stadt Schäden an den Uferbereichen. Laut Angaben des Stadtförsters sei das gegenwärtig das einzige Kontrollinstrument. „Einmal jährlich fahren wir zusammen mit der Landestalsperrenverwaltung und dem Veterinäramt betroffene Gewässerabschnitte mit dem Boot ab und schätzen ein, ob die öffentliche Sicherheit gefährdet ist“, sagt Sickert.

Auch wenn Nutrias zu den Wildtieren zählen, eine Jagd auf sie ist in der Pleißestadt tabu. Die Behörden vergeben in der Regel keine Genehmigungen, da die städtischen Bereiche zu den sogenannten befriedeten Bezirken gehören. „Den Verzicht auf Fütterungen sehe ich als einzige realistische Möglichkeit, die Tiere in ihrer Zahl erheblich und nachhaltig zu reduzieren“, ist sich Sickert sicher. Voraussichtlich im Mai wird der Stadtrat entscheiden, ob er den Empfehlungen des Stadtbezirksbeirates nachkommt. Vielleicht müssen Eltern dann zukünftig die Brotkrümmeltüte zu Hause lassen.

Victoria Graul

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